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Menschliche Entwicklung fördern:

Manchmal muss man sein eigenes Ding machen

Was tun, wenn der Arbeitsplatz nicht so wirklich passt? Manche gründen etwas Eigenes – wie Ernestine und Joseph Badegruber. Ihr Unternehmen, die Soziale Initiative, feiert in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen.

 

von Isolde Hilt

„Wir sind überzeugt, dass in jedem Menschen Potenzial steckt und trauen ihm zu, dass er sich verändern kann, wenn er es aus sich heraus will. Diesen Veränderungsprozess wollen wir anregen, begleiten und unterstützen.“ Ernestine Badegruber, Gesellschafterin und Aufsichtsrätin, und Joseph Badegruber, Gesellschafter und Aufsichtsrat – Soziale Initiative

„Diese Frau musst du unbedingt kennenlernen. Sie wird dir gefallen. Ernestine ist ein richtiger Herzensmensch und hat unglaublich viel auf die Beine gestellt!“, schwärmt mir ein Freund aus Salzburg vor. Was willst du da machen? Am besten der Geschichte nachgehen, die sich hinter 30 Jahren Soziale Initiative verbirgt.

Die gemeinnützige GmbH mit Sitz in Linz in Oberösterreich hat sich in all den Jahren zu einem wichtigen Dienstleister in der Kinder- und Jugendhilfe entwickelt. Rund 700 Mitarbeiter*innen stemmen ein Angebot, das beeindruckt. Zu den Leistungen gehören mobile Dienste wie Erziehungs- und Alltagshilfe, Familiencoaching, Psychotherapie und Jugendarbeit. Unter dem Begriff „Volle Erziehung“ finden sich u. a. stationäre Hilfen wie eine Jugendnotschlafstelle, eine WG für junge Schwangere und Mütter oder Einzelwohnbetreuung für Jugendliche. Familiäre Betreuungsformen und Elternarbeit nehmen ebenfalls einen wichtigen Platz ein. Angebote zur beruflichen Integration unterstützen junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, für sich eine persönliche wie berufliche Perspektive zu finden.

Insgesamt keine kleine Nummer. Wie baut man so etwas professionell auf? Wie finanziert man ein solches Unternehmen und stellt es auf gesunde Beine?

 

„Das können wir selber auch.“ Wie die Soziale Initiative entstand

Ein wichtiges Fundament für den Erfolg der Sozialen Initiative liegt sicher in der jeweiligen Persönlichkeit des Gründer-Ehepaars. Ernestine wuchs auf einem Bauernhof auf. Der Glaube spielte eine wichtige Rolle: „Die Zeit zwischen meinem 15. und 20. Lebensjahr hat mich sehr geprägt. Damals war in der Katholischen Kirche eine Aufbruchstimmung zu spüren. Soziale Gerechtigkeit, Nächstenliebe, für andere da sein – das waren hohe Werte.“ Ein Geist, der von Anfang an den Weg in ihrem Leben, ihrer Familie, ihrer Arbeit vorgab: Wenn die Würde des Menschen bedingungslos wertgeschätzt wird, kann sich jede*r entfalten – persönlich wie in der Gemeinschaft. Nicht umsonst lautet das Anliegen der Sozialen Initiative deshalb auch „Menschliche Entwicklung fördern“.

Nebenbei erwähnt Ernestine, dass sie und ihr Mann Joseph bald 50 Jahre verheiratet sind und vier Kinder und sieben Enkelkinder haben. Die Augen sowie die Fragezeichen werden noch größer: „Wie ist das alles zu schaffen?“ Schritt für Schritt, wie alles im Leben. Mit ein wichtiger Schlüssel für den dauerhaften Bestand der Sozialen Initiative ist sicher auch die Haltung und Bodenständigkeit, die die beiden eint: „Wachstum war zwar anfänglich ein Ziel, damit wir von den Leistungen auch leben konnten. Ab einer gewissen Größe war das aber kein Kriterium mehr. Der Erfolg, denke ich, beruht darauf, dass wir eben kein bestimmtes Konzept hatten, das wir verkaufen wollten. Wir haben einfach für konkrete Probleme praktikable, finanzierbare Lösungen entwickelt.“

 

Die perfekte Mischung aus fachlichem Know-how und Geisteshaltung

Joseph und Ernestine Badegruber gründeten 1995 die Soziale Initiative, gemeinnützige GmbH.

Wirft man einen Blick auf den beruflichen Werdegang der beiden Gründer, verwundert die Entstehung der Sozialen Initiative nicht mehr so sehr. Die Erfahrungen und das Engagement in der katholischen Jugend veranlassen Ernestine, nach der Handelsakademie eine zweijährige soziale Ausbildung an der Landesakademie für Sozialarbeit zu absolvieren. Ihr erster Arbeitsplatz ist gleich die Leitung eines pfarrlichen Jugendzentrums. Es geht weiter mit der Geburt eines Babys, Kindererziehung, dazwischen kurze Zeiten beruflicher Tätigkeit und ein weiteres Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt „Non Profit-Management und Controlling“. Mit ihrem beruflichen Wiedereinstieg bei einem Verein für Pflege- und Adoptiveltern übernimmt sie bald schon die Aufgabe als Geschäftsführerin. „So wurde ich 40 Jahre alt.“

Und dann … der große Aufbruch. „Nach 15 Jahren Religionsunterricht wollte sich mein Mann noch einmal beruflich verändern. Er war bei einem Trainingsinstitut beschäftigt, das arbeitslosen Menschen den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern sollte. Ein neuer Vorgesetzter engte seinen Spielraum so ein, dass er seine berufliche Zukunft an diesem Platz nicht sah. ‚Das können wir selber auch‘, war seine Devise.“ Die Idee zur Sozialen Initiative war geboren – mit dem Zweck, „einen Beitrag zur Lösung sozialer Probleme zu leisten, insbesondere im Bereich Ausbildung, Beschäftigung und Wohnen“. Joseph und Ernestine Badegruber hatten ihre Aufgabe gefunden: Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen oder geistigen Voraussetzungen, ungünstiger Familiensituationen oder anderer Einflüsse ihr Potenzial nicht leben können, unterstützen, doch noch ihren Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu finden.

Die Soziale Initiative steht auch wirtschaftlich solide da. Die Strategie, sich nicht durch Spenden oder Subventionen, sondern über Leistungserlöse zu finanzieren, geht auf. Trotzdem nimmt die gemeinnützige GmbH gerne Spenden entgegen, um betreuten Menschen in Notfällen unter die Arme greifen zu können.

 

30 Jahre Soziale Initiative: Ein Rückblick in Dankbarkeit

Auch wenn sich Ernestine und Joseph Badegruber bereits vor mehreren Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben, sind sie doch überglücklich, was aus ihrem einst „zarten Pflänzchen“ geworden ist: „Ein starker Baum. Mit Nachfolger*innen, die unser Werk hervorragend fortführen.“ Den großen Erfolg sieht Ernestine eher aufgeteilt in viele kleine Samen, die aufgegangen sind und Ergebnisse hervorgebracht haben wie einen geglückten Schulabschluss, das Finden einer Arbeitsstelle oder der Einzug in eine eigene Wohnung: „Oft ist es so, dass sich die Früchte der Arbeit erst nach Jahren einstellen. Meistens ist die Betreuung schon längst zu Ende. Wenn sich dann zwischendurch ein Erwachsener bei uns meldet und erzählt, wie sehr wir ihm helfen konnten, ist das schon ein besonderer Grund zur Freude.“

 

„Menschliche Entwicklung fördern – das Anliegen in meinem ganzen Leben“

Ernestine Badegruber, Mentorin der Organisation „Sambhali Trust. Empowerment for Women“

So ganz ohne weitere Initiative geht nicht wirklich, wenn man über einen geschulten Blick wie den von Ernestine Badegruber verfügt. Vor fast 20 Jahren entdeckte sie auf einer Rundreise in Rajashan in Indien neben ihrem Hotel ein Schild: „Sambhali Trust – Empowerment for Women“. Ein junger Inder hatte unter diesem Namen ein Projekt für benachteiligte Frauen und Mädchen gegründet, das sofort das Herz der Österreicherin eroberte. Patenschaftsprogramme für Kinder, ein Mädcheninternat, ein Empowerment-Center für Frauen, in denen sie u. a. Hindi, Mathematik, Englisch lernen, in Nähen und Sticken ausgebildet werden, oder auch eine Art Vorschule für Kinder sind nur einige Angebote, die Sambhali Trust anbietet. Es gibt eine Hotline mit rechtlicher und psychologischer Beratung sowie eine Notunterkunft für Mädchen und Frauen, die häuslicher und sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Das jüngste Projekt ist ein Café in Jodhpur, das Mitglieder einer LGBTQ+ Community betreiben.

Ernestine ist auch hier in ihrem Element: „Ich bin für den Gründer zu einer geschätzten Mentorin geworden, werde dort als Familienmitglied behandelt und habe einige Freundinnen aus unterschiedlichen Ländern gefunden, die das Projekt ebenfalls unterstützen.“

Menschliche Entwicklung fördern, das sei nicht nur das Motto der Sozialen Initiative in Österreich, sondern das Anliegen in ihrem Leben: „Ich bin glücklich und dankbar, dass ich in dieser Richtung so viel bewirken konnte, dass vieles gelungen ist und manches davon noch weiterlebt.“

 

Weiterführende Infos zu „Soziale Initiative“: https://www.soziale-initiative.at/

Weiterführende Infos zu Sambhali Trust: https://www.sambhali.org/https://www.sambhali-austria.at/

 

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