von Isabel Lemper
Shidhulai Swanirvar Sangstha (SSS) ist eine eingetragene Non-Profit-Organisation in Bangladesch, gegründet von Mohammed Rezwan im Jahr 1998. Ihr Ziel ist es, mithilfe von schwimmenden Schulen, Krankenhäusern, Farmen, Spielplätzen, Bibliotheken sowie Schulungszentren mit Internetzugang die Rechte der Menschen zu schützen und sie aus der Armut zu befreien.
In Bangladesch, vor allem in den nordwestlichen Regionen, haben viele Menschen keinen Zugang zu Bildung. Das liegt unter anderem auch am Monsun, der langen Regenperiode von Juni bis Oktober. Hunderte von Flüssen schwellen zu dieser Zeit an und zwingen die Schulen zu schließen. In den hochwassergefährdeten Gebieten haben die meisten Menschen während dieser Zeit keinen Zugang zu Schulen, Bibliotheken, Kliniken und anderen gemeinnützigen Diensten. Dazu kommt auch, dass Mädchen sich nicht frei bewegen dürfen und sie sich somit oft nicht in die Schule einschreiben können. Häufig werden Töchter sehr früh verheiratet, sind völlig von ihren Männern abhängig und können keine eigene Entscheidungen über ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden treffen. Bangladesch hat die vierthöchste Rate hinsichtlich Kinderehe auf der Welt.
Die Idee der Schwimmenden Schulen

Mohammed Rezwan wuchs im Nordwesten Bangladeschs auf und wollte die Situation, dass viele seiner Freund*innen und Verwandten während des Monsuns keinen Zugang zu Bildung haben, nicht akzeptieren. Er studierte Architektur und dabei kam ihm die Idee der schwimmenden Schulen. 1998 gründete er mit nur 500 US-Dollar Startkapital die Non-Profit-Organisation Shidhulai Swanirvar Sangstha.
Der Anfang war schwer. Mohammed brauchte viele Jahre, um Mittel für den Bau der ersten schwimmenden Schule im Jahr 2002 zu generieren. Mittlerweile hat er mit seiner Organisation unzählige internationale Auszeichnungen erhalten, darunter auch von den Vereinten Nationen. Die Innovation der solarbetriebenen Schulboote ist außerdem im nationalen Anpassungsplan von Bangladesch 2050 verankert.

Die Schwerpunkte von Shidhulai Swanirvar Sangstha: Schulwissen, nachhaltige Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Klimawandel
Die Organisation Shidhulai Swanirvar Sangstha ermöglicht Menschen den Zugang zu Bildung, Informationen zu erhalten, sich neue Fähigkeiten anzueignen, hochwasserresistente Pflanzen anzubauen und sich so besser an die extremen Bedingungen anzupassen.
Lernen auf dem Schulboot

Wie ein Schulbus holen die solarbetriebenen Schulboote die Kinder an den Fluss-Haltestellen ab und beginnen anschließend an der Endhaltestelle mit dem Unterricht. Den ganzen Tag erhalten über drei Klassen mit 30 Schüler*innen die Grundbildung bis zur fünften Klasse. Dazu gehört auch ein Umweltlehrplan, der den Kindern den Umgang mit der Natur, insbesondere dem Fluss, sowie mit ihrer Heimat lehrt.
Einige Boote sind schwimmende Bibliotheken – ausgestattet mit 1.500 Büchern, zwei bis vier Laptops mit Internetzugang, Drucker und Mobiltelefonen. Kinder, Jugendliche, Senior*innen und insbesondere Frauen eignen sich Computerkenntnisse an, erhalten Informationen über Landwirtschaft, Biodiversität, Klimawandel, Arbeitsmöglichkeiten, Menschenrechte, Regierungsprozesse und Dienstleistungen.
Aufklärung ist das A und O beim Kampf gegen die Kinderehe

Über 26 schwimmende Schulen betreibt Rezwans Organisation an den Flüssen. In jedem Dorf mit einem Schulboot gibt es auch eine junge Frauenrechtsvereinigung, die sich für die Rechte von Mädchen und für Alternativen zur Kinderehe engagiert. Seitdem die Schulboote die Menschen aufklären, ist die Praxis der Kinderehe in diesen Gebieten rückläufig. Ein großer Erfolg! Rezwans Idee von schwimmenden Schulen hat sich in ganz Bangladesch und in acht anderen Ländern ausgebreitet.

Nachhaltige Landwirtschaft und Förderung der Frauenrechte

Es gibt auch schwimmende Schulungszentren, die mit einer kompletten Multimedia-Ausrüstung ausgestattet sind. Sie sollen vorrangig Frauen und Mädchen dabei helfen, eigenständige Fähigkeiten zu entwickeln, klären sie über ihre Rechte als Frau auf und bringen ihnen nachhaltige Landwirtschaft näher. Sie kommen so auch in Kontakt mit Agrarexpert*innen aus Forschungsinstituten, um ihre Praktiken dem Klimawandel anzupassen.

Aufklärung im Gesundheitswesen

Schwimmende Kliniken bieten den Dorfbewohner*innen medizinische Untersuchungen und helfen mit notwendigen Medikamenten, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Auch klären die Ärzt*innen auf dem Boot über gesundheitliche Themen auf und leisten somit eine präventive Arbeit.
Den Klimawandel durch die richtigen Anbaumethoden verstehen lernen

Viele Bewohner*innen Bangladeschs sind von großer Armut betroffen und besitzen kein Land, um sich selbst versorgen zu können. Damit diesen Menschen eine Perspektive gegeben wird, werden durch die Initiative Landwirt*innen lokal ausgebildet, um schwimmende Anbaumethoden zu erlernen und damit ein Einkommen über das ganze Jahr zu erzielen. Mit dem Wissen können sie Gemüse und die traditionelle, hochwasserresistente Reissorte Aman anbauen sowie Fische und Enten züchten. Auch eine effektive Saatgutaufbereitung gehört dazu. Zudem werden Obstbäume entlang der Flussufer gepflanzt, um die Böschungen zu stärken und Erosionen zu minimieren. Schädliche Kerosinlaternen werden durch innovative Solarlaternen (Surya-Hurricane) ersetzt.

„Mein Vater hört mir jetzt zu!“
Eine Auszubildende des schwimmenden Trainingszentrums beschreibt die Auswirkungen durch die Hilfe der Organisation auf der Website (https://shidhulai.org) sehr treffend. Sie hat mit ihrem Einkommen ein Kalb für ihre Mutter gekauft und unterstützt die Ausbildung ihrer Schwester, indem sie ihre Bildungskosten übernimmt. Ihr Vater hört ihr endlich zu, da sie einen Teil der Haushaltskosten deckt. Mädchen in ihrer Gemeinschaft wollen wie sie selbstständig werden, und so hilft sie auch ihnen, dies zu realisieren.
Mohammed Rezwan erhält für seine Arbeit den World’s Children’s Honorary Award

Mohammed Rezwan setzt sich bereits seit 25 Jahren für das Recht der Kinder ein, trotz Überschwemmungen und zunehmender Armut zur Schule gehen zu können. Im Jahr 2023 wurde er von Millionen von stimmberechtigten Kindern als Empfänger des World’s Children’s Honorary Award ausgewählt.
In diesem Video könnt ihr euch selbst ein Bild von Mohammed Rezwan und den Schulbooten machen:
Außerdem könnt ihr die Organisation Shidhulai Swanirvar Sangstha durch Spenden unterstützen. Weiter Infos dazu findet ihr auf ihrer Website: https://shidhulai.org.
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