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VILNI:
Handgestrickte Produkte von vertriebenen ukrainischen Frauen

Das soziale Projekt, das von einer jungen Ukrainerin ins Leben gerufen wurde, unterstützt vertriebene Frauen mit Jobs und einer starken Gemeinschaft.

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von Kristin Frauenhoffer

Die VILNI Community wächst täglich.

Vilni bedeutet auf Ukrainisch „frei“. Ein Wort, das für die Ukrainer*innen ein Fremdwort geworden ist. Zugleich ist es ein Wort, das für sie alles bedeutet. Deshalb hat Anastasiia Bytko dieses Wort für das Projekt gewählt, das sie vor etwa acht Monaten ins Leben gerufen hat. Es soll ukrainische geflüchtete oder vertriebene Frauen durch die Vermittlung von Strickaufträgen unterstützen. Die Produkte – Mützen, Schals, Socken – werden in ganz Europa online verkauft, der Erlös geht direkt an die Frauen.

„Dieser Morgen teilte mein Leben in ein Vorher und ein Nachher.

Eine dieser Frauen ist Nataliia Krylova. Vor neun Monaten lebte sie ein unbekümmertes Leben. Ihr Lebensstil unterschied sich nicht wesentlich von dem, den wir in den westlichen Industrieländern alle führen. Nataliia hat nicht nur einen, sondern gleich zwei Abschlüsse: einen als Apothekerin und einen als Erzieherin. Das ermöglichte es ihr, den Beruf zu wählen, der ihr mehr Freude bereitete – die Erziehung von kleinen Kindern. Sie liebte es, Yoga zu praktizieren, Bücher zu lesen und die Stille bei ihrer morgendlichen Joggingrunde im Wald zu genießen.
Und dann, am 24. Februar, fielen plötzlich Bomben auf ihre Heimatstadt, und ihr Leben änderte sich von einer Sekunde auf die andere. „Der Krieg brach buchstäblich in mein Haus ein, denn ich erwachte durch den Lärm der Explosionen. […] Dieser Morgen teilte mein Leben in ein Vorher und ein Nachher“, sagt sie. Vielen ukrainischen Frauen geht es wie Nataliia. Sie sind aus ihren Häusern vertrieben worden, haben ihre Arbeit verloren, sorgen sich um ihre Männer, die bleiben mussten, um im Krieg zu kämpfen. Und sie versuchen, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

Anastasiia war gerade Mutter geworden, als der Krieg begann.

Manche Menschen entwickeln in Zeiten der Gefahr fast übermenschliche Fähigkeiten, und manche werden sehr kreativ. So war es auch bei Anastasiia Bytko. Die junge Frau aus Kiew war gerade Mutter geworden und befand sich in Elternzeit, als der Krieg begann. Ihre Tochter war sechs Monate alt. Zusammen mit ihrem Mann, ihrer Mutter und ihrer Schwester floh sie in die Westukraine. Ihr ehemaliger englischer Kollege Andrew Paterson rief sie an und holte sie an der Grenze zu Estland ab. Dort entwickelten sie gemeinsam eine erste Idee für das Projekt. „Ich bat Andrew um einen Job. Und dann hatten wir die Idee, anderen geflüchteten Frauen zu helfen, an einen sicheren Ort zu gelangen und sie dann zu unterstützen, indem wir ihnen Jobs verschaffen“, erinnert sich Anastasiia. Das Projekt VILNI war geboren.

VILNI hat jetzt 43 Frauen, die in der ganzen Ukraine als Strickerinnen arbeiten.

Sie beschlossen schnell, dass die Jobs, die sie schaffen wollten, so einfach wie möglich sein und keinen technischen Aufwand erfordern sollten, da es schwierig gewesen wäre, die Hardware zu organisieren. Es gibt noch einen weiteren Grund, wie Anastasiia erklärt: „50 Prozent der mehr als acht Millionen Frauen, die vertrieben wurden, kennen sich mit Computern oder dem Internet nicht aus. Deshalb haben wir uns auf diese Frauen konzentriert, das heißt auf Mütter in Elternzeit, Frauen im Rentenalter und so weiter.“ Am Anfang gab es nur Andrew, Anastasiia sowie deren Mutter, die für sie die Strickmuster entwickelte. Aber sehr schnell gelang es ihnen, weitere Freiwillige zu finden, die bei der Einrichtung der Online-Plattform, der Erstellung von Videoanleitungen und dem Start des Verkaufsprozesses helfen konnten. Heute sind an die 20 Personen an VILNI beteiligt, und 43 Frauen aus der ganzen Ukraine und Estland arbeiten als Strickerinnen. Sie werden bezahlt, sobald sie ihre Produkte fertiggestellt haben.

Jedes Produkt hat einen QR-Code, der zur Geschichte der Frau führt, die es hergestellt hat

Die von den Frauen des VILNI-Projekts gefertigten Schals, Mützen und Socken sind schlicht und einfarbig gestaltet. Darunter leuchtendes Gelb und Blau – die Farben der ukrainischen Flagge. Sie tragen Namen wie „Freedom“ oder „Glory“ und passen sowohl Männern als auch Frauen. Sie können bequem von zu Hause aus und überall in Europa bestellt werden. Wer also ein Weihnachtsgeschenk sucht, das nicht nur hübsch ist, sondern auch einen gemeinnützigen Zweck erfüllt, wird hier fündig. Jedes Produkt hat einen QR-Code, der zu der Geschichte der Frauen führt, die es hergestellt haben. Das ist es, was Anastasiia an VILNI am wichtigsten findet: „Wenn du das Produkt kaufst, unterstützt du eine konkrete Person. Du gibst dieser Frau die Möglichkeit, ihre Familie zu ernähren, nachdem der Krieg ihr alles genommen hat.“

Der VILNI Online Shop

Die VILNI Community bietet mentale und emotionale Unterstützung – und kurze Ablenkungsphasen

Doch Anastasiija Bytkos Projekt geht noch einen Schritt weiter. Sie hat auch die VILNI-Community gegründet – einen sicheren Online-Platz für Geschäftsfrauen, Handwerkskünstlerinnen und all jene Frauen, die Unterstützung brauchen. Hier finden sie mentale und emotionale Unterstützung. Sie können sich mit anderen Frauen austauschen oder an Kursen teilnehmen, in denen sie beispielsweise lernen, wie man Handwerksprodukte verkauft. Sie können Termine mit Psycholog*innen, Yogalehrer*innen oder Kunsttherapeut*innen vereinbaren. Es ist auch die kurze Ablenkung von ihrem Alltag in der Ukraine, die Gespräche über Banalitäten mit anderen, die sich in der gleichen Lage befinden, die die Gemeinschaft zu einem unschätzbaren Bestandteil des gesamten Projekts macht. 200 Frauen haben sich bereits der Gemeinschaft angeschlossen und viele weitere werden noch dazukommen, ist sich Anastasiia sicher.
„Im ersten Jahr wollen wir 100 Frauen mit Arbeitsplätzen unterstützen, 1.000 über die VILNI Women Community und 3 bis 5 bezahlte Teammitglieder beschäftigen sowie 500 Teile pro Monat produzieren und verkaufen“, skizziert die junge Ukrainerin ihre Zukunftspläne. Momentan suchen sie nach Aufträgen von Wohltätigkeitsorganisationen oder Unternehmen, um einen größeren Absatz zu erreichen.

Anastasiia ist jetzt wieder in Kiew und arbeitet von dort aus. „Die Situation ist ziemlich schwierig“, erklärt sie. „Am 10. Oktober haben die Russen hier viel bombardiert. Jetzt ist es ruhiger geworden, aber wir haben nur ein paar Stunden am Tag Strom.“ Trotzdem arbeitet sie weiter an ihrem Projekt und hofft, noch viele weitere Frauen unterstützen zu können. Und am Ende steht natürlich die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges und einen positiven Ausgang: „Ich hoffe und glaube, dass wir gewinnen werden.“

Ihr könnt VILNI unterstützen, indem ihr ihre Produkte kauft. Hier geht es zur Webseite!

VILNI hat auch kann man auch hier finden:

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