Kolumne von Franziska Iwanow
Schon zu Beginn des vergangenen Jahres hatte ich in dieser Kolumne geschrieben, dass die Nachrichtenlage meine Januar-Aufbruchstimmung gehörig dämpfte. Eigentlich würde ich gerne mit Leichtigkeit, Zuversicht und Tatendrang in jedes neue Jahr starten.
Das gelang mir in diesem Jahr genau einen Tag lang, am 1. Januar. Diesen Tag verbrachte ich offline mit lieben Freundinnen und Freunden und versteckte mich vor der Welt samt all ihren Krisennachrichten. In dem Moment, in dem ich meine Offline-Höhle verlassen hatte und die Wucht der Negativnachrichten spürte, war die zuversichtliche Leichtigkeit dahin.
Nun ist aber das Verstecken keine Lösung auf Dauer. Ganz sicher müssen wir alle uns schützen, auf unsere mentalen, emotionalen und physischen Kapazitäten achten und Schlagzeilenpausen einlegen, um nicht verbittert, ohnmächtig gelähmt oder allzu ängstlich zu werden. Nur durch dauerhaftes Ausblenden oder gar ein Abstumpfen, blind und gleichgültig allem Elend gegenüber, von dem man nicht unmittelbar betroffen ist, wird die Welt kein herzlicherer oder gerechterer Ort. Und vor allem bleiben die realen Krisen auch dann existent, wenn wir nicht hinschauen.
Da du, liebe Leserin, lieber Leser, deine Zeit und Aufmerksamkeit einem Portal schenkst, dass sich mit vollem Herzblut guten Nachrichten verschrieben hat, ist dir klar, dass neben dem Schweren auch unheimlich viel Schönes, Gutes, Erhebendes um uns herum existiert. Auch wenn es genug gibt, an dem man verzweifeln könnte, sind da mindestens genauso viele Chancen, Möglichkeiten und Hoffnungsvolles. Leider kommt das häufig leiser und sanfter daher.
Deshalb möchte ich dich heute gleich doppelt einladen!
- Bleibe wach für alles, was uns umgibt. Verschließe dich nicht vor dem Schmerz, den die Krisen der Welt mit sich bringen. Schau hin und lass dich berühren, weil wir nur mitfühlend menschliche Größe zeigen können. Und lenke gleichzeitig deine Aufmerksamkeit immer wieder ganz bewusst auf die positiven, die sinnstiftenden, mutmachenden Nachrichten. Verbreite und teile sie. Erzähle von all dem, was zuversichtlich und hoffnungsfroh stimmt. Trainiere den Optimismus-Fokus und lass andere teilhaben, wann immer es deine Kapazitäten zulassen.
- Meine zweite Einladung möchte ich dir zurufen, gerade dann, wenn die Hetzer und Hater besonders laut sind: Lasst uns gute Nachrichten erschaffen! Lasst uns der Grund für einen tragfähigen Optimismus sein.
Das Alphabet, das dich nicht nur innerlich stärkt
Hier kommt ein Alphabet mit Ideen, um positive Impulse zu setzen und ganz nebenbei Selbstwirksamkeit zu erleben:
A – Alltagsheld*innen: Kleine Taten, die den Alltag anderer erleichtern (z. B. für jemanden mit einkaufen)
B – Bewusster Umgang mit der Natur: Auf Spaziergängen Müll sammeln oder Bienenfutter, Wildblumen bereitstellen
C – Community-Projekte: Im örtlichen Repair-Café mithelfen oder bei einer Nachbarschaftsinitiative teilnehmen
D – Dialog führen: Zuhören und Verständnis zeigen, statt sofort zu urteilen
E – Ehrenamtliche Zeit: Engagement, das Raum für andere schafft
F – Früchte der eigenen Arbeit: Fortschritte feiern, auch wenn sie klein sind (auch die Erfolge von anderen!)
G – Gute Geschichten teilen: Positives sichtbar machen, Inspiration weitergeben, ermutigende Artikel teilen
H – Handeln statt reden: Praktische Unterstützung leisten (bei Einkäufen, Reparaturen, Betreuung, Telefonaten, Transporten, …)
I – Initiativen starten oder unterstützen: Ideen ausprobieren, die lokal oder nachhaltig wirken. Individuelle Lösungen für konkrete Alltagsprobleme vor Ort suchen
J – Jährliche Rituale: Wiederkehrende Momente, die Struktur, Freude oder Verbundenheit bringen
K – Kunst und Gestaltung: Kunst verbindet, weckt Kreativität und weitet den Blick. Selber machen oder inspirieren lassen
L – Lernen fördern: Wissen teilen, gemeinsam Neues entdecken
M – Momente der Stille: Bewusst innehalten, nicht auf jeden Empörungszug aufspringen, Nachrichten erstmal sacken lassen
N – Netzwerke aufbauen oder pflegen: Begegnungen suchen, Kontakte pflegen, Unterstützung anbieten
O – Optimismus im Handeln: Aktiv werden, auch wenn nur winzige Schritte möglich sind
P – Petitionen unterschreiben: Initiativen unterstützen, die zu den eigenen Werten passen
Q – Qualitäten feiern: Stärken, Leistungen, positive Eigenschaften von Menschen anerkennen und würdigen
R – Ressourcen teilen: Zeit, Wissen, Räume oder Materialien weitergeben
S – Selbstgemachtes: Etwas herstellen, schreiben, backen oder bauen, das Freude schenkt
T – Transparenz schaffen: Informationen verständlich aufbereiten, Klarheit bringen
U – Unterstützungsangebote bekannt machen: Teilhabe ermöglichen, indem Anlaufstellen sichtbar gemacht werden
V – Verantwortung übernehmen: Für das eigene Umfeld, für eigene Aufgaben aktiv einstehen, Vorbild sein
W – Wertschätzung zeigen: Dankbarkeit ausdrücken, Lob und Anerkennung großzügig verschenken, Herzlichkeit und Toleranz üben
X – X-fache Möglichkeiten erkennen: Offen sein für andere Kulturen, Perspektiven und Menschen, neugierig und lernbereit bleiben
Y – Yin und Yang erkennen: Ausgleich und Balance in sich suchen und anderen ermöglichen
Z – Zusammenhalt stärken: Kooperationen eingehen, gemeinsame Projekte fördern, einen Rückzugsort anbieten, Zivilcourage zeigen
Selbst Teil von Lösungen sein und gute Nachrichten erschaffen
Das Alphabet ist kein Allheilmittel. Es löst keine Weltkrisen auf und lässt weder Despoten verschwinden noch befriedet es Kriege. Vielmehr ist es eine Einladung, um dem Weltschmerz aufrecht entgegenzutreten, Resilienz zu trainieren, Teil von Lösungen zu sein und positive Nachrichten zu erschaffen. Dieses Alphabet will ein Aufruf sein, wachen Optimismus zu üben: die Fähigkeit, Realitäten anzuerkennen, zu reflektieren und trotzdem handlungsfähig zu bleiben.
Wenn du magst, wähle dir einen Buchstaben pro Woche oder Monat aus und überlege, worauf du den Fokus legen willst oder was du selbst beitragen kannst. Achte auf eine gesunde Balance zwischen Selbstfürsorge und Engagement für andere. Lass uns mitten in einer komplexen Welt selbst für kleine, gute Nachrichten sorgen. Und wenn du Lust hast, freuen wir uns, von deinen Erlebnissen zu lesen. 😊
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