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Ein noch junges Musikinstrument erobert die Welt. Das Besondere: Man muss es nicht lernen, sondern begibt sich einfach auf Entdeckungsreise.

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Interview: Isolde Hilt

Der Klang einer Handpan vermag Menschen magnetisch in ihren Bann zu ziehen. Am liebsten würde man sich gleich selbst dransetzen, auf die „Metallschüssel“ klopfen, sie kurz anstubsen, sanft darüberstreichen, um gespannt zu lauschen, mit welchen Klängen sie antwortet.

Emanuel Eitle leistet erneut wertvolle „Verbindungsarbeit“, dieses Mal mit seinem kürzlich ins Leben gerufenen Handpan.Store.

Er ist ein junger Mann, der Menschen unterschiedlicher Couleur zusammenbringt und wertvolle Impulse in der Münchner Kultur- und Soziallandschaft gesetzt hat: Hinter Projekten wie der Jugendinitiative „Weltkinder“, dem soziokulturellen Wanderfreiraum „Kulturjurte München“ oder den interkulturellen Begegnungsgärten „Grünstadtgeflüster“ steckt Emanuel Eitle. Auch sonst hat er noch einiges in der Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat München und der Nyendo.lernen UG bewirkt, wofür er unter anderem mit dem „Jugend hilft-Preis“ und dem Integrationspreis der Hertie-Stiftung ausgezeichnet worden ist.

Irgendwann brauchte Emanuel eine Pause, um, wie er sagt, sich wieder mehr mit sich selbst und seinen längerfristigen Visionen zu verbinden. Er entdeckte die Welt der Handpans und ihre faszinierenden Klangwelten, die ihn durch eine nicht so ganz leichte Zeit getragen haben. Seitdem befindet er sich auf einer intensiven Forschungsreise, um diese noch sehr junge Instrumentengattung tiefer zu begreifen. Sein Handpan.Store, den er vor kurzem eröffnet hat, leistet da sicher gute Dienste. Wir von good news for you wollten gerne mehr dazu wissen…

Die Handpan ist ein relativ junges Musikinstrument. Kannst du uns das bitte näher vorstellen?

Die Handpan haben zur Jahrtausendwende zwei Schweizer Instrumentenbauer erfunden, die vorher Steeldrums hergestellt haben. Nach mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit stellten sie mit ihrem Unternehmen PanArt das Instrument unter dem Namen „Hangdrum“ 2001 auf der Frankfurter Musikmesse zum ersten Mal der Weltöffentlichkeit vor. In kürzester Zeit machte sich diese musikalische Neuentdeckung einen Namen in der alternativen Musikszene und eroberte weltweit die Herzen und Ohren vieler Menschen.

PanArt konnte sich vor Anfragen nicht retten und war nicht in der Lage, die immense Nachfrage zu decken. Sie führten deshalb ein spezielles Bewerbungsverfahren ein: Wer an einem Instrument interessiert war, konnte sich schriftlich bewerben. Wer Glück oder Kontakte hatte, wurde in die engere Auswahl genommen und zu einem persönlichen Kennenlernen in die Schweiz eingeladen.

Ich selbst hatte damals auch eine Bewerbung eingereicht. Allerdings habe ich nie eine Antwort erhalten. So ging es zahlreichen Bewerber*innen. Das bewegte Menschen auf der ganzen Welt dazu, dieses Instrument nachzubauen. Da der Herstellungsprozess aber recht komplex ist und PanArt die Entwicklung geheim hielt, dauerte es knapp fünf Jahre, bis auch andere Hersteller in der Lage waren, klangvolle Instrumente zu bauen.

Mittlerweile ist das Instrument volljährig geworden. Es gibt zahlreiche Hersteller, tausende von Spieler*innen, einige YouTube-Stars und eine immer größer werdende Handpan-Szene. Mir erscheint es so, als würde sich die Handpan erst jetzt als junge Erwachsene so richtig auf den Weg machen, die Welt zu entdecken – und von der Welt entdeckt zu werden.

Das Instrument mit dem besonderen Klang zieht viele Menschen in ihren Bann. Was macht diese Faszination aus?

Das ist schwer zu sagen. Die Klangwelten der Handpans und ihre Wirkung auf unser System sind vermutlich ein eigenes Forschungsfeld, dass es noch zu ergründen gilt. Für mich selbst liegt die Faszination in dem mystischen, beinahe unerklärlichen Klang, der bei jeder Berührung der Oberfläche entsteht. Beobachte ich einen Spieler, spüre ich seine absolute Versunkenheit im Moment.
Der obertonreiche und resonanzlastige Klang berührt uns tief und entspannt unser physisches, nervliches wie emotionales System – ähnlich, wie es auch eine Klangschale oder ein Gong vermag. Die Handpan ist aber im Gegensatz zu diesen eher eindimensionalen Klangerzeugern ein sehr komplexes und vielseitiges Musikinstrument, das es einem ermöglicht, umfangreiche Melodien und Rhythmen zu spielen. Es ist einfach faszinierend, wie eine einfache Metallschüssel einen solch ausgewogenen Klangteppich erzeugen kann.

Handpan zu spielen bedeutet für mich Loslassen und ganz im Moment aufzugehen – mit dem Instrument im Gleich-Klang zu verschmelzen. Die inneren Melodien finden ihren Weg manchmal vom Kopf und manchmal vom Herz in die Hände und schließlich in den ganzen Körper. Wenn der Moment erreicht ist, wo der Spiel-Fluss voll einsetzt, sind die Gedanken glasklar oder ganz weg. Unglaubliche, musikalische Facetten ergeben sich und Klangräume tun sich auf, so dass manch einer über sich selbst staunt.

Woher bezieht ihr eure Handpans?

Wir haben ein weltweites Kooperations-Netzwerk mit über 15 Sound-Skulpteuren aufgebaut. Das ermöglicht uns eine große Bandbreite an Instrumenten in beinahe allen Stimmungen. Ich habe die Anzahl an Stimmungen, die bisher gebaut werden, noch nie gezählt, aber es müsste eine Variationsvielfalt von über hundert Arten geben. Dazu kommt, dass es Handpans mit acht bis einundzwanzig Tonfeldern gibt. Aktuell haben wir nur eine kleine, übersichtliche Anzahl in unserem Onlinestore gelistet. Wir ändern das Sortiment immer nach Verfügbarkeit. Falls jemand eine ganz konkrete Vorstellung der Stimmung, des Materials, der Anzahl an Tonfeldern etc. hat, finden wir garantiert unter unseren Partnern einen Hersteller, der ein Instrument nach diesen konkreten Wünschen umsetzen kann.

Instrumente von 15 Sound-Skulpteuren aus der ganzen Welt: Fließen in die Herstellung eines solchen Instruments auch kulturelle Eigenheiten ein? Klingt zum Beispiel eine in Südamerika gefertigte Handpan anders als eine aus Europa?

Natürlich sind wir alle durch die Kultur geprägt, in der wir aufwachsen. Mir fällt aber eher auf, dass die kulturelle Vermischung bereits so weit fortgeschritten ist, dass es nicht unbedingt eine Rolle spielt, wo ein Instrument hergestellt wurde.
So orientiert sich ein Sound-Skulpteur aus Mitteleuropa zum Beispiel an indischen Skalen (Aneinanderreihung von Tönen) oder ein Hersteller aus Russland baut Instrumente, die orientalisch anmuten. Diese Vielfalt an musikalischen Einflüssen aus der ganzen Welt, die in Handpans wiederzufinden ist, macht dieses Instrument für mich zu einem Klangwunder einer neuen Zeit – einer Zeit, in der die Vereinigung, das Zusammenführen der Kulturen automatisch passiert.

Eine Handpan kostet einiges an Geld. Was macht sie so teuer?

In erster Linie ist es die Nachfrage. Vor knapp achtzehn Jahren gab es nur einen Hersteller, der vielleicht 100 bis 200 Handpans – in diesem Fall Hangdrums – im Jahr gefertigt hat. Schon damals aber wollten sich jedes Jahr mehrere tausend Menschen ein solches Instrument anschaffen. Und die Nachfrage ist mit der Bekanntheit immer weiter gestiegen.

Es fällt auf, dass Hersteller mit langjähriger Bauerfahrung sehr stabil hinsichtlich ihrer Preisgestaltung mit ca. 1.800 bis 3.000 Euro bleiben. Die Nachfrage für ihre meist sehr hochwertigen Instrumente ist immer noch immens hoch.

Klangkünstler, die in den letzten 5 bis acht 8 Jahren angefangen haben, bieten ihre Instrumente wesentlich günstiger an. Sie haben nicht den Namen und die Bekanntheit, um sich solch hohen Preise erlauben zu können. Einige von ihnen tun sich schwer, sich auf diesem durch große Marken dominierten Markt durchzusetzen; sie haben weder die Vertriebsnetze noch die öffentliche Aufmerksamkeit. Und genau mit diesen Sound-Skulpteuren arbeiten wir zusammen.

Wie lerne ich, dieses Instrument zu spielen?

Bei diesen Instrumenten gibt es noch viel zu entdecken. Es gibt meiner Meinung nach keine Anleitung, kein Richtig oder Falsch (siehe dazu z. B. das umfangreiche Hanglexikon). Der Sinn liegt für mich im Erforschen, Eintauchen, Fluss erleben, Neugierig-Sein, Zuhören, mit sich selbst in Verbindung treten.

Beim Spielen geht es gleichzeitig um das Gestalten und Entstehen-Lassen. Als Handpan-Maker können wir die Materie nur so bewegen, dass die Schwingung in Erscheinung tritt, aber wir können nicht die Schwingung ‚machen‘.

Noch zwei Tipps:

In München entsteht demnächst ein Handpan-Studio, in dem man sich ausführlich beraten lassen und auch Handpans ausprobieren kann. Erste Infos finden sich hier im Online-Store: www.handpan.store

Mehr Infos zum Handpan-Spielen:
http://www.lex.hangblog.org/de/haltung-des-hang.htm

Und so hört sich eine Handpan an:

 

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Auch ein Projekt von Emanuel Eitle:

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