Mit der Kunstaktion "Paint the Pain" will Sea-Eye wachrütteln und aufzeigen, dass das Sterben im Mittelmeer real ist

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von Isolde Hilt

 

„Sie werden sich sicher fragen: Was machen die da? Was sollen die Kreidemännchen auf der Straße?“ Mit einem Info-Flyer hat die private Lebensrettungs-NGO Sea-Eye die Öffentlichkeit in Regensburg im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, was sie mit ihrer Kunstaktion „Paint the Pain“ („Male/Stelle das Leid dar.“) bewirken möchte: „Wir wollen wachrütteln und zeigen, dass das Sterben im Mittelmeer real ist. Es findet hier und heute statt, auch wenn wir es nicht sehen“, erklärt Michael Buschheuer.

Im Herbst 2015 hatte der Regensburger Unternehmer mit seiner Familie und mit Freund*innen Sea-Eye gegründet, um Menschen, die aufgrund von Krieg, Gewalt, Folter und Verfolgung aus ihrem Land fliehen müssen, vor der Küste Afrikas vor dem Ertrinken zu retten. In den letzten beiden Jahren konnte der Seenotrettungsverein mit seinen beiden Schiffen 13.284 Menschen vor dem Tod bewahren, für rund 8.000 Menschen kam jede Hilfe zu spät. Michael Buschheuer erläutert die Idee, die hinter „Paint the Pain“ steht: „Wir wollen mit dieser Aktion die unglaublichen Zahlen sichtbar machen: 13.284 Kreidesilhouetten, die für die Überlebenden gezeichnet werden, ergeben eine Menschenkette von 22 Kilometern. 8.000 rote Male zeigen die Menschen, die ertrunken sind.“

Sorgfältige Vorbereitungen für „Paint the Pain“

Michael Buschheuser, Gründer von Sea-Eye, bei der Einweisung

Erfuhr Sea-Eye im ersten Jahr nach seiner Gründung bundesweit noch viel Wohlwollen und Zustimmung, erlebt der Verein inzwischen auch viel Gegenwind. Das zeigen die sorgfältig getroffenen Vorbereitungen zu „Paint the Pain“: Zehn Teams, bestehend aus ca. zehn Leuten, teilen sich 22 Kilometer auf, um die Kreidemännchen anzubringen. Die Aufgaben in der Gruppe sind klar zugeordnet, darunter solche wie Schablonen halten und malen. Deeskalieren ist eine weitere wichtige Aufgabe, für die geeignete Leute notwendig sind. Alle Beteiligten an dieser Aktion tragen einen weißen Anzug und eine gelbe Warnweste. Eine Schulung vorab gibt klare Sicherheitsregeln vor wie zum Beispiel diese: „Alle Teams verhalten sich ruhig und nehmen möglichst wenig Kontakt zum Umfeld auf.“

 

Auf insgesamt 22 Kilometern in der Innenstadt von Regensburg soll der Menschen gedacht werden, die gerettet werden konnten, aber auch derer, für die jede Hilfe zu spät kam. Illustration: Sea-Eye

Es gehe nicht um Demonstrieren, so die Organisatoren, sondern um die Symbolik des fertigen Bildes. „Wir möchten eine gedankliche Brücke schaffen zu den Stolpersteinen, die wir als Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus kennen. Wir sind keine Querulanten, sondern Menschen mit humanistischem Anspruch.“

Menschen mit dieser Aktion aus der Zahlen-Distanz in unser Bewusstsein zurückzubringen, sie wieder sichtbar sowie gleichzeitig begreifbar zu machen, welch unendliches Leid und welche Tragödien sich täglich vor Afrikas Küsten abspielen, ist das Anliegen von Sea-Eye. „Wir dürfen nicht wegsehen.“

 

Wir unterstützen „Paint the Pain“ von Sea-Eye

Katrin

Ich mache bei dieser Aktion mit, weil ich großartig finde, was Sea-Eye macht. Während die Politik die Menschen im Mittelmeer ertrinken lässt, versucht Sea-Eye, so viele Leute wie möglich zu retten. Ich finde außerdem die Idee großartig, einmal in Regensburg deutlich zu machen, wie viele Menschen ihr Leben auf dem Mittelmeer riskieren und wie viele von ihnen durch private Initiativen gerettet werden können, wieviele eben aber auch nicht.

 

 

Vreni

Ich bin hier, weil es nicht sein kann, dass immer noch Menschen im Mittelmeer ertrinken.

 

 

 

 

 

Philipp

Ich bin hier, weil viel mehr Leute jetzt kapieren müssen, dass jedes Jahr so viele Flüchtlinge im Meer ertrinken und kein Flüchtling freiwillig seine Heimat verlässt.

 

 

 

 

 

Christian

Ich habe die Situation schon öfter selber miterlebt und habe es mit eigenen Augen gesehen: Das Sterben auf dem Mittelmeer muss beendet werden!

 

 

 

 

 

Zu Sea-Eye:

Der Verein zählt rund 310 Mitglieder und über 1.000 Freiwillige aus ganz Deutschland. Alle, die sich hier engagieren, wollen nicht zusehen, wie vor den Toren Europas Menschen ertrinken, weil es zu wenig staatliche Seenotrettung gibt. Sea-Eye ist gemeinnützig und politisch unabhängig. Die Organisation finanziert sich ausschließlich durch Spenden und funktioniert nur mit Hilfe des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

 

Weitere Infos unter: www.sea-eye.org

Spenden:

Volksbank Regensburg

IBAN:     DE60 7509 0000 0000 0798 98

BIC.         GENODEF1R01

 

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„Wir können doch nicht zusehen, wie so viele Menschen ertrinken.“

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