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von Kristin Frauenhoffer

„Die Geburt eines Kindes ist das Normalste der Welt. Jede Frau kann gebären – die Natur hat sie schließlich dafür gemacht. Eine Geburt ist ein sanftes, wunderschönes Erlebnis …“ Das sind gängige Bilder zum Thema „Frau und Geburt“. Was aber ist, wenn eine Frau die Geburt ihres Kindes nicht als wunderschön, sondern vielmehr als schwierig, belastend und traumatisch empfindet?

Die beiden Vereine Mother Hood e. V. und die International Society for Pre- and Perinatal Psychology and Medicine, ISPPM e. V. schätzen, dass rund 20 bis 50 Prozent der Frauen die Geburt eines Kindes als schwierig erleben. Das ist annähernd jede zweite oder dritte Frau. Aus diesen Zahlen wird deutlich, dass selbst ein „natürliches“ Ereignis wie die Geburt Begleitung bedarf. Nicht nur im Kreißsaal, sondern manchmal sogar noch Jahre später. Viele Frauen leiden im Verborgenen, weil es als Tabu gilt, eine Geburt als traumatisch zu empfinden. „Frauen stoßen in ihrem Umfeld häufig auf Unverständnis, wenn sie von Problemen bei der Geburt erzählen“, berichtet Katharina Desery. Sie ist Initiatorin des Hilfetelefons nach schwieriger Geburt und Mitglied im Vorstand bei Mother Hood.

Die Geburt kann ein traumatisches Erlebnis sein 

Katharina Deserey ist Initiatorin des Hilfetelefons und Mitglied im Vorstand bei Mother Hood (Foto: Katharina Desery).

Die Beratungshotline bietet Müttern eine Gelegenheit, mit erfahrenen Beraterinnen über ihr persönliches Geburtserlebnis zu sprechen und mögliche Belastungen zu thematisieren. Problematisch für die Frauen können zum Beispiel eine fehlende Betreuung im Kreißsaal, ein ungeplanter Kaiserschnitt oder das diffuse Gefühl sein, bei der Entscheidung für medizinische Eingriffe übergangen worden zu sein. Auch falsche Erwartungen an die Geburt als schönes, sanftes Erlebnis spielen eine Rolle. Denn eine Geburt ist in den seltensten Fällen sanft. Im Gegenteil: Sie ist mit Schmerzen verbunden und oftmals eine existenzielle Erfahrung. Viele Frauen, so die Erfahrung, verlieren immer mehr das Zutrauen in die Kraft ihres eigenen Körpers, eine Geburt durchzustehen. Hier ist vor allem Aufklärung notwendig.

Manche Frauen leiden noch Jahre später unter den Folgen

Das Hilfetelefon ist deshalb nicht nur für Frauen gedacht, die gerade geboren haben. Auch Jahre später kann ein negatives Geburtserlebnis die psychische Gesundheit einer Frau beeinflussen. „Eine schwierige Geburt kann die Familie sehr belasten“, weiß Paula Diederichs, Leiterin der SchreiBabyAmbulanz Berlin-Mitte. Sie ist Mit-Initiatorin des Hilfetelefons und leitet das WIKK Institut, das Weiterbildungen zur Krisenbegleiterin für Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit anbietet. Oft ist die Mutter-Kind-Bindung gestört, in schlimmen Fällen führt eine schwierige Geburt zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Aber auch in weniger dramatischen Fällen, wenn zum Beispiel die Erinnerung an die Geburt mit gemischten Gefühlen einhergeht und man diese aufarbeiten möchte, kann ein Gespräch helfen.

Hilfetelefon „Schwierige Geburt“ als erste Anlaufstelle für die Beratung

Paula Diederichs leitet das WIKK Institut, das Weiterbildungen zur Krisenbegleiterin für Schwangerschaft, Geburt und frühe Kindheit anbietet. Sie ist Mit-Initiatorin des Projektes. (Foto: privat)

Das Hilfetelefon nach schwieriger Geburt sieht sich dabei als erste Anlaufstelle für betroffene Mütter. Diese haben die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen, anonym und mit einer Fachperson zu sprechen. Die Beraterinnen sind ausgebildete Therapeutinnen oder Sexualpädagoginnen und erfahren im Umgang mit schwierigen Geburtserlebnissen. Im Vordergrund der Beratungen steht dabei immer, wie sich die Frauen fühlen. Die Beraterinnen hören zu, ohne zu werten und helfen den Anruferinnen dabei, die Empfindungen über das Erlebte zu benennen und einzuordnen. Das Beratungsgespräch soll den Weg zu einer glücklicheren und stabileren Bindung zwischen Mutter und Kind und eventuell auch dem oder der Partner*in ebnen. Falls weiterer Therapiebedarf besteht, können die Beraterinnen mit Tipps zur Seite stehen.

Die Hotline des Hilfetelefons bei schwieriger Geburt ist mittwochs von 12 bis 14 Uhr und
donnerstags von 19 bis 21 Uhr unter der Rufnummer 02 28 92 95 99 70 erreichbar. Es gelten die üblichen Gebühren aus dem deutschen Festnetz.

Mehr Informationen gibt es hier: https://hilfetelefon-schwierige-geburt.de/

 

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