Das Berliner Café kostet pro Minute Aufenthaltszeit fünf Cent.

von Florian Roithmeier

Das Café be’kech in Berlin, wie ein zweites Zuhause. Foto: be’kech

Seit gut einem halben Jahr betreiben Nina Martin und Louna Sbou in Berlin-Wedding das Café be’kech. Ihre außergewöhnliche Geschäftsidee: Alle Speisen und Getränke sind kostenlos, der Gast bezahlt die Aufenthaltszeit. Eine Minute kostet fünf Cent, eine Stunde drei Euro, ein Tag maximal 15 Euro. Das Konzept nennt sich „Anti-Café“, das bedeutet: be’kech will mehr Ort des Austauschs und Kennenlernens als klassisches Café sein.

Auf den ersten Blick scheint in dem neuen Berliner Café alles ganz normal: Es gibt Speisen, Getränke und Menschen mit Laptops auf den Tischen, die nebenbei arbeiten. Das Besondere ist der Bezahlungsmodus. Betritt man das Café betritt, wird die Ankunftszeit aufgeschrieben. Sobald man geht, wird nach der Aufenthaltszeit abgerechnet. Getränke, alle Mahlzeiten und freies WLAN sind inklusive.

Das Café be’kech von außen. Foto: be’kech

Die Idee des „Anti-Café“ kommt ursprünglich aus Russland

Meeting-Raum im Keller des Cafés

Das Konzept haben die Betreiberinnen Nina und Louna aus dem Ausland übernommen. Sogenannte Anti-Cafés, die sich aus der Anti-Konsum-Bewegung heraus entwickelten, gibt es seit 2011 in Moskau. Später entstanden weitere in der Ukraine und in London. Die Idee dahinter: einen Ort des Austauschs, Kennenlernens, eine Art „Coworking Space“ schaffen. Deshalb gibt es im Keller des be’kech Räume für Teammeetings, Skype-Konferenzen oder einfach nur zum Entspannen. Regelmäßig finden Lesungen und Konzerte statt. Das be’kech will zum Verweilen einladen.

 

Man kann auch eigenes Essen ins be’kech mitbringen

Foto: be’kech

Eine Speisekarte gibt es nicht. Nina und Louna bereiten täglich frische Speisen mit regionalen Zutaten zu. Mal lokal, mal exotisch. Die Vielfalt zeigt sich auch im Namen: be’kech setzt sich zusammen aus den Geburtsorten der beiden Gründerinnen, Berlin und Marrekesch. Zum Frühstück gibt es Buffet mit Brot, Müsli, Marmelade und Obst, mittags und nachmittags Snacks oder Süßes. Wer eigenes Essen mitbringen will, darf das gerne tun.

Und wenn das jemand ausnutzt?

Ein Café, in dem sich die Gäste gerne länger aufhalten. Foto: be’kech

Gewitzte Menschen könnten auf die Idee kommen, schnell mal in fünf Minuten einen Kaffee zu trinken und dafür nur 25 Cent zu bezahlen. Das ist den Betreiberinnen bewusst, stört sie aber nicht weiter. Reich in finanzieller Hinsicht werden Nina Martin und Louna Sbou davon nicht. Louna ist selbst Unternehmensberaterin und hat vor der Gründung das Finanzkonzept erstellt. Es laufe alles nach Plan, sagt sie. Die Gäste, die Coworker*innen und auch die Betreiberinnen sind zufrieden!

 

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Fazit: Das Café be’kech, in dem man nach Zeit bezahlt, hat Zukunftspotenzial. Es kann einen Beitrag zur Entschleunigung und für ein besseres Miteinander leisten – selbst, wenn sich der ganz große Gewinn damit nicht machen lässt. Da kommt der Verdacht auf, dass wahrer Reichtum vielleicht ganz woanders liegt…

 

Das Café be’kech findest du hier in der Exerzierstraße 14 in Wedding in 13357 Berlin, Telefon: 030 84432633. Außerdem unter www.bekech.com und www.facebook.com/bekech.berlin.

 

Dr. Birgit Weichmann hat uns auf dieses besondere Café aufmerksam gemacht. Herzlichen Dank dafür!

 

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