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In ihrem jüngsten Buch portraitiert Autorin Christine Hochreiter Manufakturen in Niederbayern. Ein kleines Juwel, das in Welten entführt, von denen es gern mehr geben darf.

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von Isolde Hilt

Michael Fischer machte „eines der schönsten und ursprünglichsten Handwerke“ zu seinem Beruf und wurde Messermacher. Im ersten Messer mit eigener Handschrift, mit dem er zufrieden war, ist die „No 1“ eingraviert. Das Holz stammt von einem Zwetschgenbaum aus dem eigenen Garten.

Die Sehnsucht nach Dingen, die Bestand haben, auf die man sich verlassen kann, wächst spürbar. Ebenso die Begeisterung für Produkte, die mit Liebe hergestellt sind. Das erfuhr Christine Hochreiter während ihrer Recherche für ihr jüngstes Buch „Manufakturen in Niederbayern. Von der Liebe zu handgemachten Dingen“, bei der sie eine Art Kettenreaktion auslöste – so nach dem Motto: „Kennen Sie das auch schon?“ Und die kleinen Betriebe selbst müssen bei Bestellungen oft vertrösten und Kund*innen aus aller Welt auf längere Wartezeiten einstellen. Wie zum Beispiel die Waidler-Pfannen aus Waldkirchen, die – kaum stehen sie im Online-Shop – auch schon wieder ausverkauft sind. 40 Manufakturen in Niederbayern stehen für eine Welt, in der sorgsam mit Ressourcen umgegangen wird, in der Qualität und die Freude am Geschaffenen zählen.

Handgerollte Zigarren aus dem Bayerwald, Marmeladen wie Holunder- und Rosenblütengelee aus der „Obstschüssel des Bayerischen Waldes“, manuell gefertigte Tischdecken, Teppiche und Vorhänge aus dem Passauer Land, individuelle Schmuckkreationen aus Parkstetten, in der zum Beispiel das Erbstück der Großmama in modernem Gewand weiterlebt … Am liebsten möchte man gleich losfahren und die vielen schönen Dinge vor Ort sehen, riechen, fühlen, schmecken und hören. Doch es sind nicht nur die Produkte selbst, die Lust auf ein persönliches Kennenlernen machen, sondern die Menschen dahinter. Zwischen den Zeilen machen sie Mut, einfach doch das, was man selbst immer schon von Herzen gern tun wollte, anzugehen. Christine Hochreiter, die ihr Niederbayern eigentlich recht gut kennt, war selbst überrascht, welch neue Welten sich für sie aufgetan haben …

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Wie kamst du auf die Idee, ein Buch über Manufakturen zu schreiben? Gab es dazu einen bestimmten Auslöser, ein bestimmtes Erlebnis?

Im Zuge der Pandemie wurde es mir immer wichtiger, lokale beziehungsweise regionale Anbieter zu unterstützen. Irgendwie – ich weiß nicht mehr genau, wodurch – bin ich in Kontakt mit den Produkten von Eva Sterl gekommen, die in Bad Griesbach Nudeln in so vielen Formen und Geschmacksvarianten produziert und nur so vor Ideen sprudelt. Ich habe mir immer wieder ihre Produkte bestellt und war begeistert.

Ich dachte mir, warum soll ich im Supermarkt Teigwaren von der Großindustrie kaufen, wenn es auch klein und fein und so viel kreativer geht? Und ich Pasta und Pesto noch dazu direkt per Paket an die Haustür geliefert bekomme! Irgendwann bekam ich Appetit auf mehr und wollte noch mehr Spezialistinnen und Spezialisten für Handgemachtes suchen und finden.

Wie würdest du eine Manufaktur definieren? Was zeichnet so ein Unternehmen besonders aus?

Der Verband Deutsche Manufakturen e. V. hat dazu für seine Mitglieder eine präzise Definition entwickelt. Danach stehen diese Manufakturen für weltweit anerkannte, geschätzte und begehrte Spitzenprodukte, die überwiegend in Handarbeit hergestellt werden. Ich habe den Begriff weiter gefasst. Mir ging es im Kern um Handwerk, Handarbeit, besondere Menschen-Geschichten und darum, dass man die Entstehung eines Produkts von Anfang an, eventuell auch vor Ort, nachvollziehen kann.

Vintage-Möbel liegen im Trend: „Jeder Stuhl ist anders. Meine Mission ist es, durch das Restaurieren die verlorengegangene Formensprache zu reaktivieren, das Beste herauszuholen“, so Raumausstatterin und Restauratorin Roswitha Klugbauer.

Bei Manufakturen sind meist nicht nur die Produkte, die da gefertigt werden, interessant, sondern insbesondere die Menschen, die dahinterstecken. Was eint sie und macht sie besonders?

Ich habe bei der Recherche für dieses Buch so viele interessante Leute kennengelernt. Was mich besonders fasziniert hat? Dass nicht wenige ihre Leidenschaft, ihr Hobby, ihre Passion mutig zu ihrem Beruf gemacht haben und dass gelebte Liebe zu den Produkten ein Erfolgsrezept zu sein scheint.

Gibt es eine Manufaktur, deren Produkte tatsächlich so einzigartig sind, dass man sie nur in Niederbayern und sonst nirgendwo (oder kaum) findet?

Unikate sind das alles. Eine besondere Spezialität dürften aber beispielsweise veredelte Butter-Kreationen und handgerollte Zigarren aus dem Bayerwald sein.

Wie viele Manufakturen hast du aufgetan? Wie bist du auf sie alle gestoßen?

Ich porträtiere rund 40 Manufakturen. Ich habe sie durch Tipps von Freunden und Bekannten und eine Kettenreaktion gefunden. Nach dem Motto: Kennen Sie den?

Erleben Manufakturen einen besonderen Zuspruch?

Ich glaube, ja. Viele haben mir von einer Renaissance des Regionalen berichtet und erzählt, dass die Menschen wieder mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Und viele wollen außerdem ganz gerne wissen, wo und im besten Fall auch von wem etwas hergestellt wird.

Vom Elektroniker zum Naturseifenkoch: Michael Wühr erfindet ständig neue Seifen-Sorten, darunter auch mit Gin, Blutwurz, Äpfeln oder Kaffee.

Welche Geschichte hat dich besonders fasziniert?

Die Geschichte vom „Messermacher“ Michael Fischer. Der Niederbayer wollte eigentlich einmal das Familienunternehmen – die vom Großvater gegründete Konservenfabrik für Saures – übernehmen. Doch nach einem langen und intensiven inneren Prozess des Loslassens hat er sich mit seiner Leidenschaft selbstständig gemacht und gab dafür die Position des Werkleiters auf. Schon als kleiner Bub hatten es ihm Messer angetan und so wurde er Messermacher …

Du bist – vermute ich – eine ausgewiesene Niederbayern-Kennerin. Hast du trotzdem irgendetwas neu entdeckt?

Mit bekannten Ausnahmen wie etwa der renommierten Freiherr von Poschinger Glasmanufaktur und Manufakturen im Raum Passau war für mich fast alles neu!

Noch etwas, das dir wichtig ist, dir am Herzen liegt …?

Ich möchte allen, mit denen ich im Rahmen dieses Herzensprojekts gesprochen habe, für die Einblicke, die sie mir in ihr Sein und Tun gegeben haben, danken. Und ihnen wünschen, dass sie ihren Weg beherzt weitergehen und das Echo bekommen, das sie verdient haben.

 

 

Manufakturen in Niederbayern – ein Resümee

„Tu, was du liebst.“ Das scheint das Geheimnis jeder erfolgreichen Manufaktur zu sein. So hat das jedenfalls Sandra Unholzer erfahren, die ihren Beruf als Bankerin hinter sich ließ, um Dirndl-Designerin zu werden. Sie ließ sich nicht verunsichern, als sich der Ableger einer großen Trachtenmoden-Kette direkt neben ihr in Passau einmietete. Hier schlug Qualität Quantität sprichwörtlich in die Flucht. Was mit Liebe gefertigt ist, hält ewig.

Das Buch „Manufakturen in Niederbayern. Von der Liebe zu handgemachten Dingen“ ist im SüdOst Verlag in der Battenberg Gietl Verlag GmbH erschienen.

 

Zur Autorin:

Christine Hochreiter ist gebürtige Passauerin und leitete viele Jahre das Wirtschaftsressort der Regensburger Tageszeitung. Heute lebt sie wieder in Niederbayern und hat ein Faible für Handgemachtes.

 

 

 

 

 

 

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