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Wenn man einen geliebten Menschen verliert, ist nichts mehr so, wie es war. Der Schmerz – kaum auszuhalten. Zumindest in der ersten Zeit. Christine Deger hat all dem in dem Kalender „Lichtblicke 2020“ Platz gegeben.

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Interview: Isolde Hilt

„Der erste Schritt war, mein totes Kind anzuschauen. Trotz Tränen und Verzweiflung. Es wahrzunehmen und zu spüren, was von ihm bleibt …“ Wer dem Tod so nahe gekommen ist, spürt, was es bedeutet zu leben. Christine Deger wird nie mehr der Mensch sein, der sie vor diesem Verlust war. Doch sie fand ins Leben zurück, immer wieder neu. Und die Momente, in denen sie dankbar für das Leben, ihr Leben ist, nehmen zu. „Mein Herz – ich verliere mich in der Weite der Landschaft. Mein Herz schlägt und mit einem Mal gibt es einen Blick frei – auf ein Herz inmitten der Landschaft. Ich fühle meinen kraftvollen Herzschlag, das erste Mal seit langer Zeit.“

Ihr Herz hat die mutige Frau auch in die Hand genommen, als sie sich entschied, einen Kalender zu gestalten, der Trauernde durch das Jahr begleiten soll. Man gibt viel preis von sich. „Lichtblicke 2020“ führt mit einfühlsamen Texten und wundervollen Aufnahmen von Sylvia Knittel durch das Jahr.

 

Wie kamst du auf die Idee zu „Lichtblicke 2020“?

In der Anfangszeit meiner Trauer habe ich viele Texte geschrieben. Das half mir, mich zu sortieren und durch den Alltag zu kommen. Diese Texte sind mir bei einer Aufräum-Aktion in die Hände gefallen und ich fand sie schön. Die Lichtblicke und Hoffnungsschimmer, die mich auf meinem Trauerweg begleitet haben, waren deutlich zu sehen und zu spüren, auch nach 17 Jahren noch. Und da kam ich auf die Idee, dass diese Texte für andere Menschen in ihrer Trauerphase ebenfalls Lichtblicke sein könnten. Ich erinnerte mich wieder, dass ich damals nichts gefunden habe, das meine Trauer gewürdigt und mir gleichzeitig Hoffnung gegeben hätte.

Was beinhalten die „Lichtblicke“?

Der Begleiter enthält zwölf Photographien und zwölf Texte zu unterschiedlichen Themen, die mich in der Trauerzeit beschäftigt haben. Jeder Monat ist einem Thema gewidmet, mit passendem Foto und einem Textstückchen dazu. Darunter finden sich auch persönliche Begegnungen und Erlebnisse, die mich immer einen Schritt weitergebracht haben.

Ist Trauer nicht sehr individuell?

Ja, das ist Trauer – sehr individuell und irrational. Unvorhersehbar, wirr, laut, schmerzhaft und manchmal auch ganz klar und leise. Und gerade das bringt dann unsere Talente zum Vorschein. Wir entwickeln in der Trauer die Fähigkeit, mit dieser völligen Chaos-Situation umzugehen. Uns jeden Tag aufs Neue dem zu stellen, was wir nicht vorhersehen können. Das macht jede und jeder in seinem Tempo und mit den Ressourcen, die einem zur Verfügung stehen oder die man für sich auf dem Weg entdeckt.

Ist man in seinem Schmerz von außen überhaupt erreichbar?

Ich denke schon. In der Anfangszeit ist es eher so, dass viele Menschen sich nicht trauen, den Kontakt zu einem aufzunehmen. Zum einen, weil Sie die Privatsphäre des trauernden Menschen respektieren und zum anderen, weil sie dann selbst mit dem Thema Tod konfrontiert sind. Das ist nicht angenehm, sondern macht eher Angst oder überfordert einen.

Die Begegnung mit einer Mutter war für mich so eine Situation, in der ich das begriff. Deshalb liegt mir dieser Begleiter ja so am Herzen. Du brauchst in der Trauer einen Platz, wo du deine Gedanken schweifen lassen, dem Schmerz den Raum geben kannst und die Zeit für Tränen hast. Dabei kann der Kalender als ein Teil unterstützen und dich begleiten.

Gibt es Trost, der hilft, wenn man einen über alles geliebten Menschen verloren hat?

Ja und nein. Es gibt Tage, an denen du Trost erfährst durch Menschen, die einfach da sind. Durch Gesten, Blumen, Bilder oder Musik, eine Umarmung, ein gutes Essen, zu dem du eingeladen wirst. All das kann Trost sein. Es gibt aber auch Tage, da fühlst du dich mit deinem Schmerz und deiner Traurigkeit nur alleine. Das wechselt. Das ist nicht vorhersehbar. Was hilft, lässt sich nicht in eine Liste oder in zwölf Kalenderblätter packen. Das kann immer nur ein kleiner Teil des Prozesses sein. Der kleine Teil, der vielleicht im richtigen Moment der richtige Text oder ein passendes Bild für dich ist. Der gibt dir Licht oder Hoffnung und verändert deinen Tag.

Was möchtest du gerne mit „Lichtblicke 2020“ bewirken?

Ich möchte zeigen, dass die Lichtblicke überwiegen, dass es Trost, Hoffnung und freundliche, liebevolle Begleitung gibt. Und ich möchte zeigen, dass Trauer sein darf, wie sie ist. Dass es kein „Richtig“ und kein „Falsch“ gibt. Es gibt nur deinen eigenen Weg und das, was du tust, ist in jedem Fall in Ordnung und richtig für dich. Ich möchte, dass trauernde Menschen eine liebevolle Begleitung durch das Jahr haben. Jeden Monat ein Bild, an dem sie Freude haben; einen Text, der sie nachdenken lässt und von dem sie sich inspirieren lassen können. Und auch Gefühle wie Wut, Schuld oder tiefe Traurigkeit haben dabei ihren Platz und einen Sinn für jeden von uns.

Du hattest bei der Erstellung des Kalenders mit Sylvia Knittel großartige Unterstützung. Die Zusammenarbeit bei einem solchen Projekt, bei dem es um Tiefe und Essentielles geht, ist sicher noch einmal eine andere als bei anderen Projekten …

Ja, das ist es. Sylvia, eine langjährige, sehr gute Freundin, fotografiert seit einigen Jahren auf ganz wunderbare Weise Landschaften und die Natur. Sie schreibt über ihre Foto-Ausflüge, Reisen und ihren Garten auf ihrem Blog. Sie war von meiner Idee sehr begeistert und hat mir einige ihrer schönsten Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

Für mich bestand die Herausforderung darin, meine Idee mit jemandem teilen zu müssen. Für mich war es sehr ermutigend, dass dies bei „Lichtblicke 2020“ gelungen ist.

Was möchtest du Menschen mit auf den Weg geben, die gerade einen lieben Menschen verloren haben. Ist da Hoffnung?

Ja. Für mich gab es einen besonderen Moment, den für mich das Bild des Monats August – das Herz – symbolisiert. Der Moment, in dem der eigene Herzschlag, der Puls des Lebens, wieder richtig spürbar war, gab mir große Zuversicht. Ich wünsche mir, dass Trauernde ihren eigenen Moment in einem der Bilder oder Texte entdecken und so Licht, Liebe, Hoffnung oder Zuversicht erfahren. Wenn es mehrere sind, umso besser.

Soll es den Kalender regelmäßig geben?

Ja. Ich habe vor, jedes Jahr einen Begleiter zu erstellen und weitere „Lichtblicke“ in die Welt zu bringen.

Noch etwas, das dir wichtig ist?

Tod und Trauer sind immer noch große Tabu-Themen. Dabei war für mich der Trauerweg, nach dem Tod meines Sohnes, eine große und sehr intensive Lerneinheit. Ich habe dadurch mehr gelernt als in jeder Fortbildung oder in einem Studium – vor allem mehr über Menschen und wie wir als Menschen die Welt gestalten. Das ist keine bequeme Art des Lernens und betrifft tiefgreifend die eigene Entwicklung. Dafür ist diese Art des Lernens einzigartig, sehr liebevoll und menschlich. Meine Erkenntnisse sind heute tief verankert. Mein Leben hat eine andere Tiefe erhalten. Ich habe Seiten an mir entdeckt, die sonst vermutlich verborgen geblieben wären. Ich bin sehr viel mutiger geworden und klarer in meinem Tun und Lassen.

 

Die Gestalterinnen der „Lichtblicke 2020“

 

Christine Deger (rechts) und Sylvia Knittel

Christine Deger

Ich war ganz normal – eine Mutter, Partnerin und berufstätige Frau. Habe Familie und Beruf gemanagt, mich mit Freund*innen getroffen, mich sozial engagiert. Bis mein Sohn im Jahr 2002 starb. Meine Welt geriet völlig aus den Angeln. Alles, was ich bis dahin erlebt hatte, wurde zu einem großen Fragezeichen und auf viele dieser Fragen gab es keine Antwort.

Einige Jahre später wurde ich wieder mit dem Thema „Tod“ konfrontiert, als zwei weitere enge Familienmitglieder verstarben. Jedes Mal eine andere Art von Tod, aber immer wieder unbeantwortete Fragen. Meine Suche nach Antworten begann und ich fing an, Dinge aufzuschreiben. Unter anderem entstand der Begleiter „Lichtblicke 2020“.

Mein Weltbild hat sich sehr verändert. Ich bin heute gelassener und vertraue mir selbst mehr. Ich habe viel über mich selbst und das Leben gelernt. Vor allem, das Leben wieder zu lieben, auch wenn es manchmal schwer war.

Beruflich bin ich seit 20 Jahren in der IT unterwegs und seit 3 Jahren selbstständig als Beraterin für Cyber Security.

 

Sylvia Knittel

Die Natur fasziniert mich schon seit meiner Kindheit. Was sie mir an den unerwartetsten Stellen vor Augen, Ohren und Nase zaubert, darüber kann ich jeden Tag auf’s Neue staunen. Zur Freude an der Natur kommt die vor wenigen Jahren wieder entdeckte Lust am Fotografieren. Das Herumstreifen draußen ist für mich das Lebenselixir, hier bin ich glücklich. Und das teile ich via Fotografie gerne mit anderen Menschen. Im Hauptberuf arbeite ich seit über 25 Jahren in der Unternehmenskommunikation, was mich auch kreativ fordert und mich stetig voran bringt.

(www.sylviaknittel.de)

 

Ein einzigartiges Geschenk für dich!

good news for you hat zwei mal den Kalender „Lichtblicke 2020“ als Geschenk erhalten – für Menschen, denen er Begleitung und Trost sein will (ein herzliches Danke an Christine Deger!).

Die Gewinner*innen wurden von uns per E-Mail benachrichtigt.

 

Hier kann der Kalender „Lichtblicke 2020“ (DIN A4) bestellt werden:

online unter: www.christinedeger.de

oder eine Bestellung per Mail senden an: mail mail@christinedeger.de

Preis: 23,80 Euro inkl. MwSt. und inklusive Versand innerhalb Deutschlands

 

 

 

 

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