Gina von Make Someone Happy:
„Wir können in der Welt etwas bewirken.“

Make Someone Happy und good news for you intensivieren ihre Zusammenarbeit. "Wir möchten Samen säen für ein liebevolleres und aufmerksameres Miteinander."

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Interview: Isolde Hilt

Boston, so sagte uns ein Stadtführer, sei die zweitwindigste Stadt in den USA. Windig war’s, glücklicherweise aber auch schon wärmer.

Make Someone Happy haben wir letztes Jahr auf Instagram entdeckt. Dahinter steckt ein Familienunternehmen aus Rhode Island in den USA, das dazu ermuntert, anderen eine Freude zu bereiten. Bereits kleine Gesten der Aufmerksamkeit können so viel bewirken. Erste Geschichten, in denen jemand andere glücklich gemacht hat, haben wir bereits ausgetauscht.

Nun möchten wir unsere Zusammenarbeit weiter ausbauen, unter anderem auch, um zu zeigen, dass uns Menschen gar nicht so viel voneinander unterscheidet – egal, in welchem Land wir leben. Selbst wenn wir durch unsere good news über „Make Someone Happy“ nur kleine Augenblicke der Freude vermitteln, so bewirken sie – zusammengenommen – eine ganze Menge. Und wenn sich der eine oder die andere davon anstecken lässt, kann daraus auch etwas richtig Großes werden.

Gina DiChiaro Dodd und ich hatten die einmalige Gelegenheit, uns persönlich in Boston kennenzulernen. Wir möchten Samen säen für ein liebevolleres und aufmerksameres Miteinander. Der Anfang ist gemacht!

Die Skyline von Boston

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Es ist so schön, dass wir uns jetzt persönlich kennenlernen.

Ich finde es auch toll!

Wir möchten unsere Zusammenarbeit weiter ausbauen. Als du und deine Familie mit Make Someone Happy starteten, gab es bereits viel, was man tun kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was war dein Anliegen und das Anliegen deiner Familie?

Wir wollten der Negativität in der Welt entgegenwirken, indem wir Menschen dazu ermutigen, jeden Tag kleine Dinge füreinander zu tun, um den Lauf der Dinge zu verändern. Wir wurden von Carmine, meinem Vater, inspiriert, der dies regelmäßig tat, indem er jemandem, den er nicht einmal kannte, ein Lied vorsang, einen netten Witz erzählte oder eine Kleinigkeit schenkte … Kleine Dinge wie Snacks, Kartoffelchips und Brezeln, die er für seine Firma verkaufte. Nichts, was Geld kostet, dafür aber von Herzen kommt. Und wir haben verstanden, wie einzigartig mein Vater war. Wir wollten diese Bewegung in der Hoffnung und in dem Glauben weiterführen, dass das wirklich einen Unterschied in der Welt und im Leben von Menschen bewirken kann.

Carmine, Ginas Vater und der Ideengeber für Make Someone Happy

Und jetzt, einige Jahre später, müssen wir feststellen, dass die Probleme sehr schnell zugenommen haben und bedrohlicher werden. Glaubst du, dass wir in dieser Welt noch etwas bewegen können? Reicht ein Lächeln, reicht eine Umarmung aus, um die Welt zu verändern?

Ja. Ich glaube, das ist jetzt sogar noch wichtiger und wirkungsvoller, weil die Menschen es brauchen. Sie sind durstig nach der Liebe von anderen. Vor allem, wenn du das Gefühl hast, es gibt keine Hoffnung, und wenn du das Leid siehst, das in der Welt geschieht …

Sieht man dann diesen Funken, wenn jemand freundlich zu jemandem ist, ihm hilft und ihm ein kleines bisschen die Hoffnung gibt, dass es Gutes in der Welt gibt und dass jemand auf ihn aufpasst, so ist das, denke ich, wichtiger denn je und auch möglich – sogar jetzt.

Und selbst, wenn man auf die schlimmsten Dinge in der Welt sieht oder sich 9/11 in New York City in Erinnerung ruft, gibt es so viele wundervolle Geschichten, die aus diesem Schrecklichen entstanden sind. Menschen, die zusammenkamen und sich gegenseitig geholfen haben. Das zeigte wirklich die gute Seite der Menschlichkeit. Da zeigte sich die Gemeinschaft, die wir hatten, dieses gemeinsam an einem Strang-Ziehen, wenn es darum ging, sich zu warnen, zu helfen und sich gegenseitig zu lieben. Es zeigte das Schlimmste des Bösen, und es zeigte die höchste Stufe des Guten und der Liebe. Beides zur gleichen Zeit. Ich glaube fest daran, dass wir in der Welt etwas bewirken können.

Was braucht die Welt deiner Meinung nach jetzt mehr denn je?

Ich denke, dass wir sehr gespalten sind. Und wir spüren den Widerstand auf zwei Seiten zu einem Thema … Ich glaube, wir müssen dieser Vorstellung des Gespalten-Seins entgegenwirken und einen gemeinsamen Nenner finden. Was haben wir gemeinsam und was ist anders und gegensätzlich? Vielleicht sollten wir da ansetzen und sagen: Ok, was ist dein Ziel?

Wir alle wollen Frieden. Wie können wir ihn erreichen? Vielleicht ist es ein etwas anderer Denkprozess, aber lass uns die Dinge finden, die wir gemeinsam haben, damit wir diese Kluft wirklich überbrücken und das sich Bekämpfen beenden können. Familien sind jetzt durch die Covid-Pandemie gespalten. Ein Teil der Familie ist der Meinung, ein anderer Teil der Familie ist anderer Meinung.

In der Welt passieren gerade unterschiedliche Dinge, es gibt Meinungsverschiedenheiten … Ich denke, wir sollten festhalten, was wir im Moment wissen und woran wir beide glauben und von dort aus beginnen.

Wie können wir Menschen wieder zusammenbringen? Was meinst du?

Ich denke, wir müssen uns wirklich bemühen, beide Seiten zu betrachten, um zu lernen und uns daran zu erinnern, dass wir einfühlsam sind, und diesen Teil von uns selbst, der einfühlsam ist, hervorholen und sagen: „Ok, lass mich in den Schuhen dieser Person gehen.“ Ich möchte verstehen, warum diese Person so empfindet, welche Lebenserfahrung sie hat, was sie sich zumutet. Ich will verstehen und sagen: Ok, ich möchte beide Seiten sehen, damit ich verstehen kann. Vielleicht habe ich immer noch meine Meinung, aber ich verstehe, warum du so denkst. Vielleicht kann sich der- oder diejenige dir gegenüber dann genauso verhalten. Und so kommt man mehr zusammen, anstatt zu sagen: „Ich beharre auf meinem Standpunkt, du auf deinem und wir werden nie einer Meinung sein …!“

Wir sind alle gute Menschen. Ich glaube, dass die meisten Menschen von Natur aus gut sind. Wir dürfen unsere Menschlichkeit nicht verlieren … Erinnern wir uns also daran, dass wir Menschen sind, dass wir von Gott kommen, dass wir von Natur aus gut sind …

Wir machen Fehler, aber wenn wir das verstehen und mit dem guten Teil in uns selbst in Berührung kommen und versuchen, ihn zu nähren und diesen Muskel weiter zu trainieren – um uns selbst und anderen regelmäßig zu helfen und uns das jeden Tag vor Augen zu halten –, dann glaube ich, dass das einen sehr großen Unterschied macht.

… Und ich glaube, wir müssen uns daran erinnern, dass wir nur gemeinsam überleben können.

Ja, das ist wirklich wahr. Menschen, die auf andere zugehen und wirklich etwas verändern wie zum Beispiel Mutter Teresa: Sie hat so viele Leben verändert. Und sie ermutigte andere, es auch zu tun.

Oder Prinzessin Diana, als sie dem aidskranken Mann die Hand schüttelte. Die Leute hatten solche Angst, jemanden mit Aids zu berühren. Diana hatte alles Geld der Welt. Wenn sie diesem Mann eine Million Dollar oder der Aids-Stiftung zwei oder zehn Millionen gegeben hätte, hätte das viel weniger bewirkt als ihre Berührung und das Ausstrecken ihrer Hand, was nichts kostete, aber einen viel größeren Unterschied in der Welt und in der Art und Weise, wie wir Dinge wahrnehmen oder falsch wahrnehmen, bewirkte. Ich habe das Gefühl, dass es bei den meisten Dingen, die einen größeren Unterschied machen, gar nicht um viel Geld geht. Es geht um die Menschlichkeit als Ganzes.

Und du hast etwas sehr Wichtiges angesprochen: einander wieder zuhören. Nicht immer gleich von sich reden und versuchen, die Meinung der anderen Person zu ändern, sondern erst einmal zuhören. Und so kann sich dein Gegenüber auch öffnen, kann sein Herz öffnen. Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Schlüssel: zuerst wieder zuhören.

Ich stimme dir zu, ja!

Eine der wunderschönen Straßen in Boston

Und was können wir – Make Someone Happy und good news for you – mit unserer Arbeit tun oder bewirken? Was glaubst du?

Ich glaube, dass wir weiterhin Geschichten über den Atlantik hinweg teilen können. Dinge, die hier bei uns und in eurem Land passieren und zeigen, dass wir wirklich eine kleine Welt sind. Wir sind nicht allzu weit voneinander entfernt. Und Menschen sind Menschen, egal, ob das bei euch oder bei uns passiert. Es gibt nur eine gewisse Distanz zwischen uns, aber außer diesen Kilometern gibt es keinen wirklichen Unterschied.

Ich glaube, dass wir unseren Sinn für Humor verloren haben. Mein Vater liebte es, Witze und lustige Geschichten zu erzählen, und er liebte es zu singen. Wir haben unsere Unbeschwertheit verloren. Und ich denke, unsere beiden Unternehmen können mehr davon bringen, indem wir zum Beispiel auch Lustiges oder Komisches erzählen. Dinge leicht halten, gerade weil wir uns in einer schweren Zeit befinden. So schwer es auch war, mein Vater hielt die Dinge leicht. Es ist erstaunlich, welche Kraft das Lachen hat. Ich denke, das ist ein Teil davon …

Wir können Dinge gemeinsam tun. Euer Nachrichten-Portal ist sehr großzügig angelegt und verweist auf unsere Website, und wir werden das Gleiche auf unserer Website tun. Das ist ein Schritt – Geschichten auszutauschen. Wir denken darüber nach, demnächst einen Podcast zu machen. Es gibt noch andere Instrumente, die wir nutzen können, um das Gute zu verbreiten: Geschichten teilen und andere inspirieren, wie zum Beispiel die Geschichte eines Polizisten, der mit seinem eigenen Geld Schuhe und Socken für einen obdachlosen Menschen gekauft hat.

Noch zwei Fragen, die ich nicht vergessen möchte … So viele Menschen haben Angst oder sind fassungslos wegen des Krieges in der Ukraine oder auch wegen anderer Kriege in anderen Ländern. Darf man da überhaupt noch lachen?

Ich glaube, es ist notwendig. Mit Respekt … Nach 9/11 gab es einige Comedy-Shows, die Angst hatten, das zu tun, Angst hatten zu lachen, Comedy zu machen, aber das Land brauchte es. Die Menschen brauchten es. Es ist der Geist der Menschen, der sich erheben musste – solange es auf angemessene und respektvolle Weise geschieht. Unsere Seelen und unser Geist sind dazu gemacht, leicht zu sein. Und ich denke, das hilft bei der Heilung.

9/11 ist vielleicht ein hilfreiches Beispiel, wie man einen so schrecklichen terroristischen Akt auf unterschiedliche Weise überleben kann.

Ich glaube, Gott will nicht, dass wir für immer traurig sind. Es ist ein Prozess …

Gibt es noch etwas, das dir wichtig ist?

Gina, Isolde und Johannes

Ich glaube, dass wir alle Vertrauen brauchen. Wir dürfen unser Vertrauen nicht verlieren. Ich denke, wir müssen an eine Zeit denken, in der wir viel glücklicher und die Dinge viel besser sein werden.

Ich habe kürzlich einen Film über Abraham Lincoln gesehen. Da gab es ein kleines Mädchen, das seinen Vater im Krieg verloren hatte, und sie schrieb an ihn. Und er schrieb ihr sehr umsichtig zurück und sagte: „Ich weiß, dass du jetzt sehr traurig bist, aber du musst an eine Zeit in naher Zukunft denken, in der du glücklich sein wirst.“

Ich denke, wir müssen uns daran erinnern, dass das kommen wird, und wir müssen uns auf diesen Punkt konzentrieren und ihn als Ziel betrachten. Wir müssen an eine Zeit denken, in der wir mehr Frieden und mehr Einheit haben werden. Es ist wie ein goldenes Leben, wenn man sich ein Ziel setzt – sei es im Beruf oder im Privatleben – und darüber nachdenkt: „Das soll mein Ziel sein.“ Ich denke, wir alle müssen darüber nachdenken: „Ok, das ist ein Hindernis, aber wir werden es überwinden und wir können einen sonnigen Tag erleben.“

Das klingt vielleicht fast naiv, aber ich glaube, dass wir uns auf eine bessere Zeit ausrichten sollten.

Vielen lieben Dank für das Gespräch!

 

Mehr zu Make Someone Happy findet ihr hier: https://www.makesomeonehappycompany.com/

Herzlichen Dank an Johannes Schindlbeck, der beim Transkribieren und Übersetzen des Interviews geholfen hat!

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

Mehr zu Make Someone Happy!

Make someone happy DE

 

 

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