20.000 Notinseln an 230 Standorten in Deutschland bieten Kindern Schutz im öffentlichen Raum

Foto: Stiftung Hänsel+Gretel

Dem einen oder anderen ist vielleicht schon einmal der Aufkleber „Notinsel. Wo wir sind, bist du sicher“ an der Tür zu einem Laden aufgefallen. Das Konzept: Kinder, die unterwegs sind, zum Beispiel von der Schule nach Hause, sollen eine sichere Anlaufstelle haben, wenn sie sich in Gefahr befinden. Das können Mobbing, Verfolgung oder Bedrohung durch Pädokriminelle sein oder auch weniger schlimme Anlässe wie nicht wissen, wie man heimkommt. Die Initiative gibt es bereits seit 15 Jahren, doch immer noch wissen zu wenig Eltern und vor allem Kinder von dieser Hilfe.

Als die 9-jährige Peggy Knobloch vor 16 Jahren vermisst wurde, war die Verunsicherung der Menschen in Deutschland sehr groß. Eltern hatten Angst, ihre Kinder alleine auf die Straße zu lassen. In dieser Zeit wurde Jerome Braun, Geschäftsführer der Stiftung Hänsel+Gretel, mehrfach als Kinderschutzexperte von Medien befragt. Die meist gestellte Frage war die nach praktischen Tipps für Eltern, wie diese ihre Kinder besser schützen können.

Aufgrund dieser Interviews entstand die Idee der Notinsel. Jerome Braun riet Eltern, mit ihren Kindern den Schulweg zu planen. Das heißt, gemeinsam mit ihnen den Schulweg, die Route zum Sport oder zu Freunden abzugehen und Zufluchtsorte festzulegen. „Wo soll sich ein Kind in Not und Gefahrensituationen hinwenden?“ Die Frage, so Jerome Braun, lag auf der Hand. Genauso die Antwort: „Als Anlaufstellen für Kinder gibt es nichts Geeigneteres als Geschäfte, an denen man vorbeiläuft.“ Schnell sei klar gewesen, dass es ein Zeichen brauche, das Kindern signalisiert, „hier findest du Schutz, hier kannst du reingehen“. Klar war auch, dass es keine Privathäuser sein können, sondern öffentliche Geschäfte, Läden, Banken und ähnliches.

Auch heute noch erleben Kinder ungemindert, dass der Schulweg zur Gefahr werden kann. „Gleichaltrige und gewaltbereite Jugendliche, Diebe, auch Pädokriminelle bedrohen Kinder“, weiß Jerome Braun. Mobbing gehöre leider immer mehr zum Alltag.

 

Seit 15 Jahren bietet die Notinsel Kindern in Angst und bei Gefahr Schutz.

Der Aufkleber der Notinsel, auf dem drei Figuren abgebildet sind, signalisiert: „Wo wir sind, bist Du sicher.“ Das Konzept hinter dem Notinsel-Projekt besteht aus drei Säulen, erklärt der Ideengeber. 1. Kindern einen Schutzraum in Not- und Gefahrensituationen geben. 2. Geschäfte und die Menschen hinter der Theke motivieren, hinzuschauen. 3. Gegenüber Tätern ein klares Zeichen setzen, dass Gewalt und Übergriffe hier keinen Platz haben.

Was 2002 in Karlsruhe mit ersten Bäckereien, Metzgereien, Friseuren und einer Plakatkampagne begann, ist inzwischen mit knapp 20.000 Notinseln an 230 Standorten das größte Projekt für Kinderschutz im öffentlichen Raum.

 

Wie lernen Kinder, sich zu schützen?

Mehr als ein Drittel der Kinder hat Angst auf dem Schulweg. Das belegt bereits eine Studie des Weißen Ringes aus dem Jahr 2003. Eine Notinsel ist allerdings nicht die erste Maßnahme, sich zu schützen. Häufig sind es einfache Dinge, die Kindern helfen, sicher durch den Alltag zu kommen.Unsere praktischen Tipps für einen sicheren Schulweg und ein besseres Sicherheitsgefühl im Alltag können nicht oft genug wiederholt werden“, betont Jerome Braun:

  • Kinder sollten am besten in Gruppen entlang eines gut geplanten Schulweges zur Schule gehen.
  • Kinder sollten immer ihrem Bauchgefühl vertrauen, ganz besonders dann, wenn ihnen mulmig und komisch zumute ist. Am besten Schutz und Hilfe suchen, nicht nur in Notinseln, sondern überall da, wo Menschen oder Geschäfte sind.
  • Kinder machen häufig mit dem Wort „Hilfe“ Quatsch. Wenn Sie laut „Feuer“ schreien, ist die Chance groß, dass Erwachsene aufhorchen.
  • In Zeiten von Handys und Navigationssystemen müssen Erwachsene Kinder nicht nach dem Weg fragen und schon gar nicht aus dem Auto heraus. Eltern sollen ihren Kindern vermitteln, dass sie jedem Erwachsenen gegenüber Grenzen setzen und „NEIN“ sagen dürfen. In einer solchen Situation einfach weitergehen oder wegrennen, ist keine Unhöflichkeit, sondern zeigt Stärke und ist der beste Selbstschutz.

Nachhaltigkeit und Ausbau der Notinsel

Die Stiftung Hänsel+Gretel setzt sich dafür ein, dass die Notinsel bundesweit an den bestehenden Standorten weiter nachhaltig umgesetzt wird und neue Partner hinzukommen. In Berlin wurde im Sommer 2017 – unter Beteiligung von Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl und Comedian Murat Topal als Botschafter des Projektes – ein erster Pilotversuch mit 17 Grundschulen gestartet. Schulen und Kinder selbst machen ihren eigenen Schulweg sicher. Die Kinder gehen in Gruppen ihr direktes Schulumfeld ab und machen Geschäfte zu Notinseln.

Berliner Pilotprojekt: Schulen und Kinder machen den Schulweg sicher. Foto: Stiftung Hänsel+Gretel

Das ist auch dringend notwendig. Viele Eltern haben schon einmal von der Notinsel gehört, kennen vielleicht auch den Aufkleber, wissen aber nicht so genau Bescheid. Kinder brauchen ein Training wie das in Berlin erprobte. Wer sich unwohl oder bedroht fühlt, dem bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Das Aufsuchen eines Notinsel-Geschäftes muss vorher in Ruhe geübt werden.

 

Weitere Projekte der Stiftung Hänsel+Gretel sind „Echt Klasse“ und „Echte Schätze“ http://haensel-gretel.de/projekte/echt-klasse, die Kinder im Umgang mit Gefahren und Angst stärken. Die Stiftung Hänsel+Gretel steht für Hilfe, Schutz und Aufmerksamkeit für Kinder in Deutschland.

Weitere Infos zu Notinsel:

www.notinsel.de

 

Spendenkonto

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN DE25 6602 0500 0000 0006 00

Link zum Notinsel-Erklärfilm:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=9&v=rhg1vn3XMEw

 

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