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Studierende unterstützen Flüchtlinge in Refugee law clinics in Rechtsfragen

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von Florian Roithmeier

 

Montagnachmittag, 16 Uhr, Hörsaal 6 der Universität Regensburg: Studierende aller Fachrichtungen sitzen zusammen; durchforsten Unterlagen und machen sich Notizen. Uni-Alltag? Nein. Die Studierenden beraten Flüchtlinge.

Menschen, die vor Krieg fliehen, haben oft unvorstellbare Strapazen hinter sich. In Deutschland angekommen, stellen sich neue Fragen: Darf meine Familie nachkommen? Wie finde ich eine Wohnung? Wo bekomme ich Sozialleistungen? Hier kommen die Refugee law clinics ins Spiel. Sie bieten Flüchtlingen kostenlose Rechtsberatung – durch Studierende. Grundlage für das Angebot ist Paragraf 6 des Rechtsdienstleistungsgesetzes: Studierende dürfen demnach Rechtsberatung anbieten, wenn sie dies kostenlos tun und ein Profi sie anleitet. In Regensburg arbeitet man deshalb, wie auch an 30 anderen law clinics in ganz Deutschland, mit Anwaltskanzleien zusammen. Diese achten darauf, dass die Beraterinnen und Berater beispielsweise keine falschen Informationen an die Ratsuchenenden weitergeben.

Hilfe für Menschen, die sie dringend brauchen

Die Idee zur Refugee law clinic hatte Professor Alexander Graser, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Politik an der Universität Regensburg: „Die gegenwärtigen Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik schienen uns eine ideale Gelegenheit, um zwei Ziele zu vereinen: Bei der Beratung von Flüchtlingen lernen die Studierenden viel von dem, was die Juristerei ausmacht, aber nicht in Büchern steht. Und sie leisten wichtige Hilfe für Menschen, die sie dringend brauchen. Eine ideale Kombination!“ Der Bedarf an Beratung ist enorm. Im Juni 2017 waren in Regensburg 130 Fälle abgeschlossen. Meistens geht es um Familiennachzug oder um Fragen aus dem sozialen Bereich wie Wohnung, Arbeit und Hilfsleistungen.

Bastian Winter, Sprecher der Refugee law clinic in Regensburg, erläutert, wie die Beratung abläuft: „Der erste Kontakt läuft fast ausschließlich über Helfer vor Ort, die das Problem des Geflohenen kennen und sich dann an uns wenden. Wir teilen den Fall einem Beratungsteam aus Studierenden und Experten zu, das das weitere Vorgehen gemeinsam mit den Betroffenen plant.“

Ähnlich lief es im Fall von Haias M. (Name geändert). Er flüchtete mit seiner Frau und seiner 14-jährigen Tochter vor dem Krieg. Die Familie kam in eine Erstaufnahmeeinrichtung in Landau an der Isar in Niederbayern. Dort sind sie Zeugen einer brutalen Auseinandersetzung geworden: Ein Bewohner der Einrichtung stach mit einem Messer auf andere ein. Die Tochter leidet noch immer an den Folgen dieser Erlebnisse. Aus Angst fuhr die Familie nach Regensburg – dort hätte sie sich zunächst allerdings – rechtlich gesehen – nicht aufhalten dürfen. Hier kam die Refugee law clinic ins Spiel: Zwei Helfer der law clinic verfassten „über Nacht“ ein Schreiben an die Behörden. Und tatsächlich: Die Familie durfte in Regensburg bleiben.

Du musst nicht Jura studieren, um helfen zu können

Etwa 200 Studierende aller Fakultäten sind für die Refugee law clinic in Regensburg aktiv. Fachkenntnisse, insbesondere juristische, sind nicht notwendig, um mitzuhelfen. Jede und jeder kann sich einbringen: betreuen von Homepage und Facebook über Flyer gestalten bis zu Pressearbeit organisieren – es gibt genug zu tun.

Wer sich für Flüchtlinge engagieren will, ist bei den Refugee law clinics an einer guten Adresse und hilft damit Menschen, denen jede reichende Hand gut tut. Das findet auch Sophie Schmidt: „Angesichts der schlechten Nachrichten, die wir jeden Tag im Zusammenhang mit Flüchtlingen ertragen müssen, hilft es, selbst anzupacken und jemandem helfen zu können. Wir können damit die Situation für Schutzsuchende in diesem Land verbessern.“

 

Interessiert?
Weitere Informationen zur Refugee law clinic in Regensburg gibt es unter www.rlc-regensburg.de, auf Facebook oder unter kontakt@rlc-regensburg.de.

 

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