von Isabel Lemper
Der Name Prerow klingt für viele erst einmal gar nicht so nach deutschen Landen. Die meisten meiner Freund*innen in Süddeutschland haben vorher noch nie davon gehört. Schön, dass es Orte gibt, die noch nicht jede*r kennt. Sonst wäre die Idylle ja auch irgendwann dahin.
*********
Wo liegt Prerow überhaupt?
Prerow ist ein Ostseebad zwischen den Städten Rostock und Stralsund im Landkreis Vorpommern-Rügen. Es befindet sich auf dem Darß, das ist ein Teil der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Die Einheimischen bezeichnen sie selbst als „Die schönste Halbinsel Deutschlands“, und da können wir einfach nicht widersprechen! Sie besteht größtenteils aus dem urwüchsigen Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“, der für uns der Hauptgrund ist, warum wir die zehn Stunden Zugfahrt (und am Ende Bus oder Taxi) dorthin immer wieder aufs Neue in Kauf nehmen.

Bisher durften wir uns immer in einem charmant umgebauten und erweiterten Stallgebäude mit großem Garten einquartieren. Die typischen Häuser in Prerow sind durch die Reetdächer nach ‚Darßer Art‘ mit handgeschnitzten Darßer Türen geprägt. Dazu ein stimmiger Garten, das nährt die Seele.

Den Zugang zum Meer erreicht man nicht nur über die touristische Strandpromenade, über die man auch auf die neugebaute 720 Meter lange Seebrücke gelangt, sondern meist durch Urwald, der von Heidelbeersträuchern, Farnen und großen Bäumen geprägt ist. Auf dem Weg dorthin sind wir auch schon einmal mit dem Fahrrad im Sand stecken geblieben. Wenn wir die Düne erreichen und das Meer sehen, ist es jedes Mal wieder der pure Genuss. Aber auch manchmal durchaus überraschend, wie windig es ist, wenn der Wald keinen Schutz mehr bietet. Ohne Bettenburgen und Pommesbuden beim Zurückschauen können wir das Meer hier ungetrübt genießen.
Was uns auch erfreut, ist die geduldete Nacktheit, die einen die Verbundenheit mit der Natur erleben lässt und auch ein Ausdruck von Selbstliebe bedeutet. Die FKK-Strände sind gekennzeichnet, und ich finde es wunderbar, dass die Strandbesucher*innen sich keine Gedanken um die eigene Nacktheit machen müssen. Das, was in der DDR als Massenphänomen ab den 1970er Jahren normal war, ist heutzutage leider oft verpönt.

Der wilde und zugleich romantische Weststrand
Wollen wir noch ungestörter das Meer genießen, fahren wir mit dem Fahrrad etwa eine halbe Stunde an den sogenannten Weststrand, der mit dem Auto unerreichbar ist. Der Weg dorthin ist unbeschreiblich schön und wir genießen das Radeln durch die Waldlandschaft so sehr. Ein vielfältiger, auch sumpfiger Wald mit urigen Bäumen, ein Ausdruck der Freiheit, auch anders sein zu dürfen. Weit weg von den Wäldern, wie wir sie in unseren vom Menschen geprägten Forsten kennen.

Erreichen wir den Weststrand, haben wir gar nicht das Gefühl, dass wir uns an einer deutschen Küste befinden. So unaufgeräumt und wild mit urigen Baumstämmen, die mit ihren Wurzeltellern am Strand liegen.

Mein Mann wird in den Wellen, die hier viel stärker sind als am Strand in Prerow, immer wieder zum unbeschwerten Kind. Er verspürt dann so eine gegenwärtige Freude und ist voller Vertrauen gegenüber dem Meer, das ihn trägt. Ich dagegen habe einen großen Respekt gegenüber der Strömung, auch wenn ich es sehr genieße, wenn sich mein Körper dem kühlen Nass voll hingeben kann. Ostsee ist von der Temperatur eben nicht das Mittelmeer. Die Temperatur fühlt sich im Wasser manchmal wärmer an als die Außentemperatur, was oft auch dem Wind geschuldet ist.


Die Kraft der Natur
Auch dieses Jahr gab es eine Überraschung ganz anderer Art: Der Strand war im Vergleich zu vor zwei Jahren sehr schmal geworden und das Meer reichte manchmal direkt bis zur Abbruchkante.
Das Meer trägt das Land ab und an anderer Stelle Richtung Osten wieder an. Wind und Wellen erschaffen die Küste durch Sedimenttransporte immer wieder neu. Ein inspirierendes Kunstwerk. Dieser Ort lässt Veränderungen zu und zeigt uns so die natürliche Endlichkeit. Unsere erste Irritation über den so schmal gewordenen Sandstrand wandelte sich in eine Faszination über die Natur.

Am Weststrand weitet sich der Horizont über der uns vertrauten und in jeder Hinsicht „gebauten“ Umwelt. Die Transformation kann man sich auch wunderbar am Darßer Ort vom alten Leuchtturm aus von oben anschauen.


Prerow hat nicht nur wunderschöne Häuser und Gärten, sondern auch Cafés mit Charme.
Es gibt zwar nicht viele Cafés und man muss oft Glück haben, einen Platz zu ergattern, aber dafür wird man belohnt mit Leckerem für Körper und Seele. Beispielsweise das Café Nu, Café Ulenhoef, die Teeschale oder auch Hein&Stin.

Alles in allem: Der Regensburger Alltag – wenngleich nicht minder liebenswert – ist mit der Ankunft vergessen. Prerow – unsere persönliche Nummer Eins an der Ostseeküste!

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.



2 Antworten
Der Bericht berührt die Sehnsucht nach dem Meer und nach diesem besonderen Ort.
Danke dafür ! HERZLICH Elvira
Vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Elvira. Es ist wirklich ein Sehnsuchtsort der besonderen Art!