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Wie findet man es, das gute Leben? Dieser Frage geht Petra Bartoli y Eckert bei der Recherche für ein neues Buch nach. Dazu „sammelt“ sie Menschen, interviewt sie und entdeckt auch sich selbst neu.

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Interview: Isolde Hilt

Das gute Leben, glücklich, erfüllt sein – manchmal bekommen wir einen Zipfel davon zu fassen. Und wissen zugleich doch auch, wie schnell solch besondere Momente wieder vergehen. Es gibt jedoch Menschen, die scheinen ein Geheimrezept für das gute Leben zu haben, es irgendwie besser halten zu können. Sie ruhen mehr in sich, wirken gelassen, souverän oder stecken andere mit ihrer fröhlichen, zuversichtlichen Art an.

Petra Bartoli y Eckert hat sich auf eine spannende Suche begeben. Sie wandert zu den Menschen, die sie portraitiert und fährt so die Geschwindigkeit herunter. Das verändert auch die Qualität der Gespräche. Ein kleines Stück dieses Wegs hat sie uns mitgehen lassen …

 

Du arbeitest gerade an einem Herzensprojekt von dir – einem Buch, das sich der Suche nach dem guten Leben widmet. Wie kamst du auf diese Idee?

Ist nicht jede*r auf der Suche danach? Nein, im Ernst: Ich habe, früher – als Sozialarbeiterin und auch jetzt als Autorin – immer wieder festgestellt, dass ein gutes Leben keine Frage von Geld, Status oder Bildung ist. Mir sind Menschen verschiedenster Herkunft und mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen begegnet, die außergewöhnlich zufrieden und in sich ruhend waren. Und eben auch Menschen, denen scheinbar nichts im Leben fehlt – außer Zufriedenheit. Das hat mich beschäftigt. Außerdem habe ich verschiedene Bücher zum Thema „Glück und Zufriedenheit“ gelesen. Dabei musste ich feststellen: Ein Patentrezept dafür gibt es nicht. Aber vielleicht gute Vorbilder und Menschen, die hier Orientierung geben können. Da entstand der Plan: Von diesen Menschen möchte ich erzählen.

Nach welchen „Kriterien“ hast du dir die Menschen ausgesucht? Was zeichnet sie aus?

Die Suche nach dem guten Leben führt in alle möglichen Richtungen …

Ich habe über Monate Menschen in meiner Umgebung gefragt, wer in ihren Augen ein „gutes Leben“ führt, wer ihrer Meinung nach besonders zufrieden, gelassen und glücklich sei. Außerdem habe ich überlegt, welchen Menschen ich bisher begegnet bin, die dem Bild entsprechen. Ich fing an, Menschen mit gutem Leben sozusagen zu „sammeln“. Dabei habe ich keine weiteren Vorgaben gemacht, denn wenn ein Mensch in den Augen von anderen ein gutes Leben führt, dann wollte ich dem nicht widersprechen oder mir anmaßen, dies zu bewerten.

Das gute Leben … Was macht für dich ein gutes Leben aus?

Vor allem Zufriedenheit und Dankbarkeit mit dem und für das, was da ist. Und die Großzügigkeit, etwas davon abzugeben oder zu teilen. Ich durfte in den vergangenen Wochen viele Facetten davon bei den unterschiedlichsten Menschen kennenlernen. Und ich merke, dass das auch bei mir viele Tage gut oder besser macht.

Du suchst die Menschen auf besondere Weise auf: Du wanderst zu ihnen. Erschließen sich einem die Menschen, die man aufsucht, dadurch noch einmal anders?

Absolut. Die meisten Menschen, die ich interviewen durfte, kannte ich vorher nicht. Während ich mich zu Fuß zu ihnen auf den Weg machte, konnte ich meine Gedanken ordnen. Ich nahm sozusagen vorher für mich Geschwindigkeit raus.

Ich glaube, dadurch ist dann im Gespräch eine ganz besondere Qualität entstanden: Ich konnte mich ohne Zeitdruck auf die Menschen einlassen und zuhören, ohne meine eigene To-do-Liste im Kopf mitlaufen zu lassen. Manchmal bin ich mit den Menschen auch ein Stück gemeinsam gegangen und habe sie während des Gehens interviewt. Sie zeigten mir dann oft für sie besonders wichtige Orte. Oder sie konnten beim Gehen selbst in ihrem Rhythmus ihre Gedanken sortieren und aussprechen. Manchmal habe ich auch Menschen interviewt, denen ich zufällig auf meinem Weg begegnet bin. Die hätte ich nicht getroffen, wenn ich mit dem Auto unterwegs gewesen wäre.

"Ich war ja allein unterwegs. Da ist es hilfreich, mit sich selbst Freundschaft zu schließen."

Ist die „Suche nach dem guten Leben“ auch ein neues Entdecken seiner selbst?

Das kann man wohl sagen! Ich hatte mir meine Touren erst ganz romantisch vorgestellt: tagelang ohne Zeitkorsett in der Natur unterwegs sein und netten Menschen begegnen. Kann „Arbeit“ schöner sein? In Wirklichkeit haben mich manche Etappen körperlich und auch emotional an meine Grenzen gebracht. Ich bin ja bei jedem Wetter gegangen … Habe unter der Hitze oder während eines langen Bergaufstiegs gestöhnt oder auch einmal im Dauerregen auf dem Weg durch ein Industriegebiet gehadert, wie ich nur auf so eine bescheuerte Idee kommen konnte. Und ich konnte das mit niemanden teilen. Ich war ja allein unterwegs. Da ist es hilfreich, mit sich selbst Freundschaft zu schließen.

Dann war ich auch mit ganz wenig Gepäck unterwegs. Ich musste meinen Rucksack ja ständig mit mir herumschleppen. Da habe ich gemerkt, mit wie wenig ich absolut zufrieden bin und auf was ich ohne Probleme verzichten kann.

"Ein gutes Leben zu führen bedeutet nicht, nie Probleme zu haben oder sich nie zu ärgern."

Zwei Interview-Wander-Touren hast du bereits hinter dir. Was hat dich an den Menschen, die du bisher interviewt hast, am meisten begeistert, fasziniert?

Ich glaube, dass keine und keiner von ihnen nachtragend war. Denn auch die Menschen, die ich interviewt habe, haben nicht nur Sonnenstunden erlebt. Aber sie waren bei Krisen oder Durststecken nicht auf der Suche nach Schuldigen oder haben nachträglich „hätte, wäre, wenn“ gedacht. Ein gutes Leben zu führen bedeutet ja nicht, nie Probleme zu haben oder sich nie zu ärgern. Die Menschen, denen ich begegnet bin, haben sich nicht an diesem Ärger festgehalten, sondern wohlwollend – auch mit sich selbst – den nächsten Schritt gemacht.

Worüber bist du selbst mehr ins Nachdenken gekommen?

Foto: privat

Vor allem über mich und mein Leben. Wo mache ich es mir selbst schwer? Wo könnte es leichter gehen? Was will ich wirklich? Was ist mir wichtig? Was kann ich sein lassen und wovon hätte ich gerne mehr? Zum Nachdenken darüber hatte ich während der vielen Wandertage auch ausreichend Zeit. Zu einem endgültigen Ergebnis bin ich nicht gekommen. Aber ich habe die eine oder andere Idee für mich.

Welches Anliegen verbindest du mit deinem neuen Buch?

Bis zum fertigen Buch ist es ja noch weit. Wenn es das mal gibt, würde ich mir wünschen, dass die Leserinnen und Leser meinen Weg in Gedanken mitgehen können. Und sich inspirieren lassen: von den Lebensgeschichten, die in dem Buch erzählt werden. Und von meinem Weg mit allen Höhen und Tiefen, über den ich berichte. Ich würde mich freuen, wenn die Lesenden eine Idee für sich selbst bekommen: was von den Geschichten auch für sie passen könnte, wo und wie sie sich sehen und was sie angehen wollen. Das hat nichts mit Selbstoptimierung, sondern mehr mit persönlichen Visionen zu tun.

Noch etwas, das dir wichtig ist?

Ja, ich wünsche mir für meine nächste Etappe auf der Suche nach dem guten Leben möglichst trockenes Wetter. Ich kann auch gut bei Regen gehen. Das habe ich gelernt. Aber bei Sonnenschein macht es schon mehr Spaß!

 

Mehr Infos zu Petra Bartoli y Eckert: www.petra-bartoli.de

 

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