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Eine außergewöhnliche Frau widmet ihr Leben mit Liebe und Beharrlichkeit Kindern mit Behinderung. Nun bittet sie um Unterstützung, damit die Kinder zu essen haben.

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von Isolde Hilt

Vor acht Jahren wählten zweieinhalb Millionen Kinder auf der ganzen Welt Anna Mollel und dachten ihr den „World’s Children Prize for the Rights of the Child 2012“ zu. Die Auszeichnung gilt als alternativer Nobelpreis für Menschen, die sich in besonderer Weise für die Rechte von Kindern einsetzen. Damit wurde die ehemalige Leiterin des Zentrums Haduma ya Walemavu in Tansania für ihr jahrzehntelanges Engagement für Massaikinder mit Behinderungen geehrt.

Victoria Mehringer, eine junge Deutsche, die längere Zeit in Tansania lebte, erhielt von Anna Mollel einen Hilferuf. Aufgrund der Corona-Krise werden Kinder mit Behinderung vor Annas Haus abgesetzt. Die Eltern verschwinden, ehe sie gesehen werden, weil sie wissen, dass sich Anna schon um sie kümmern wird. Doch das schafft diese außergewöhnliche Frau, die alles für diese Kinder tut, nicht allein.

Anna Mollel lernte ich im Frühjahr 2013 bei ihrem Besuch in Deutschland persönlich kennen. Für mich war es eine große Ehre, sie interviewen zu können. Sie zog alle in ihren Bann – mit ihrer Leidenschaft und Liebe für Kinder mit Behinderung, die es im Volk der Massai sehr schwer haben.

 

Das Leben der Massai

Die Massai leben sehr verbunden mit der Landschaft. Sie ziehen von Ort zu Ort, um nach Wasserstellen für ihre Tiere zu suchen. Tiere sind ihr Lebensinhalt. Die Nomaden haben Probleme mit der Regierung, die die Nationalparks erweitern möchte und dadurch die Massai vertreibt. In Anna Mollels Volk muss jede*r zum Überleben beitragen, auch die Kinder, die bereits sehr früh zuarbeiten. Sie werden zu Wasserstellen geschickt, die oft weit entfernt sind, melken Kühe, helfen im Haushalt. Auch wenn es gesetzlich das Recht dazu hätte, geht ein Kind der Massei selten zur Schule.

Behinderte Kinder gelten als Schande, als eine Strafe Gottes, die man versteckt und von anderen fernhält. Sie werden in doppeltem Sinn als Last gesehen, die man auf dem Rücken tragen muss, weil es keine Hilfen wie einen Rollstuhl gibt. Mädchen werden bereits ab zwölf Jahren zwangsverheiratet; ihre Väter suchen den Ehemann aus.

 

Anna Mollel kann die Weichen ihres Lebens anders stellen

„Ich bin das dritte und letzte Kind meiner Mutter. Mein Vater hatte viele Frauen. Er war mit neun Frauen verheiratet und hatte 45 Kinder mit ihnen. Meine Mutter war seine vierte Frau.“ Familienstrukturen, die Anna Mollel mit anderen Mädchen ihres Volkes teilt, nicht aber den weiteren Lebensweg, bei dem es ihrer Mutter gelang, die Weichen anders zu stellen. „Mein Vater wollte mich zwangsverheiraten, er stand bereits mit einem Mann vor der Tür. Ich sagte nein. Ich wollte erst meinen Schulabschluss und eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Meine Mutter hat mich dabei sehr unterstützt, obwohl sie deshalb von meinem Vater geschlagen wurde. Sie verkaufte unsere Kühe, um damit das Schulgeld bezahlen zu können.“

 

Die erste Begegnung mit einem behinderten Kind

Ihre erste Begegnung mit einem behinderten Kind hat Anna Mollel in Alter von sechs Jahren. Rufe aus einer Hütte machen sie auf die gleichaltrige Naurei aufmerksam: Deren Familie hält das Mädchen versteckt, schämt sich für es, weil es nicht laufen kann, sein Körper so klein und der Kopf sehr groß ist. Anna spielt mit Naurei, was nicht gerne gesehen ist, aber sie setzt sich trotzdem weiter für sie ein. Sie spürt, wie schlimm es sein muss, nicht mit anderen Kindern spielen zu dürfen und darüber zu vereinsamen.

Wenige Jahre später ergeht es Annas Freundin zunächst wie allen anderen Massai-Mädchen. Sie wird schwanger von einem Mann, den sich nicht kennt. Das Kind kommt per Kaiserschnitt zur Welt, stirbt aber. Für Naurei wendet sich trotzdem noch alles zum Guten. Das zweite Kind überlebt, ist gesund und besucht mit Hilfe von Anna Mollel die Schule. Naurei lebt heute in einem eigenen Haus und ist glücklich.

"Es gibt nichts Wertvolleres und Reineres, als von Kindern geliebt und geschätzt zu werden."*

Anna Mollel konnte für Kinder mit Behinderung vieles zum Guten wenden

Bildung ist der Schlüssel zur Veränderung. Die Nobelpreisträgerin für Kinderrechte wird nicht müde, in abgelegene Dörfer zu fahren, um ihr Volk davon zu überzeugen. An ihr sehen sie, dass Kinder eine Zukunft, ein besseres Leben haben, wenn sie zur Schule gehen und eine Ausbildung machen dürfen.

Dass die Massai in Tansania Kinder mit einer Behinderung besser annehmen können, ist ebenfalls Anna Mollel zu verdanken. 1990 bietet ihr Elfrieda Steffen, eine deutsche Entwicklungshelferin, an, gemeinsam mit ihr ein Rehabilitationszentrum für behinderte Kinder aufzubauen. Die ersten sechs Jahre sind mühevoll, die beiden Frauen erhalten wenig Unterstützung.

Anna Mollel sucht die Familien auf, spricht mit den Eltern, bittet sie, ihre Kinder in das Zentrum Huduma ya Walemavu zu bringen, damit man ihnen dort helfen kann. Dem ersten Schritt heraus aus dem Versteck folgen die nächsten: regelmäßige Behandlungen, Operationen für die Kinder. Und langsam fällt auch das Gefühl der Schande in den Familien ab. 1996 steigt Caritas International in das Projekt mit ein. Inzwischen gibt es eine inklusive Schule, die Anna Mollel von dem Preisgeld, das sie als Nobelpreisträgerin erhielt, baute.

Anna Mollel 2013 zu Besuch in Deutschland, u. a. in Einrichtungen der KJF Regensburg für junge Menschen mit Behinderungen. Victoria Mehringer, die nach ihrem Abitur als Missionarin auf Zeit nach Tansania ging, hat die Sprache der Massai – Swahili – in nur wenigen Monaten gelernt und steht als Dolmetscherin zur Verfügung.

Corona ist auch in Tansania angekommen

Anna Mollel lebt heute in Arusha – mit ihr 20 Kinder, die Waisen oder wegen ihrer Behinderung verstoßen worden sind. Sie bestreitet den Lebensunterhalt für alle mit dem Verkauf selbst gewebter Schals und baut viele Dinge selbst an, die sie auch verkauft.

Doch Corona ist auch in Tansania angekommen und die Situation der Menschen dort hat sich verschärft. Die meisten verdienen sich als Tagelöhner ihr Brot. Mit dem Lockdown fällt der dürftige Tageslohn weg; die Menschen können sich nichts mehr zu essen kaufen. Eltern können sich noch weniger um ihre behinderten Kinder kümmern, sie bedeuten eine zusätzliche Last.

So kommt es, dass Eltern ihre Kinder mit Behinderung vor Annas Haus absetzen, weil sie sicher sein können, dass ihr Kind auf diese Weise überleben kann.

Anna Mollel, die durch Corona selbst Angehörige verloren und auch Ängste hat, schafft das nicht allein. Sie macht sich große Sorgen um „ihre“ Kinder. Aus diesem Grund hat sie sich an Victoria Mehringer gewandt: „Auf Nachfragen hat Anna mir erzählt, dass sie Geld braucht, um das Nötigste – sprich Essen – zu kaufen. Auch ein kleiner Beitrag hilft bereits enorm. Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, wird sich das Antlitz der Welt verändern. Lasst es uns versuchen!“.

"Aber ich kann es nicht alleine schaffen! Lasst uns zusammenarbeiten – es ist in greifbarer Nähe!"*

Don’t give up!

So lautet das Lebensmotto von Anna Mollel. Vor vielen Jahren schon hatte Anna jedes ausgesetzte Kind mit Behinderung bei sich aufgenommen. Ihr damaliger Mann hatte sie vor die Wahl gestellt: entweder die Kinder oder ich. Sie hat sich entschieden.

Jede Spende hilft. Victoria Mehringer bittet um Verständnis , dass sie leider keine Spendenbescheinigung ausstellen kann, weil es sich um einen privaten Aufruf handelt und es keinen Verein gibt. Für eine Überweisung, bei der jeder Betrag eins zu eins an Anna Mollel geht, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Bankverbindung von Victoria Mehringer (hier fallen für Spender*innen keine zusätzlichen Gebühren für eine Auslandsüberweisung an): IBAN: DE03 7509 0300 0001 1740 61 • Verwendungszweck: „Hilfe für Anna Mollel“
  • Bankverbindung von Anna Petrol Mollel (hier kann evtl. eine Überweisung ins Ausland evtl. etwas kosten; als Wohnort „Arusha“ angeben, eine weitere Adresse gibt es nicht): IBAN/Kontonummer: 41301600359; BIC (Swift Code): NMIBTZTZ • Verwendungszweck: help for children
"All Ihr Kinder, egal wo ihr seid, sollt wissen, dass ich euch von ganzem Herzen liebe!*

* Anna Mollel bei der Preisverleihung des „World’s Children’s Prize for the Rights of the Child 2012“

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

 

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