Die lebenserhaltende Balance von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren kann Erkrankungsraten um bis zu 90 Prozent senken.

Isolde Hilt im Gespräch mit Peter Herrmann

Foto: Zinzino

 

“Wenn unserer Nahrung wieder die wichtigen entzündungshemmenden Nährstoffe zugefügt werden, sinken unsere Erkrankungsraten um bis zu 90 Prozent. Wir werden fast immun gegen degenerative Krankheiten. Unsere Chancen, in Würde und Gesundheit ein hohes Lebensalter zu erreichen, nehmen drastisch zu. Dr. Paul Clayton

Peter Herrmann traf Dr. Paul Clayton, Pharmakologe und weltweit anerkannter Experte für Ernährungsgewohnheiten, im Herbst auf einer Fachveranstaltung, bei der er für ihn übersetzte. Thema: das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Organismus. Eine wichtige Erkenntnis: Industriell verarbeitete Nahrungsmittel setzen unserem Körper ordentlich zu und schaden ihm auch. Die gute Nachricht: Ein bedeutender Teil degenerativer Krankheiten kann durch das Hinzufügen entzündungshemmender Nährstoffe vermieden werden. Wie das funktioniert, erklärt Peter Herrmann in diesem Interview.

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Unser Körper braucht jeden Tag eine Menge an Nährstoffen, damit er gut versorgt ist und seine Aufgaben und Funktionen erfüllen kann. Dazu gehören auch die Omega-Fettsäuren. Welche gibt es da und wofür sind sie jeweils notwendig?

Fettsäuren sind Bestandteile von Ölen und Fetten. Es gibt gesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Als essentiell werden die Fettsäuren bezeichnet, die ein Organismus benötigt, aber nicht selbst herstellen kann.

Für uns sind in erster Linie jene Fettsäuren essentiell, die mehrere Doppelbindungen besitzen. Zu den wichtigsten Vertretern gehören die Omega-3- sowie die Omega-6-Fettsäuren, die am Aufbau der Zellmembranen beteiligt sind und viele lebenswichtige Vorgänge im Organismus steuern. Sie regulieren etliche Zellteilungsprozesse, die Entwicklung des Gehirns und der Nerven. Sie helfen dem Immunsystem bei Entzündungen und sind wichtig für die Blutgerinnung. Fehlen dem Körper essentielle Fettsäuren, kann es unter anderem zu Hautveränderungen, Haarausfall, Infektionsanfälligkeit und Wachstumsstörungen kommen.

Omega-6-Fettsäuren sind für Entzündungen im Körper zuständig, 
während Omega 3 dafür sorgt, diese Entzündungen wieder einzudämmen.

In besonderem Verhältnis stehen die Omega-6- zu den Omega-3-Fettsäuren. Inwiefern?

Omega-6-Fettsäuren werden im Körper zumeist – aber nicht immer oder ausschließlich – zu entzündungsfördernden Signalmolekülen verstoffwechselt, Omega-3-Fettsäuren zu entzündungshemmenden. Vereinfacht gesagt sind Omega-6-Fettsäuren für Entzündungen im Körper zuständig, während Omega-3 dafür sorgt, diese Entzündungen wieder einzudämmen. Haben wir beispielsweise eine Wunde, in die ein Fremdkörper eingedrungen ist, sorgt der Körper mithilfe von Omega-6 dafür, dass sich die Wunde entzündet und der Fremdkörper herauseitert. Omega-3 ist dann dafür zuständig, das Feuer wieder zu löschen und den Heilungsprozess einzuleiten.

Das ist gut und sinnnvoll, funktioniert aber nur, so lange ein Gleichgewicht zwischen den beiden Fettsäuren herrscht. Nimmt ernährungsbedingt die Menge an Omega-6-Fettsäuren überproportional zu, gehen diese weiterhin ihren üblichen Aufgaben nach und verursachen Entzündungen im gesamten Körper. Sind nun nicht genügend Omega-3-”Feuerlöscher” vorhanden, entstehen so genannte stille, schleichende Entzündungen, die oft über lange Zeiträume hinweg unbemerkt bleiben.

Das Verhältnis von Omega 6 und Omega 3 stimmt bei unserer Nahrungsaufnahme meist nicht.

Das Verhältnis von Omega 6 und Omega 3 stimmt bei unserer Nahrungsaufnahme nicht. Das hat unter anderem mit der industriellen Bearbeitung von Lebensmitteln zu tun. Kannst du das bitte näher erläutern? Was bewirkt dieses Ungleichgewicht in unserem Körper?

Die industrielle Verarbeitung unserer Nahrungsmittel – früher hießen sie Lebensmittel! – spielt eine große Rolle beim Vormarsch der Omega-6 Fettsäuren. Früher wurden Lebensmittel mit traditionellen Methoden hergestellt und zu Hause zubereitet. Das natürliche Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 lag im Schnitt bei 3:1 bis 4:1. Seit etwa 50 Jahren produziert die moderne Industrie immer mehr unausgewogene Nahrungsmittel wie “Fast-Food”, so dass das Verhältnis in Mitteleuropa mittlerweile durchschnittlich bei 15:1, in den USA gar bei 25:1 liegt.

Dass ein Verhältnis von 3:1 oder besser empfehlenswert ist, ergibt sich aus den historischen Daten und wird durch Empfehlungen verschiedener Fachleute aus der ganzen Welt wie Dr. Johanna Budwig, Dr. Artemis Simopoulos und nicht zuletzt Dr. Paul Clayton untermauert.

Bereits 2004 berichtete das TIME Magazine mit der Titelgeschichte “The Secret Killer” über den Zusammenhang zwischen stillen, schleichenden Entzündungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Alzheimer. Foto: Zinzino

Ein erhöhter Anteil von Omega-6-Fettsäuren in der Ernährung führt nach neuesten Untersuchungen zu erhöhten Blutfettwerten, erhöhter Thrombosegefahr, schlechterer Gefäßflexibilität und damit Bluthochdruck, schlechterer Immunfunktion, Neigung zu Allergien sowie zu gesteigerter Entzündungsanfälligkeit und -häufigkeit. Weiterhin kommt es verstärkt zu so genannten Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und daraus resultierenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthrose bzw. Arthritis und zu erhöhter Anfälligkeit für Infekte.

Die University of California Berkeley, School of Public Health, schrieb 2010: „Niedergradige Entzündungen stehen mit allem in Verbindung – von Herzkrankheiten und Diabetes bis zu Alzheimer und Arthritis – und können sehr wohl die Ursache der meisten chronischen Erkrankungen sein.“

Inuit und weitere verwandte Volksgruppen ernähren sich beispielsweise so, dass das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 etwa 1:1 beträgt. Trotz ihres relativ hohen Fleischkonsums weisen sie bessere Blutfettwerte auf als der durchschnittliche Europäer. Ihre Herzinfarktrate liegt bei nur etwa 7 Prozent, Europa liegt mit 45 Prozent bedeutend darüber. Auch Asthma, Arthrose, Rheuma oder Hautkrankheiten treten bei ihnen viel seltener auf.

In der industriell produzierten Nahrung befinden sich Transfette, die unserem Körper nicht gut tun. Was ist das genau? Wie entstehen sie? Was richten sie an?

Vor über hundert Jahren wurde eine Entdeckung gemacht, die es Chemikern ermöglicht, aus flüssigen Pflanzenölen streichfähige und damit küchengeeignete Fette herzustellen. Diese Produkte punkten zudem mit längerer Haltbarkeit. Wer sich Margarine aufs Brot streicht, ist sich der Auswirkungen auf die Gesundheit meist nicht bewusst. Werden diese Fette erhitzt, entstehen zudem künstliche und äußerst schädliche Transfettsäuren. Laugensemmeln und Pommes sehen zwar lecker aus, haben es aber, je nachdem, woher sie kommen, potentiell in sich…

Ungesättigte Transfette tun unserem Körper in mehrfacher Hinsicht nicht gut. Neben entzündungsfördernden Effekten wirken sie sich ungünstig auf die endotheliale Funktion der Arterienwände aus: Das heißt, der Austausch zwischen Blut und Zelle wird beeinträchtigt. Es gibt Hinweise darauf, dass ungesättigte Fettsäuren die Insulin-Resistenz und Fettsucht sowie Zellwandveränderungen verstärken und sich negativ auf die Blutgerinnung auswirken. Transfettsäurehaltige Nahrungssmittel sind oft mit dem Vermerk „Pflanzliches Öl, teilweise gehärtet“ gekennzeichnet.

Nach Dr. Paul Clayton kann ein bedeutender Teil degenerativer Krankheiten durch das Hinzufügen entzündungshemmender Nährstoffe vermieden werden.

Du übersetzt für einen Wissenschaftler, der seit Jahrzehnten Omega-Fettsäuren und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Körper erforscht – Paul Clayton. Was fand er heraus?

Dr. Paul Clayton hat an der Universität Edinburgh Pharmakologie studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen. Unter anderem beschäftigt er sich mit den Ernährungsgewohnheiten verschiedener Völker beziehungsweise Regionen. Frei nach dem Motto “Vorbeugen ist besser als therapieren” brachte er gesundheitsförderliche Elemente verschiedener Kulturen zusammen und stieß dabei sehr früh schon auf die Omega-Fettsäuren. Seine These sowie das Ergebnis seiner Arbeit besagen, dass ein bedeutender Teil degenerativer Krankheiten durch das Hinzufügen entzündungshemmender Nährstoffe vermieden werden kann.

Vor einigen Jahren fand er dann in Norwegen mit dem Unternehmen Zinzino einen kongenialen Partner, der bereit war, seiner Forschungsarbeit Taten folgen zu lassen. Ausgehend von Dr. Clayton’s Ansatz, dass Omega-3-Fettsäuren am besten direkt von der Quelle zu holen seien, baute das Unternehmen eine Anlage, in der hochreines und -potentes, veganes Öl aus bestimmten Mikro-Algen hergestellt wird.

Dank zweier Ärzte in meinem Freundeskreis beschäftige ich mich schon lange mit Omega-3, und es gehört seit vielen Jahren nach eingehender Prüfung zu meiner Ernährung. Aufgrund meines Fachwissens zu diesem Thema wurde ich gebeten, für das Unternehmen und Dr. Clayton als Dolmetscher tätig zu sein.

Ich gestehe, ich bin begeistert von der segensreichen Wirkung des Öls bei mir persönlich. Zwei langjährige Entzündungsherde im Körper konnten endlich abklingen, ich habe mehr Energie, größere Klarheit und ein besseres Sehvermögen.

Omega-3-Fettsäuren sind insbesondere in Fisch enthalten. Wie will man den Bedarf decken? Um die Fischbestände ist es weltweit schlecht bestellt. 85 Prozent gelten als überfischt, die Belastung mit Umweltgiften und Plastik macht auch vor Fischen nicht Halt.

Das ist richtig, wir brauchen eine sinnvolle Alternative. Wollten wir alle Menschen mit der erforderlichen Menge an Omega-3 versorgen, müssten wir alleine dafür die Meere komplett leerfischen. Das kann nicht die Lösung sein. Ich bin sehr froh, dass sich Forscherinnen und Forscher weltweit mit Alternativen beschäftigen und diese auch teilweise, wie eben angesprochen, bereits gefunden haben.

Algen, ein wesentlicher Bestandteil bei vegan aufbereitetem Omega-3. Foto: Zinzino

Wie setzt sich das von dir angesprochene, vegan aufbereitete Omega 3 zusammen?

Es besteht aus Mikro-Algen und verfügt neben den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA zusätzlich über das entzündungshemmende Echium-Öl, Biopolyphenole aus reinem, nativen Olivenöl sowie Vitamin D. Diese Mikro-Alge wird in einem speziell dafür erbauten Bioreaktor kultiviert, wächst sehr rasch nach und absorbiert sowohl CO2, als auch Verunreinigungen wie zum Beispiel Schwermetalle. Zudem enthält das vegane Öl weitere seltene Nährstoffe.

Omega 3-Fettsäuren schreibt man viele erfreuliche Wirkweisen zu. Welche?

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass hohe Spiegel der Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA einzeln und gemeinsam mit einem längeren Leben assoziiert sind, unabhängig von allen anderen Einflüssen oder Risikofaktoren. Omega-3 senkt die Blutfettwerte und den Blutdruck, reduziert den Blutzuckerspiegel sowie die Blutgerinnung und damit die Thromboseneigung. Es lindert und vermeidet Entzündungen und verbessert die Fließeigenschaften des Blutes. Das heißt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt sinkt.

Omega-3 ist verantwortlich für die Produktion von Hormonen, die Eiweisssynthese, den Zellstoffwechsel, die Versorgung der Gelenke mit Schmierstoff, die Feuchtigkeit und Spannkraft von Haut und Haaren, die Bildung körpereigener Abwehrzellen oder auch für den Schutz vor Infektionskrankheiten. Es trägt zu einer optimalen Hirn- und Augenfunktion bei. Höhere Omega-3-Werte wurden in unterschiedlichen Studien zudem mit einem geringeren Auftreten von psychischen Störungen, größerem Wohlbefinden und der Linderung von Depressionssymptomen in Verbindung gebracht.

Ein Team der Ohio State University fand kürzlich heraus, dass sich der Alterungsprozess durch die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren positiv beeinflussen lässt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ohio State University fanden kürzlich heraus, dass sich durch die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren Telomere – das sind die winzigen Enden der Chromosomen, deren stetige Verkürzung bei jeder Zellteilung den Marker für unseren Alterungsprozess darstellt – verlängern ließen. Das bedeutet nicht weniger, als dass der Alterungsprozess zumindest positiv beeinflusst wird. Besonders wichtig ist Omega-3 auch während der Schwangerschaft – für die Mutter als auch für die gesunde Entwicklung des Babys.

Ernährungswissenschaftler empfehlen, dem Körper Omega-3 Fettsäuren permanent zur Verfügung zu stellen, um einer Vielzahl von Krankheiten wirksam vorzubeugen.

Kann man den Omega 3-Bedarf nicht auch durch die Nahrungsaufnahme abdecken? Zum Beispiel durch Leinöl oder Leinsamen?

Omega-3-Fettsäuren sind in Algen, Pflanzen oder Fischen enthalten. Pflanzen enthalten fast ausschließlich die Vorstufe (ALA) zu den vom Menschen benötigten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA; letztere kommen in Fettfischen wie Aal, Karpfen und Sardine sowie in bestimmten Algen vor. Das bedeutet, dass der Körper das ALA aus Lein-, Hanf-, Walnuss- oder Rapsöl zu EPA oder DHA umbauen muss. Dazu fehlen allerdings oft die Bausteine beziehungsweise sind davon zu wenige vorhanden.

Eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren, wie wir sie benötigen, ist über eine bisher übliche pflanzliche Nahrungsaufnahme faktisch nicht machbar. Wollten wir den Bedarf lediglich über den Verzehr von Fisch decken, müssten wir zwei bis drei Kilogramm pro Tag verspeisen! Insofern ist die Aufnahme wertvoller Omega-3-Fettsäuren über qualitativ hochwertige und sinnvoll zusammengesetzte Öle wichtig, steigert unsere Lebensqualität und kann selbst chronische Entzündungsherde im Körper beruhigen und sogar löschen.

 

 

Peter Herrmann

… ist als Simultandolmetscher für wissenschaftliche Kongresse sehr gefragt. Unter anderen übersetzt er für Dr. Paul Clayton. Wer mehr Informationen zum Thema „Die richtige Balance von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren“ erhalten möchte, kann sich gerne an ihn wenden. Auch zu dem von Dr. Clayton entwickelten Test, den man persönlich und anonym durchführen lassen kann, gibt Peter Herrmann Auskunft.

Kontakt: p.herrmann@email.de

 

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4 Responses

    • Isolde Hilt

      Hallo liebe Edith,
      bitte wende dich dazu direkt an Peter Herrmann (p.herrmann@email.de). Er beantwortet dir gerne und kompetent alle Fragen. einen herzlichen Gruß 🙂

      Antworten
    • Peter

      Liebe Edith,
      ich freue mich über Dein Interesse – schick mir einfach eine Mail. 🙂
      Hezliche Grüße,
      Peter***

      Antworten

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