Sicherheit im Netz:
Worauf du achten solltest, wenn du dich online bewegst

Hacker, Angriff, Datenklau ... Für viele ein lästiges Thema. Wer sich jedoch online bewegt, sollte Sicherheit im Netz wie den Gurt beim Autofahren begreifen, empfiehlt Ethical Hackerin Christine Deger.

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Interview: Isolde Hilt

Oft scheint uns immer noch nicht wirklich bewusst zu sein, dass digitale Sicherheit im Netz in unserem Leben eine enorm wichtige Rolle spielt. Warum sind wir nahezu sorglos, insbesondere, wenn wir im privaten Bereich agieren? Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir in der Regel allein an einem PC, Tablet, Smartphone sitzen, sich unsere Wahrnehmung mehr an physischer Präsenz orientiert und wir zunächst etwas, das nicht gleich sichtbar ist, auch nicht greifen können. Unsere digitale Identität hinterlässt jedoch meist mehr Spuren als uns klar ist.

Im öffentlichen Raum ist Datensicherheit in vielen Fällen zu einer Frage des Überlebens geworden. Das macht gerade auch der Krieg in der Ukraine schmerzhaft bewusst. Cyber-Know-how in den falschen Händen kann zu einer immensen Bedrohung werden und wirkt sich auf unser gesamtes Leben aus, indem es zum Beispiel den Zugang zu allen lebenswichtigen Ressourcen abschneidet.

Was also tun? Wichtig ist, bei sich selbst anzufangen, das Heft in die Hand zu nehmen, um die eigene Identität und wichtige Daten zu schützen. Das geht durch Wissen. Christine Deger, eine der bekanntesten Cyber Security-Fachfrauen im deutschsprachigen Raum, berät mit ihrem Know-how Unternehmen. Privatpersonen bietet sie in leicht verständlichen Online-Kursen ein solides digitales Fundament hinsichtlich Sicherheit im Netz an. In diesem Gespräch gibt die Ethical Hackern schon einmal erste wichtige Tipps.

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Zwei Jahre Corona haben so ziemlich alles auf den Kopf gestellt. Die digitale Welt, die sich vorher schon so rasant entwickelt hatte, ist noch einmal schier explodiert. „Sicherheit im Netz“ ist ein Thema, das niemand mehr außen vor lassen kann. Welche Gefahren treten inzwischen besonders oft auf?

Für Unternehmen … Die Herausforderung für Unternehmen ist der sichere Zugriff auf das Unternehmensnetz, wenn Beschäftigte im Home-Office arbeiten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen hatten hierbei Mühe, passende technische, prozessuale und organisatorische Lösungen zu finden.

Und dann, wenn die Technik eingerichtet ist, merkt man, dass sich dadurch auch der Umgang mit den Daten und deren Absicherung verändert. Vielen Unternehmen wurde erst im Nachhinein klar, das sich die Arbeitsweisen und das Verhalten ihrer Mitarbeitenden ebenfalls verändern. Da sind zusätzlich Schulungen, Trainings und manches Mal auch mehr Zeit für die Führung von virtuellen Teams notwendig.

Für Einzelpersonen … Für Privatpersonen ist es wichtig zu trennen, was ist privat und was ist der Job. Also zum Beispiel darauf achten, keine Spiele auf dem Firmenrechner zu installieren oder Online-Banking nur vom privaten Rechner aus zu erledigen. Diese Trennung verhindert, dass sich Schadsoftware in beiden Bereichen verteilen kann, wenn wir aus Versehen etwas anklicken. Und es hilft beim persönlichen Zeitmanagement und dabei Pausen einzuplanen.

Gibt es Entwicklungen, die selbst dich als Cyber Security-Expertin überrascht haben?

Ja, die extreme Zunahme an Cyberangriffen. Wir hatten während Corona eine Steigerung von 238 Prozent Cyber-Attacken! Das ist erschreckend, wie schnell das nach oben ging. Und es zeigt, dass wir noch sehr viel zu tun haben, um unsere Werte online besser zu schützen.*

Ich habe den Eindruck, dass die meisten zwar wissen, dass man sich im Netz vorsichtig und aufmerksam bewegen sollte, sich mit Sicherheitsvorkehrungen aber oft erst dann auseinandersetzen, wenn etwas passiert ist. Sich präventiv damit befassen, das mag niemand so wirklich. Ist das auch deine Einschätzung? Wenn ja, worauf führst du das zurück? Wie kann man diesen inneren Widerstand überwinden?

Ja, das kann ich bestätigen. Viele schauen lieber nicht hin, obwohl sie wissen, sie müssten etwas tun. Und dann kann es passieren, dass zum Beispiel jemand dein Facebook-Konto übernommen hat und es für Dinge missbraucht, die du nie machen würdest. Das Thema selbst ist nicht so attraktiv … Viele Menschen haben eher Angst vor technischen Fragen und trauen sich nicht, sich damit auseinanderzusetzen.

Widerstand überwinden geht durch den Aufbau von Wissen. Je mehr ich über Sicherheit im Netz weiß, desto weniger Angst habe ich. Und ich versuche mit der Lernplattform Cyberluchs, auf der man lernen kann, sich sicher im Netz zu bewegen, das Thema attraktiver zu machen. Wir bereiten die Themen so auf, dass es Spaß macht und dass jede*r die Dinge versteht. Wir freuen uns über viele Fragen und regen Austausch in unserer Community, denn so lernt man am besten.

Erfordert jedes Gerät – PC, Laptop, Tablet, Handy ­– ein eigenes Sicherheitsdenken?

Es gibt Themen, die sich überschneiden, wie zum Beispiel regelmäßige Updates auf jedem Gerät. Es ist egal, ob das ein Tablet, das Mobilphone oder der Rechner, der Laptop ist. Jedes Gerät muss Updates zum Betriebssystem sowie die Software-Applikationen erhalten. Das gilt ebenso für den Umgang mit E-Mails, Nachrichten über Messenger oder direkt übertragene Informationen über Bluetooth/Airdrop. Da gibt es einige Grundregelungen, die jede*r kennen sollte.

Unterschiede gibt es bei den Einstellungen und den Details. Diese sind gerätespezifisch und an einem Mobil-Telefon anders als am Rechner oder Laptop. Die Einfallstore für Schadsoftware sind unterschiedlich. Da gibt es für jedes Gerät andere Schutzmaßnahmen.

Dein Job als Ethical Hackerin bringt es mit sich, dass man sich in die dunkle Hackerseite hineinversetzen muss, um Sicherheitslücken ausfindig machen zu können. Was fasziniert dich daran?

Ich bin einfach neugierig, wie diese Dinge funktionieren. Die Technik-Tools, die Vorgehensweise und die Motivationen von Hackern sind sehr lehrreich für die Verteidigungsstrategie. Ich nutze dieses Wissen, um Unternehmen genauso wie Privatpersonen zu unterstützen, sich und ihre Werte zu schützen. Mich motiviert, dass wir uns schützen können. Und ich sehe, wie wichtig es ist, sich zu schützen. Wir müssen mehr darüber wissen, wie wir das gut hinkriegen. Und zumindest, wie wir uns gut vorbereiten, falls doch einmal was passiert.

Ich finde in diesem Zusammenhang das Beispiel mit der Feuerwehr sehr passend. Wenn wir die 112 anrufen, weil unser Haus brennt, kommen da gut ausgebildete Menschen, die wissen, was zu tun ist. So gesehen sind wir unsere eigene Feuerwehr, trainieren bestimmte Dinge vorher und legen uns eine Notfall Liste zu.

Dein Tipp als Expertin: Worauf sollten wir besonders achten, wenn es um Sicherheit im Netz geht?

Wir sollten aufmerksam bleiben und zum Beispiel keine wichtigen Transaktionen durchführen oder Entscheidungen zum Online-Banking oder Einkaufen treffen, wenn wir müde sind. Solche Aktionen lieber auf den nächsten Tag verschieben, wenn man fit ist und in Ruhe entscheiden kann. Beim Einkaufen im Internet das Impressum und die AGBs der Online-Shops durchlesen. Ich weiß, das ist aufwändig … Es hilft einem aber, falls etwas schiefgeht, schneller eine Lösung zu finden. Und es spart einem dann Aufwand, Zeit und Nerven.

Was würdest du auf keinen Fall tun?

Niemals Geld an Personen überweisen, die du nicht kennst! Leider gibt es inzwischen über viele Social Media-Kanäle jede Menge Abzocker, die versuchen, Menschen zu erpressen und so Geld zu verdienen. Lass dich auf nichts ein! Und wenn du massiv bedrängt wirst, hole dir Hilfe.

Dein ganz besonderer Tipp, um sich und seine Daten zu schützen …?

Überlege immer, ob du private Informationen auch in einem direkten Gespräch an eine Person weitergeben würdest, die du gerade erst kennen lernst. Wir sollten mit der Weitergabe von privaten Daten zurückhaltender sein. Es gibt einen Unterschied zwischen persönlich – also mir als Person, die ich mit meiner Kompetenz bin – und privaten Informationen, die ich nur mit sehr engen Freund*innen oder Familienmitgliedern teile. Diese Abgrenzung halte ich für sehr wichtig. Wir müssen uns das bewusst machen und uns aktiv entscheiden, welche Informationen wir mit wem teilen.

Noch etwas, das wir bedenken sollten? Oder etwas, das dir wichtig ist?

Betrachte das Thema als ein Lernfeld. Ich weiß heute mehr als gestern und morgen mehr als heute. Erkenntnis hat einen Zeitstempel und wir lernen jeden Tag dazu. Also: Informiere dich und bereite dich vor.

 

* Quelle: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Angriffsziel-deutsche-Wirtschaft-mehr-als-220-Milliarden-Euro-Schaden-pro-Jahr

 

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Zur Person

Christine Deger

Cyber Security-Expertin mit 20 Jahren Berufserfahrung in diesem Bereich. Christine hat in großen Konzernen wie mittelständischen Betrieben gearbeitet und unterstützt ihre Kund*innen, ihre Daten zu sichern und sich vor Cyber-Attacken zu schützen. Als zertifizierte ethische Hackerin weiß sie, worauf es ankommt. Wer sich in Sachen „Sicherheit im Netz“ fit machen möchte, findet unter https://www.cyberluchs.de/ einen leicht verständlichen Online-Kurs dazu.

In „Hacking Gender Barriers. Europe’s Top Cyber Women„, herausgegeben von der EU, ist Christine Deger als eine der 100 weiblichen Cyber Security-Expertinnen in Europa gelistet. Unter anderem soll mit diesem aktuellen Buch jungen Frauen, die sich für dieses Berufsfeld interessieren, Mut gemacht werden.

 

 

 

 

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