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Impressionen einer 2.000 Jahre alten Kultur in den Abruzzen, die von Schäfer*innen und ihren Herden geprägt ist und sachte wieder zu neuem Leben erwacht

Gefällt dir? Vielen Dank fürs Teilen!

 

Text + Fotografien: Herbert Grabe, Gastautor

In den italienischen Abruzzen verschwand nach dem zweiten Weltkrieg eine sozioökonomische und kulturelle Aktivität, die bis in die Epoche der Italiker zurückgeht. In manchen Zeiten waren es über drei Millionen Schafe, die von ihren Hirten im Oktober von den Abruzzen nach Apulien und im Juni zurück in die Abruzzen getrieben wurden. Mindestens 2.000 Jahre, bis in die italische Zeit reichend, zogen die Schäfer mit ihren Herden nach Süden und wieder zurück — eine jahrtausendealte Symbiose von Mensch und Tier.

Transumanza — Kultur und Natur der Schäferei in den Abruzzen

Transumanza wird der Schafzug in Italien genannt, Transhumanz ist der deutsche Begriff dafür. Zwei Formen sind bedeutsam: Die Transumanza orizzontale, die sich – wie der Name sagt – in die Weite des Landes dehnt, von Mittelitalien in den Süden des Landes. Sie gibt es nicht mehr, wohl aber die Transumanza verticale, die im Frühjahr aus den Dörfern auf die umliegenden Bergweiden führt.

 

Noch heute arbeiten in den Bergen der Abruzzen nicht wenige Menschen unter Bedingungen, wie sie seit jeher Natur und Traditionen vorgeben. An vielen Orten finden wir bewegende, oft außergewöhnliche Biografien der Schäfer und ihrer Familien. Die Schäferei hat nicht nur soziale Spuren hinterlassen. Die Morphologie des Landes zeigt viele alte Muster, die durch die Transumanza entstanden sind. Auch die Literatur, die Musik, das Handwerk und das Brauchtum bewahren das Erbe der Schäferkultur.

In den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung der Schäferei in Italien abgenommen. Die Anzahl derer sinkt, die diese harte und entbehrungsreiche Arbeit ausüben wollen, die zudem noch nie gut beleumundet war, vor allem in den angestammten Familien. Dafür entscheiden sich nicht nur junge Leute, die über Umwege zur Schäferei gekommen sind, sich mit Schafen eine Existenz aufzubauen. Und es gibt eine Anzahl kluger und ökonomisch gut ausgebildeter Unternehmer, die in den Abruzzen erfolgreich Schafe züchten, Käse erzeugen, Lammfleisch, Würste und Wolle verkaufen. Meist führen sie Biobetriebe und sind eng mit vernetzt mit anderen alternativen Einrichtungen wie Restaurants oder Kooperativen im Tourismus.

 

Herbert Grabe arbeitet, wenn er auf seinen Wanderstudienreisen nicht Teilnehmer*innen durch die Abruzzen, Sardinien, Sizilien, die Extremadura oder die Oberpfalz führt, auf den Feldern Fotografie und Kunst.

 

Empfehlung für alle, die in Regensburg und der Oberpfalz zu Hause oder in dieser Zeit in der Region sind:

Herbert Grabe portraitiert seit vielen Jahren Schäfer in den Abruzzen. Ab Dezember 2019 ist die Ausstellung Transumanza im bayerischen Verwaltungsgericht in Regensburg zu sehen.

Derzeit zeigt er im Chinesischen Turm in Donaustauf gemeinsam mit der Bildhauerin Kirsten Wesemann die Ausstellung »Wilde Räume« (bis Samstag, 3. August).

Am Freitag, 19. Juli, findet im Brunnenhof des Rathauses Donaustauf eine Literatur- und Musikveranstaltung zum Thema Wildnis statt. Die Schauspielerin, Sängerin und Sprecherin Elke Wollmann liest Texte zur Wildnis, der Musiker und Komponist Heinz Grobmeier spielt dazu. Es geht um 19:00 Uhr mit einer Führung durch die Ausstellung los, um 20:00 Uhr beginnt die Kulturveranstaltung.

Karten gibt es im Vorverkauf oder an der Abendkasse. Mehr Informationen unter: https://www.herbertgrabe.de/austellungen-exhibitions/

oder auf Facebook unter Kunstprojekt »Wilde Räume«

 

Weitere Informationen:

www.erdeundwind.de

www.herbertgrabe.de

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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Und hier noch ein Bericht über eine Wanderreise von Herbert Grabe!

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3 Responses

  1. Dr. Feike

    Es war eine andere Welt. Besser??? Eher nicht.
    Ich bin meinem Schicksal dankbar, dass ich nicht so fertig bin, wie einige auf den Fotos.
    Außerdem hat diese Weidekultur zur Verkarstung dieser Gegend beigetragen.
    Der Mensch hat immer die Natur ausgebeutet. Nur hat die geringe Zahl früher nicht soviel bewirkt. Die Zerstörung durch die heutigen Menschenmassen ist trotz aller Bemühungen nicht mehr zu stoppen. – Leider!!
    Dirk

    Antworten
    • Herbert Grabe

      Lieber Dirk, danke für deinen Kommentar zu den Bildern und meinem Text auf Good news. Ich gebe dir in einigen Aspekten durchaus Recht (was dich nicht wundern wird). Allerdings lässt sich natürlich auch über deinen Beitrag diskutieren. Ich hoffe nicht, dass ich eine übertriebene Romantisierung der Schäferei in den Abruzzen oder anderswo betreibe. Ich versuche mit meiner fotografischen Arbeit etwas festzuhalten, was keine Garantie auf eine erfolgreiche Zukunft hat, obwohl sich die Bedingungen für die Menschen, die in dieser Branche arbeiten, vehement verbessert haben. Ohne Zweifel bedeutete die Schafwirtschaft noch bis vor dreißig, vierzig Jahren für viele Beteiligte Benachteiligung und manchmal auch Unwürdigkeit. Deswegen war sie sozial sehr schief angesehen und niemand drängte sich danach. Diese Zeiten gibt es kaum mehr, zumindest nicht, wenn es sich um Aktivitäten in den Abruzzen und von den Abruzzesen handelt. Eine neue Generation von Schäfern und Landwirten ist entstanden, der Wertekanon ist ein anderer. Ähnlich ist es mit der Ökolandwirtschaft bei uns. Neue Denkweisen sind eingezogen.
      Jenseits dieser Betrachtung ist die Geschichte der Schäferei in den Abruzzen. Die Tradition von zweitausend Jahren Schafzucht ist Teil ihrer sozialen Geschichte. Mich berührt sie seit Anfang meiner Reisen und ich liebe die abruzzesischen Landschaften, die sich durch die Schafzucht zwar teilweise verändert haben, aber durch sie nicht an ökologischer Qualität verloren haben.

      Antworten
  2. Monica Lieschke

    Mich berühren Bild und Text sehr. Dass die Menschen „fertig“ aussehen, empfinde ich nicht so. Es sind eindrückliche unverwechselbare Gesichter, die die Spuren ihres Lebens und harter Arbeit im Freien tragen. Unsere Wahrnehmung von Gesichtern ist schon von photoshop, selfie- und optimierung verbaut.

    Antworten

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