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Persönliche Werte …

Und wie sie als Leuchtturm im eigenen Leben dienen können

Werte helfen, persönliche Erwartungen an sich selbst und seine Mitmenschen besser zu verstehen. Das hat auch andere Entscheidungen zur Folge. Franziska Iwanow hilft bei der Spurensuche nach den eigenen Werten
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von Franziska Iwanow

photo: Isolde Hilt

Was ist dir in deinem Leben wichtig? Was zählt in deinen Beziehungen, Freundschaften, in deinem Berufsalltag oder in der Kindererziehung? Woran orientierst du dich in deinem Handeln? Und in welcher Gesellschaft möchtest du gerne leben? Es lohnt sich, immer wieder über seine persönlichen Werte nachzudenken.

Große Fragen, die auf Knopfdruck oft gar nicht so leicht zu beantworten sind. Und doch lohnt es sich, sich die Mühe zu machen, in diese Fragen tief einzutauchen. Denn entweder wählen wir bewusst aus, welche Werte uns leiten oder wir lassen uns treiben … Und leben damit unhinterfragt die Werte weiter, die uns mitgegeben wurden, und orientieren uns eher an den Erwartungen anderer.
Je bewusster wir unser Leben gestalten, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns darin wohlfühlen. Sind Denken, Fühlen und Handeln im Einklang, entsteht eine innere Harmonie, die uns durch die Herausforderungen der Welt tragen kann.

 

Sich klar werden, was einem im Leben wichtig ist

photo: Isolde Hilt

Die Klarheit darüber, was dir in deinem Leben wichtig ist, kann dir eine innere Freiheit schenken, wenn du dich bewusst dafür entscheidest, deinen Werten so oft wie möglich zu folgen. Ich möchte dich einladen, dir mit Zettel und Stift selbst ein bisschen Zeit zu schenken und deinen Werten konkret näherzukommen.

Mit Werten (oder Wertvorstellungen) sind Eigenschaften oder Qualitäten gemeint, die für dich gut, richtig und wichtig sind. Es gibt davon unzählig viele. Wo die Prioritäten liegen, ist absolut individuell. Gleichzeitig belegen in Umfragen, was für Menschen am wichtigsten ist, zuverlässig die gleichen Werte die oberen Plätze: z. B. Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Respekt, Empathie usw.

Impulsfrage: Kannst du spontan 5 Werte nennen, die in deinem Leben wichtig sind?

Jeder Mensch hat Werte, jede und jeder findet sich ab und an in Wertekonflikten wieder. Die meisten versuchen, mehr oder weniger bewusst, das eigene Leben möglichst nah an ihren Wertvorstellungen zu leben. Wem das nicht oder nur selten gelingt, ist vermutlich ziemlich unzufrieden.

So wie zum Beispiel Unternehmen, Schulen oder Vereine Leitbilder entwerfen, um zu vermitteln, wofür sie stehen, kann man das auch für sich selbst entwickeln. Meiner Erfahrung nach ist es einfacher, sich zunächst auf einen Lebensbereich zu beschränken, sich danach den nächsten vorzunehmen und erst mit ein bisschen Übung die Werte für das eigene Leben im Großen zu benennen. Ist eine Vorauswahl an wichtigen Werten gefunden, geht es darum, sie zu priorisieren, zu definieren und in Handlungsoptionen zu übersetzen.

 

Werte, ein unersetzlicher Kompass für das eigene Leben

photo: Isolde Hilt

Fairerweise möchte ich vorab dazu sagen, dass das für die allermeisten Menschen, mit denen ich bisher dazu gearbeitet habe, ein Prozess war, der sowohl Zeit als auch eine Menge Nachdenken erfordert hat. Vor allem die genaue Definition der einzelnen Werte kann herausfordern.

Warum sich diese Arbeit aus meiner Sicht absolut lohnt:

  • An deinen Werten kannst du dich wie an einem Kompass oder Leuchtturm orientieren. Wenn du einmal vom Weg abkommst oder ein Verhalten bereust, kannst du dich immer wieder auf deine Werte besinnen.
  • Du verstehst deine Erwartungen an dich und deine Mitmenschen besser, wenn du weißt, welche Werte dahinterstecken.
  • Deine Umgebung weiß, wofür du stehst.
  • In Konflikten verstehst du dich selbst besser, wenn du weißt, was dir wichtig ist und warum dich bestimmte Dinge stören. Du kannst mit deinen Mitmenschen klarer kommunizieren und erklären, wo für dich Kompromisse möglich sind und an welchen Werten du nicht rütteln willst.
  • Auch die eigenen Ziele stehen im Zusammenhang mit deinen Werten. Je besser deine Ziele mit deinen Werten übereinstimmen, umso motivierter und engagierter kannst du sie verfolgen.
  • Entscheidungen treffen wird leichter.
  • Da übereinstimmende Werte Verbindung und Nähe erschaffen, kannst du bewusster aussuchen, in welchen Gemeinschaften du dich wohl fühlst – in romantischen Beziehungen, Freundschaften, Arbeitsumfeldern, …
  • Handeln im Einklang mit den eigenen Werten schafft eine innere Harmonie, gibt Stabilität, Selbstbewusstsein und ermöglicht ein sinnerfülltes, authentisches (Er-)Leben.

 

Impulsfrage: Was ist dein wichtigster Grund, dich mit deinen Werten auseinanderzusetzen?

 

Wie du herausfindest, welche Werte für dich wichtig sind

photo: Isolde Hilt

Wenn du loslegen möchtest, empfehle ich dir folgende Schritte:

  1. Entscheide dich zunächst für einen für dich wichtigen Lebensbereich, z. B. Freundschaft, Berufsleben, Partnerschaft, Kindererziehung, Sexualität, Umgang mit dir selbst etc.
  2. Schreibe entweder selbst so viele Werte auf, wie dir dazu einfallen oder hole dir Inspiration bei einer der vielen, zur Auswahl stehenden Werte-Listen im Internet (z. B. hier: https://www.values-academy.de/werte-lexikon/alle-werte/). Wenn du mit einer Werteliste arbeitest, markiere die Werte, die dich intuitiv ansprechen.
  3. Stelle anschließend immer jeweils zwei Werte einander gegenüber und wähle den für dich wichtigeren, bis maximal 10 Werte übrigbleiben. Natürlich können dir mehr Werte wichtig sein. Um dich jedoch nicht zu verzetteln, empfehle ich, dich auf 5 bis 10 Werte zu beschränken. Erweitern kannst du später immer noch.
    Die Priorität von Werten kann sich im Laufe des Lebens immer wieder einmal ändern. Nach der Geburt meiner Kinder ist mir zum Beispiel beruflicher Erfolg für eine gewisse Zeit deutlich weniger wichtig gewesen als vorher. Nach einer Krankheitsdiagnose gewinnen vielleicht Familienzusammenhalt oder Zuverlässigkeit in Freundschaft noch mehr an Bedeutung.
  4. Jetzt folgt der kniffligste Schritt, der aber auch am spannendsten und deswegen mein Lieblingsschritt ist: die Definition der einzelnen Werte. Was bedeutet der Wert für dich? Woran erkennst du, dass er gelebt, eingehalten wird? Wann ist dieser Wert verletzt?
    Lass dir Zeit dafür, nimm dir immer einmal wieder einen Wert vor. Idealerweise tausche dich mit anderen aus.
    Die Definition ist so wichtig, weil wir Menschen häufig automatisch davon ausgehen, dass unsere Sicht die (einzig) richtige ist und das Gegenüber das selbstverständlich genauso sieht. Das führt leicht zu Konflikten.

 

Impulsfrage: Wie definierst du Treue?

 

Hilfreich zu wissen: Jede*r definiert bestimmte Werte unterschiedlich

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Paar war sich einig darin, dass ihnen Treue wichtig ist. Sie waren sich so sicher, in dem Thema übereinzustimmen, dass sie in drei Jahren Beziehung nie darüber gesprochen hatten, wo für sie Treue aufhört und Untreue beginnt. Als die Frage aufkam, stellten sie fest, dass seine Definition im Vergleich zu ihrer großzügiger und weiter gefasst war. Ein nächtliches, beschwipstes Fremdknutschen im Überschwang eines Clubabends wäre für ihn kein Problem gewesen, für sie schon. Emotionale Treue wog für ihn deutlich schwerer als körperliche Treue.
Die beiden stellten relativ entgeistert fest, dass sich bei einem Wert einig zu sein, nicht unbedingt heißt, in der Definition übereinzustimmen. Das führte zu einem spannenden Gespräch und am Ende zu einer Einigung, welche Regeln in der gemeinsamen Beziehung gelten sollen.

Auch bei anderen Werten gibt es durchaus Interpretationsspielraum. Für den einen Mensch heißt Ehrlichkeit, dass alles, was gesagt wird, wahr sein muss. Etwas weglassen ist aber noch keine Unehrlichkeit. Für einen anderen bedeutet Ehrlichkeit, dass alles ausgesprochen werden muss. Verschweigen ist gleichbedeutend mit einer Lüge.

Die einen definieren Pünktlichkeit als den ausgemachten Zeitpunkt plus minus 2 Minuten. Für andere ist alles pünktlich, was nicht weiter vom ausgemachten Zeitpunkt weg ist als eine halbe Stunde.
Beide sind sich einig, dass ihnen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wichtig sind. Die unterschiedlichen Definitionen bergen ein gewisses Konfliktpotential.

 

Respekt ist den meisten Menschen wichtig

Respektvolles Verhalten ist ein Wert, der so gut wie jedem Menschen wichtig ist. Auch da gehen die Meinungen, was gemeint ist, zum Teil weit auseinander. In der einen Familie bedeutet ein respektvoller Umgang, dass man in einem angemessenen Tonfall über alles sprechen kann. In einer anderen heißt „Respekt vor den Eltern“ vielleicht, dass kein Widerspruch erlaubt ist.

Nimm dir deine Werte vor und mach dir die Mühe, genau zu beschreiben, was das in deiner Wahrnehmung bedeutet. Stell dir vor, dein Gegenüber hat das Wort noch nie gehört: Höflichkeit bedeutet, dass jemand höflich ist. Kein Erkenntnisgewinn. Stattdessen: Höflichkeit beinhaltet freundliches Grüßen, Bitte und Danke sagen, sich ausreden lassen etc. Schreib dir gerne dazu, in welchen Situationen aus deiner Erfahrung dieser Wert verletzt war.

 

Weitere Schritte beim Aufspüren persönlicher Werte

  1. Passen dein Handeln und Verhalten zum Wert? Überlege, ob du selbst deinen Werten entsprechend lebst. Überprüfe auch, ob sich dein Umfeld in dem Lebensbereich, den du gerade betrachtest, mit deinen Werten verträgt.
    Wenn dir Toleranz wichtig ist, wirst du vermutlich nicht mit jemandem befreundet sein können, der Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung ablehnt. Ist dir Ehrlichkeit wichtig, kannst du mit niemandem dauerhaft eine glückliche Beziehung führen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Stehen Freiheit und Eigenverantwortung bei dir ganz oben, wirst du dich in einem Arbeitsumfeld mit strengen Hierarchien und der Abneigung gegen Eigeninitiative unwohl fühlen.
  2. Finde konkrete Verhaltensempfehlungen für dich selbst. Ist dir Liebe wichtig, frage dich möglichst häufig, was du jetzt in einer liebevollen Haltung tun würdest. Ist Dankbarkeit unter deinen Top 10, lebe den Wert, indem du am Ende jeden Tages drei Dinge aufzählst, für die du dankbar bist.

 

Werte leben: Ein perfektes Umsetzen ist nicht möglich. Die Annäherung zählt.

photo: Isolde Hilt

Ganz wichtig: Die Werte, die du für dich als richtig und wichtig erkannt, definiert und in konkretes Verhalten übersetzt hast, sind kein Gebots- und Verbotskatalog! Sie sollen dir wie ein Leuchtturm oder Kompass als Orientierung dienen. Ein hundertprozentiges wertetreues Leben ist nicht möglich.
Manchmal sind es äußere Hindernisse: Ist dir beispielsweise Nachhaltigkeit äußerst wichtig, kann es trotzdem sein, dass du mehr Auto fahren musst, als dir lieb ist, weil du auf dem Land mit schlechter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel lebst.
Manchmal bremsen innere Hindernisse: Selbstfürsorge ist einer deiner Werte. Dein Pflichtgefühl und deine Loyalität bringen dich aber (noch…) häufig dazu, deine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.

Auch in Wertekonflikten werden wir uns alle immer einmal wiederfinden. Deshalb ist eine Priorisierung der eigenen Werte so wichtig.

Das gilt im Kleinen wie im Großen. Wenn mir eine Bekannte stolz ihren neuen Hund präsentiert, in den sie ganz vernarrt ist, der mir aber gar nicht gefällt, muss ich wählen zwischen den Werten Ehrlichkeit und liebevollem Umgang.
Muss ich von außen zusehen, wie ein Land widerrechtlich angegriffen wird, stehe ich zwischen den Werten Frieden und Selbstbestimmung/Freiheit und kann mich fragen, was mir am Ende zu welchem Preis wichtiger ist. Befinde ich mich innerhalb der Kämpfe, stellen sich die Fragen noch viel drastischer.

Das heißt, mit der Bewusstwerdung der eigenen Werte gestalten wir nicht nur unser eigenes Leben mit mehr Klarheit und Sinnerfüllung, sondern beeinflussen auch die Gesellschaft mit, in der wir leben.

 

Werte, der Schlüssel für ein besseres Zusammenleben

Wir alle haben Werte, nur nicht zwingend die gleichen. Unsere Herkunftsfamilien prägen unseren Wertekodex. Jede Kultur, Religion und gesellschaftliche Gruppe hinterlässt einen Stempel. Oft können verschiedene Werte nebeneinander bestehen, solange die Verschiedenheit akzeptiert wird.
Manchmal trennen sich gemeinsame Wege bei zu unterschiedlichen Wertvorstellungen. Noch viel häufiger aber entstehen und verstärken sich Verbindungen, wenn man sich bei aller Unterschiedlichkeit in Interessen, Hobbys und Eigenheiten auf die gemeinsamen Werte besinnt.

Impulsfrage: Welche wichtigen Werte teilst du mit deinen Lieben?

 

Ich wünsche dir ganz viel Neugier und Freude beim Erforschen. Wenn du Lust hast, berichte gerne in den Kommentaren von deinen Erfahrungen!

 

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