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Mit dem "Project Justine" schafft das Unternehmen zugleich Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Frauen in Benin/Westafrika.

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Interview: Isolde Hilt

Mitbegründerin von NOH NEE: Rahmée Wetterich

Hinter jeder Unternehmensgründung steckt eine ungewöhnliche Idee, die es so bis dahin noch nicht gab. Bei NOH NEE sind es leuchtende Farben, kunstvolle Muster und Stickereien auf afrikanischen Stoffen, die – kombiniert mit traditionellen bayerischen Dirndl-Schnitten – das Dirndl à l’Africaine ergeben. Jedes Stück ist ein Unikat. Selbst Frauen, die mit einem Dirndl nie etwas anfangen konnten, werden schwach. Doch nicht nur das ist bemerkenswert: NOH NEE mit Sitz in München hat ein Ausbildungszentrum in Benin in Westafrika aufgebaut, in dem sich Frauen dank eines fairen Lohns selbst ernähren können.

Rahmée Wetterich, erfolgreiche Designerin, lebt bereits in der dritten Generation in Bayern. Ihre Familie stammt ursprünglich aus Kamerun. Hier erzählt sie, wie dieses „Geschenk Gottes“ („NOH NEE“ auf deutsch übersetzt) Wirklichkeit wurde.

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Bayern und Afrika passen gut zusammen, spätestens, seit es NOH NEE gibt. Wie kam es zu Ihrem Unternehmen?

Meine Schwester Marie Darouiche ist Schneiderin. Sie hat immer schon gerne mit afrikanischen Stoffen gearbeitet und experimentiert. Durch die beiden kulturellen Einflüsse – Kamerun und Bayern – kam Marie irgendwann auf die Idee, bayerische Tracht mit afrikanischen Stoffen zu verbinden. Bei Noh Nee ziehen sich Gegensätze buchstäblich an.

Als ich das erste afrikanische Dirndl sah, wusste ich zunächst nicht, dass meine Schwester Marie das angefertigt hatte. Mir kam da zum ersten Mal der Gedanke, dass ja auch ich so etwas tragen könnte! Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie ein Dirndl getragen und ich hatte nach 35 Jahren in Bayern eigentlich auch nicht vor, jemals eines zu besitzen. Ich war jedoch begeistert und meine Familie und meine Freunde waren es auch. Das hat letztendlich dazu geführt, dass ich miteingestiegen bin. Meine Schwester und ich ergänzen uns perfekt!

NOH NEE heißt übersetzt „Geschenk Gottes“. Was verstehen Sie in diesem Fall als Gottes Geschenk?

Die erste wichtige Entscheidung war, einen geeigneten Namen zu finden und ein Label zu entwickeln, unter dem wir die afrikanischen Dirndl verkaufen konnten. Gerade für Marie war es wichtig, dass dieser Name auch eine Bedeutung hat. Unsere wunderbaren Kunden sind unser wahres Geschenk!

Bayerisch-afrikanisches Dirndl von NOH NEE

Wie sind Sie auf Dirndl gekommen? Würden diese farbenprächtigen Stoffe nicht auch für eine andere Art von Kleidung passen?

Es ist ja gerade die Kontinent-verbindende Idee, die mich und Marie antreibt. Wir wollen dabei der bayerischen Kultur ihren Stellenwert lassen. Die Dirndl sind weitgehend Original-Schnitte. Dass diese farbenprächtigen Stoffe auch für andere Kleidungsstücke passen, haben wir inzwischen ebenfalls getestet: Tuniken, Hosen, Jacken, Blazer … Das Angebot wächst! Gerade arbeiten wir an einer Winter-Capsule Kollektion (Anmerkung: eine einmalig produzierte und limitierte Mini-Kollektion).

Wie werden Ihre Stoffe gefertigt und gefärbt?

Färben und Fertigung passieren an verschiedenen Standorten in Afrika. In Ghana haben wir die Batiken entdeckt, diese Stoffe werden handgefärbt. Jedes Jahr reisen wir nach Afrika, um neue interessante Stoffe zu finden und verarbeiten diese in unseren Entwürfen. Ein Teil unserer Original Wax Print-Stoffe kommt noch aus Holland.

Sie haben mit einem Dirndlschnitt aus den 50er Jahren begonnen…

Ja, Marie hat ihn entdeckt. Inzwischen sind diverse Schnitte gefolgt. NOH NEE steht für einen kreativen, spannender Austausch der Weltkulturen. Dieser Austausch wird in Zukunft eine große Rolle spielen: Menschen lernen sich neu kennen, kreieren Neues und sehen ihre Traditionen in einem neuen Licht!

NOH NEE steht für einen kreativen, spannender Austausch der Weltkulturen.

Was hält man in Afrika vom Dirndl? So ein Dirndl kann ja schon sexy sein…

Justine, das erste ausgebildete Mädchen unseres Vereins „The Project Justine“, trägt ihr selbstgenähtes Dirndl ganz stolz in Benin☺ Die Begeisterung dort ist groß. Ein Dirndl ist allerdings aufwändig in der Herstellung. Deswegen ist es eher eine Kostenfrage, wenn die Kleider bisher nur bewundert werden. Wir hören aber mehr und mehr, gerade aus dem afrikanischen Sektor, dass die Begeisterung groß ist.

Was steckt hinter dem Projekt „Justine“?

Justine hat in München bei NOH NEE eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht. Jetzt bildet sie in Benin Frauen aus. Von ihr hat der Verein „Project Justine“ den Namen.

Die Idee zu diesem Projekt hatten wir schon lange. Sie kam uns bereits 2012, relativ kurz nach der Gründung von NOH NEE. Damals mussten wir feststellen, dass die Waxprint-Stoffe, die wir zu der Zeit hauptsächlich verwendeten, gar nicht in Afrika hergestellt wurden. Die kamen überwiegend aus den Niederlanden. Es war uns jedoch ein wichtiges Anliegen, dass Afrikanerinnen und Afrikaner nicht übergangen werden. Sie sollten an der Herstellung beteiligt sein und von unserer Idee profitieren.

Wir wollen echte, in Afrika produzierte Stoffe verwenden. Uns war und ist wichtig, eine Kooperation auf Augenhöhe einzugehen und dies durch Produktionsstätten zu ermöglichen. Das ist uns mit „The Project Justine“ gelungen.

Das Projekt soll wachsen. Man mag es vergleichen mit einem Baum, einem Baobab: Gemeinsam wird ein Baobab gepflanzt. Mit gemeinsamer Fürsorge wird dieser Baum groß und stark. Und schon heute ist dieser Baum in der Lage, Früchte zu tragen, sie abzuwerfen, um an anderen Stellen wieder eingepflanzt zu werden und neu zu wachsen. So können bald neue Früchte an ganz anderen Stellen geerntet werden.

Uns war und ist wichtig, eine Kooperation auf Augenhöhe einzugehen.

Justine ist unser Muster für die Zukunft, es ist ein Experiment. Justine wird „geklont“ und bringt Ausbildung, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit – und damit ein selbstbestimmtes Leben. Wir brauchen in unserer Welt diese Visionen und Verbindungen. Wir brauchen diese Begegnung mit gemeinsamer „Befruchtung“, gegenseitigem Lernen und Handeln.

Justine in einem bayerisch-afrikanischen Dirndl von NOH NEE

Bald ist Oktoberfest und generell Dultzeit. Bekomme ich bei Bedarf noch rechtzeitig ein Dirndl bei Ihnen?

Aber sicher! Meine Schwester Marie, die das Atelier in der Steinstraße leitet, ist mit Ihrem Team täglich vor Ort. Sie kann dadurch auch noch kurzfristig Bestellungen bzw. Anfragen vor der Wiesn umsetzen. Sowohl im Onlineshop als auch in unserem Laden in der Hans-Sachs-Straße haben wir maßgeschneiderte Dirndl verfügbar.

Funktioniert das „Dirndl“ von der Stange oder wird jedes noch individuell angepasst?

Das Dirndl von „der Stange“ funktioniert in Einzelfällen. In der Regel wird jedes Kleid individuell angepasst, so dass unser Atelier nur wirklich maßgeschneiderte Lieblingsstücke verlassen.

Haben Sie vor, Ihre Kollektionen über das Dirndl und dazugehörige Accessoires hinaus zu erweitern?

Da sind wir seit zwei Jahren fleißig dabei. Im vergangenen Jahr konnten wir bereits unsere gesamte erste Benin-Kollektion verkaufen. Das heißt: Die Kollektion NOH NEE BENIN wird in München entworfen und in Benin „The Justine Project e. V. “ genäht.

In diesem Jahr haben wir eine erste Capsule Kollektion mit 6 bis 8 Teilen für den Sommer entworfen. Das kam zur unserer Freude sehr gut an. Gerade arbeiten wir an der Winter-Kollektion – an Kleidern, Röcken, Wollmänteln und mehr. Wir sind sehr gespannt!

Haben Männer schon einmal bei Ihnen nach farbenfroher Mode nachgefragt?

Eine eigene Männerkollektion haben wir fest im Blick. Sobald mein „Ziehsohn“ Jerome sein Modedesign-Studium abgeschlossen hat und nach wie vor Lust verspürt, werden wir mit einer Herrenkollektion beginnen. Darauf freue ich mich sehr. Gerade hier in der Hans-Sachs-Straße mit dem so aufgeschlossenen Publikum bin ich schon häufig dazu aufgefordert worden. Der Bedarf und das Interesse sind auf jeden Fall groß.

Was wünschen Sie sich bis in fünf Jahren?

Dass sich NOH NEE weiterhin gut entwickelt. Dass unser Ausbildungs- und Kulturzentrum in Benin für alle Beteiligten den gewünschten Erfolg bringt. Wir bilden aus und bieten der heimischen Bevölkerung eine Begegnungsstätte. Wir können unser Projekt besuchen und in den inzwischen fertiggestellten Gästehäusern übernachten.

Ich kann öfter den Kontinent bereisen … immer auf der Suche nach neuen afrikanischen Stoff-Spezialitäten. Meine Schwester ist wenigsten sechs Monate im Jahr in Benin, um unser Projekt vor Ort zu betreuen.

Noch etwas, das Ihnen wichtig ist, das Ihnen am Herzen liegt?

Im Bildungs- und Kulturzentrum mögen sich die afrikanische und westliche Kultur auf Augenhöhe näherkommen und sich gegenseitig schätzen lernen. Und dabei ist JEDER, den es interessiert, herzlich willkommen!!

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Für Leser*innen von good news for you hat NOH NEE zwei Geschenke, die wir verlosen! Herzlichen Dank!

Und so gehts: Tragt euch bis Samstag, 22. Juli 2017, in unser good news telegram ein, Stichwort „NOH NEE“. Wer bereits eingetragen ist, klickt bitte hier. Wir wünschen euch viel GLÜCK!

Weitere Infos unter: https://www.nohnee.com/

PS: Herzlichen Dank fürs Mitmachen bei unserem Gewinnspiel! Die Gewinner wurden benachrichtigt.

 

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