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Denise Haverkamp und Teresa Wirth haben mit "finance baby!"die erste Learning-Plattform für Frauen und Finanzen in Deutschland gegründet. Damit sich für Frauen endlich etwas ändert.

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Interview: Isolde Hilt

Tessa und Denise, die Gründerinnen von finance, baby!

Da kommen zwei junge Frauen – frisch, mutig, unverzagt – und rollen für andere Frauen das Feld auf: das Feld der Finanzen und in Folge der Unabhängigkeit. So das erklärte Ziel von Denise Haverkamp und Teresa Wirth. Geld, Vermögen? Bis vor nicht allzu langer Zeit war das für beide auch noch eher so ein „Weg-Schieb-Thema“. Tessa ist im Bereich Werbung und Marktkommunikation zuhause, Denise in der Kommunikationswissenschaft. Kompetenzen, die für „finance, baby!“, die erste Learning-Plattform für Frauen und Finanzen in Deutschland, wertvoll sind. Mit Finanzwissen hat das aber erst einmal nicht direkt zu tun. Was gab den Ausschlag für diese Geschäftsidee? 

Auslöser zu finance, baby! waren eigene, persönliche Probleme im ersten Lockdown. Kurzarbeit, Kündigungen, rasch zunehmende finanzielle Unsicherheit: Denise hatte plötzlich selbst Angst vor einer Kündigung. Ihr wurde klar, dass sie, sollte das eintreffen, kaum einen Puffer auf dem Konto hätte. Bewusst wurde ihr auch, dass sie noch viel zu wenig Ahnung von ihren eigenen Finanzen hatte. Kein Wohlfühlthema, das man lieber erst einmal verdrängt, bis es nicht mehr geht.

Denise begann zu recherchieren und nach Lösungen zu suchen, die leicht verstehbar sind und einem die Angst vor allem, was mit Geld zu tun hat, nehmen, anstatt sie noch zu vergrößern. Sie fand – nicht viel. Also fing sie an, mit möglichst vielen Frauen über Geld zu sprechen. Die Erkenntnis: „Es geht nicht nur mir so. Und eine Lösung musste her. Wenn es sie nicht gibt, bauen wir sie selbst.“

Ein Gespräch mit Denise und Tessa, wie finance, baby! entstand und wohin die Reise mit der ersten Learning-Plattform für Frauen und Finanzen in Deutschland gehen soll …

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Ein besonderes Baby habt ihr da letztes Jahr im August auf den Weg gebracht … Wie kam es dazu?

Wir hatten vor einigen Monaten selbst noch Angst vor Aktien, Zahlen, Geld & Co. Doch nach den Gesprächen mit über 300 Frauen wussten wir, dass wir etwas ändern müssen.
Das Thema Finanzen wird nicht auf Augenhöhe kommuniziert. Inhalte sind kompliziert und unnahbar dargestellt. Es gibt kaum Angebote für Frauen* in verschiedenen Lebenssituationen – wie Mutterschutz, Selbstständigkeit oder Scheidung. Frauen rutschen immer weiter in die Altersarmut ab, können dieses Problem aber nicht lösen, weil sie beim Thema Geld nicht selbstsicher sind.

Und an wen könnte man sich da wenden …?

Genau! Es fehlen persönliche Ansprechpartner:innen, Offenheit und das Vertrauen in Finanzberatungen aufgrund von Unnahbarkeit und schlechten Erfahrungen.
Auch wir hatten in unserer Kindheit mit finanziellen Sorgen zu kämpfen und haben selbst erfahren, wie es ist, über keine finanzielle Stabilität im Leben zu verfügen. Unser Ziel ist deshalb, dass sich eine Frau* nie wieder so fühlen soll, wie wir uns gefühlt haben. Frauen* sollen ihr Potenzial entfalten und ihre Wünsche mutig leben können, ohne sich dabei über einen niedrigen Kontostand Sorgen machen zu müssen.

Geld zu haben bedeutet für uns, dass wir unsere Zeit auf dieser Erde für das nutzen können, für das unser Herz brennt.

Mit Geld steht und fällt vieles. Was bedeutet es für euch?

In erster Linie Entscheidungsfreiheit. Ohne Geld sind uns oft die Hände gebunden: das Masterstudium, das man sich nicht leisten kann. Die Wohnung, die zu teuer ist und weshalb man in einer 6-er WG wohnen muss. Der Traum vom eigenen Unternehmen, den man sich nicht traut zu realisieren, weil man gerade einmal 20 Euro im Monat von seinem kleinen Gehalt auf die Seite legen kann … Wir kennen diese Situationen beide sehr gut. Und wir wissen, wie sich das Gegenteil von „Geld haben“ anfühlt: ein bisschen wie Machtlosigkeit im Hamsterrad. Geld zu haben bedeutet für uns, dass wir unsere Zeit auf dieser Erde für das nutzen können, für das unser Herz brennt.

Wer Zugang zu Geld, zu Vermögen hat, hat auch Zugang zu Macht und Einfluss. Diese Macht und dieser Einfluss waren und sind bisher überwiegend in Männerhand. Wie wollt ihr das ändern?

Wir ermutigen Frauen* dazu, ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Unsere große Vision ist es, dass Frauen* und Männer* dieselben finanziellen Chancen haben.
Angebote im Finanzbereich sind stark auf den Mann ausgerichtet. Zum einen sind Inhalte nicht verständlich aufbereitet. Es wird also oft davon ausgegangen, dass Vorkenntnisse bereits da sind, was bei Frauen aber meistens nicht der Fall ist.

Außerdem sind viele von uns noch nach traditionellen Rollenbildern aufgewachsen und leben oftmals selbst noch in diesen Rollenbildern: Der Mann kümmert sich um Geld und Finanzen, die Frau bleibt bei den Kindern zuhause, hat das geringere Einkommen und überlässt Geldthemen dem Mann. Dadurch entstehen Berührungsängste mit dem Thema und die Frauen trauen sich erst gar nicht, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen.

Wenn dann aber plötzlich die finanzielle Sicherheit über den Mann – aus welchen Gründen auch immer – wegbricht, muss man sich mit Geld und Absicherung befassen. Viele Frauen* wissen dann nicht, wie; es fehlt ein Startpunkt, der einem vermittelt, wo man anfangen soll und welche Schritte als nächste folgen.

„Frauen und Geld“ ist wirklich ein Thema für sich …

Ja. In vielen Bereichen herrscht immer noch keine Gleichberechtigung von Mann und Frau, und beim Thema Geld eben auch nicht. Zum Beispiel liegt die Gender Pay Gap (unbereinigt) im Moment bei 19 Prozent. Das bedeutet nichts anderes, als dass Frauen für die exakt selbe Arbeit im Schnitt 19 Prozent weniger Geld bekommen als Männer.

Ein anderes Beispiel ist die Pension Gap, also die Rentenlücke. Frauen erhalten im Schnitt 58 Prozent weniger Rente. Und das rührt zum Beispiel daher, dass Frauen noch häufiger für die Erziehung der Kinder zuhause bleiben und in dieser Zeit weniger oder gar nichts verdienen. Hier fehlt es an Gleichberechtigung. Frauen sollten für die gleiche Arbeit gleich viel Geld bekommen und nicht nur aufgrund des Geschlechts anders behandelt werden. Oder Männer dürfen gerne häufiger in Elternzeit gehen.

Wir widmen unser ganzes Herz und unseren Unternehmerinnengeist der Aufklärung und der Veränderung dieser Fakten.

Sich sicher in der Welt der Finanzen zu bewegen, bedeutet auch, sich gut auszukennen und ständig auf dem Laufenden zu sein. Wie habt ihr euch da fit gemacht? Ihr habt beide etwas anderes studiert …

Wir haben anfangs in unserer Panik das gesamte Internet durchforstet, konnten allerdings nicht wirklich etwas finden, das uns die Berührungsängste mit dem Thema genommen hätte. In Büchern wie Money Makers von Aya Jaff oder bei Finanzfluss haben wir dann endlich etwas Ruhe und Antworten gefunden. Das Wissen, das wir bei finance, baby! abbilden, kommt jedoch vor allem von Expertinnen, die die Inhalte verständlich für uns aufbereiten, sodass wir sie wieder an unsere Kundinnen weitergeben können.

Kann man sich schnell in der Welt des Geldes zurechtfinden?

Eigentlich ja. Wenn der richtige Ansatz für die Aufklärung gewählt wird. Und mit richtig meinen wir: verständlich, einfach, nahbar. Und: ermutigend.

Könnt ihr auf ein Netzwerk bauen?

Und auf was für eins! Durch unsere berufliche Laufbahn bei Mädchenflohmarkt können wir auf ein wahnsinnig tolles Netzwerk aus der Start-up-Szene bauen. Auch unser Mentor Yannick Frank begleitet uns mittlerweile seit über einem Jahr auf unserem Weg und fängt uns immer wieder auf, wenn es einmal schwierig wird. Unsere Community aus mittlerweile über 6.000 Menschen ist natürlich auch ein starker Rückhalt.

Wie reagieren Frauen auf finance baby?

Wenn wir Influencerinnen fragen, ob sie unsere Academy testen möchten, bekommen wir oft folgende Reaktion: „Wo wart ihr mein ganzes Leben lang?!“ Und genau das ist in den meisten Fällen auch die Reaktion von Kundinnen. Wir erleben unfassbare Dankbarkeit und AHA-Momente. Und das sind die Hauptgründe, warum wir täglich motiviert sind, weiter an unserer Vision festzuhalten.

Wie reagieren Männer auf eure Dienstleistung?

Unterschiedlich. Wir hatten schon einige Väter, die sich tausendmal bei uns dafür bedankt haben, dass wir die Welt für ihre Töchter zu einem besseren Ort machen. Und wir hatten schon sehr viele Männer, die absolut nicht verstehen, warum denn jetzt unbedingt ein Produkt für Frauen her muss. Gleichberechtigung gäbe es doch schon … Frauen gehörten ja eigentlich auch nicht in Führungspositionen oder hätten es verdient, weniger zu verdienen … Traurig, aber das passiert leider täglich.

Was machen Frauen beim Thema „Geld“ so ganz anders als Männer?

Eigentlich machen Frauen, wenn sie sich mit dem Thema sicher fühlen, sogar einiges besser als Männer. Sie beweisen nämlich beim Investieren nachgewiesenermaßen ein ruhigeres Händchen und erwirtschaften damit sogar höhere Gewinne. Allerdings sind Frauen aufgrund unserer Sozialisation und den gesellschaftlichen Gegebenheiten im Umgang mit Geld risikoaverser als Männer. Sie halten ihr Geld zusammen, anstatt ein Risiko einzugehen, wobei es hier an Aufklärung fehlt, da Risiko per se nichts Schlechtes ist.

Sprecht mit euren Freundinnen über eure Gehälter!

3 Tipps, die ihr Frauen in Sachen Finanzen mit auf den Weg geben würdet …

Keine Frage ist eine „dumme“ Frage, denn ohne Fragen kommen wir nicht ans Ziel. Wenn ihr etwas im Kontext mit Finanzen nicht versteht, dann fragt nach. Kein Mensch weiß, was ein Derivat oder eine Dividende ist, bevor er/sie sich nicht ausgiebig damit beschäftigt hat. Und das ist okay! Wenn jemand über eure Fragen lacht, dann sagt das mehr über die andere Person aus als über euch selbst.
Sprecht mit euren Freundinnen über eure Gehälter! Das ist unangenehm, schafft aber so viel Klarheit und Offenheit. Natürlich nur, wenn diese ebenfalls dazu bereit sind.
Und natürlich unseren Tipp, den wir immer mitgeben: Start before you’re ready! Du wirst dich nie zu 100 Prozent bereit fühlen, ein Depot zu eröffnen oder deine erste Aktie zu kaufen. Hab keine Angst vor Fehlern, ein Weg verläuft nie perfekt. Aber wenn Du nicht anfängst, dann kannst Du auch niemals laufen lernen.

Noch etwas, das euch wichtig ist, euch am Herzen liegt?

Ja! Und zwar, dass endlich jede und jeder versteht, dass Männer nichts verlieren, wenn Frauen mehr bekommen. Wir gewinnen alle, je näher wir der Gleichberechtigung kommen. Und das ist doch irgendwie Grund genug, sich gegenseitig zu unterstützen, anstatt sich kleinzumachen, oder?

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Tessa und Denise wollen ihre Learning-Plattform finance, baby! weiter ausbauen. Dazu läuft auf startnext noch bis 18. Juli eine Crowdfunding-Aktion. Jede Unterstützung ist willkommen und hilft dem jungen Start-up, wieder einen großen Schritt zu wachsen: https://www.startnext.com/financebaby

 

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