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Die Britin Abby Popplestone radelt 1200 Meilen durch das Vereinigte Königreich, um auf Eierstockkrebs aufmerksam zu machen und Geld zu sammeln.

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Interview von Kristin Frauenhoffer

Abby am Beginn ihrer Reise – John O’Groats in Schottland.

Es war schwierig, Abby zu erreichen. In den letzten beiden Wochen hatte sie oft keinen Empfang. Nur ab und zu erhielt ich eine Nachricht, in der es hieß: „Ich werde antworten, sobald ich wieder in der zivilisierten Welt bin.“ Die 32-jährige Britin Abby Popplestone macht eine Fahrradtour, bei der sie das Vereinigte Königreich von John O’Groats nach Lands End durchquert und dabei rund 2.000 Kilometer zurücklegt. Und sie macht es sich nicht leicht, denn sie nimmt die schwere Route durch wildes und abgelegenes Gelände – mit allem, was sie braucht, auf ihr Fahrrad geschnallt. Sie tut das alleine und ohne Unterstützung, schläft in ihrem Zelt und „isst kalte Bohnen aus der Dose“, wie sie sagt. Warum stürzt sich jemand in solch ein verrücktes Abenteuer? Abbys Geschichte ist eine außergewöhnliche …

Abby, deine Reise klingt sehr abenteuerlich. Warum machst du das?

Letztes Jahr während des Lockdowns fand ich heraus, dass ich eine seltene Form von Eierstockkrebs hatte, wobei es mir jetzt wieder gut geht. Mit dieser Aktion möchte ich das Bewusstsein für die Symptome der Krankheit schärfen und Geld für „Ovarian Cancer Action“ sammeln. Das ist eine führende Wohltätigkeitsorganisation, die die Forschung zur Entwicklung von Screeningtests damit finanziert.

Warum Radfahren? Wie bist du auf die Idee gekommen?

Schiebpassagen sind keine Seltenheit.

Ich bin keine Radfahrerin. Ich bin eigentlich ein Neuling im Radfahren. Während des Lockdowns begann ich mit dem Radfahren, um fit und gesund zu bleiben und um etwas zu tun zu haben. Also beschloss ich, die Strecke von John o’Groats nach Lands End, 1.200 Meilen, bei mir zuhause zu radeln. Nachdem ich 300 Meilen meines lokalen Abenteuers hinter mir hatte, entdeckte ich, dass ich einen Tumor habe und dringend operiert werden muss. Um zu feiern, dass ich noch lebe und um eine weitere Chance im Leben zu haben, wollte ich die Reise nun wirklich machen.

Du sagst, dass es dir jetzt gut geht und du vom Krebs geheilt bist. Aber was hast du gedacht, als du von deiner Diagnose erfahren hast?

Als ich erfuhr, dass ich einen Tumor habe, war ich ziemlich geschockt. Vor der Operation konnte man nicht sagen, ob es sich um einen metastasierten Tumor handelt, also einen, der sich auf andere Bereiche ausgebreitet hat. Ich hatte Angst, weil mir plötzlich klar wurde, welch schlechte Prognose mit einem Eierstockkrebs verbunden ist. 43 Prozent der Betroffenen überleben fünf Jahre und nur 35 Prozent überleben 10 Jahre. Diese Statistiken waren unglaublich erschreckend. Ich hatte großes Glück, dass mein Tumor nicht auf andere Organe übergegangen war. Sie konnten ihn in einem Zug vollständig entfernen und ich bin jetzt wieder gesund.

Mit deiner Reise möchtest du das Bewusstsein für Eierstockkrebs schärfen und Geld für „Ovarian Cancer Action“ sammeln, die zu dieser Krebserkrankung forschen …

Kalt, aber erfrischend nach einem langen Tag auf dem Rad.

Es ist unglaublich wichtig, mehr Forschung im Bereich Eierstockkrebs zu betreiben, denn zu dieser Krebsart hat sich in den letzten 30 Jahren nichts getan. Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs sind dagegen sehr gut erforscht. Die Symptome werden häufig beschrieben und es wurde viel in die Entwicklung eines Früherkennungstests investiert, um diese Krankheiten frühzeitig zu entdecken. Es gibt zum Beispiel Mammographien für Brustkrebs und Abstrichtests für Gebärmutterhalskrebs.

Für Eierstockkrebs gibt es nichts dergleichen. Das bedeutet, dass er erst in einem sehr späten Stadium diagnostiziert wird, weshalb die Prognose so schlecht ist. Die Forschung ist deshalb von entscheidender Bedeutung. Wir brauchen einen Test für Eierstockkrebs, mit dem wir die Anzeichen der Krankheit viel früher erkennen können.

Wie fühlst du dich jetzt? Lebst du dein Leben anders als vorher?

Endloses off-road Gelände begleitet Abby bei ihrem Trip.

Ja, ich lebe mein Leben völlig anders. Ich glaube, vorher lebte ich in einem Zustand der Prokrastination. Das heißt, ich habe viele Dinge vor mir hergeschoben, weil ich dachte: „Oh, das mache ich ein andermal, dafür habe ich später noch Zeit.“ Und als ich dann plötzlich damit konfrontiert wurde, dass ich in fünf Jahren tot sein könnte, wurde mir klar, wie zerbrechlich das Leben ist und wie viel Zeit einem in einem Augenblick genommen werden kann. Das hat mich dazu veranlasst, darüber nachzudenken, wie ich mein altes Leben gelebt habe, um dann zu versuchen, den Dingen, die wichtig sind, Vorrang einzuräumen und sie einfach zu erledigen. Was ich heute tun kann, tue ich auch heute, anstatt es auf morgen zu verschieben.

Wie diese Reise zum Beispiel. Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Ehrlich gesagt, habe ich mich auf diese Reise nur wenig vorbereitet. Es klingt verrückt, aber ich glaube, ich wollte nicht zu viel darüber nachdenken. Denn es ist so eine gewaltige Herausforderung, dass ich vielleicht davor zurückgeschreckt wäre. Die Vorbereitungen, die ich getroffen habe, bestanden darin, mir anzuschauen, was ich für mein Fahrrad brauche. Also habe ich mir ein paar Dinge geliehen.

Ich kann alle meine Sachen an meinem Fahrrad befestigen – wie Taschen, Gurte und solche Sachen. Die zweite Sache, die ich für wichtig hielt, war die Sicherheit. Also habe ich mir einen Garmin Inreach Explorer ausgeliehen – ein Gerät, auf dem ich SOS drücken kann und die Rettungsdienste mich finden können, wo immer ich bin. Auch wenn ich keinen Empfang habe, denn es funktioniert über Satellit. Ich habe nicht viel Sport getrieben. Ich war viermal im Fitnessstudio und bin ein bisschen Fahrrad gefahren. Mehrere Tage mit dem Fahrrad war ich noch nie unterwegs. Ich habe mich also nicht wirklich gut vorbereitet.

Wo bist du aktuell?

Wild und wunderschön – Abby fährt durch faszinierende Landschaften.

Ich habe etwas mehr als 300 Meilen zurückgelegt. Eigentlich ziemlich passend, denn das ist der Punkt, an dem ich den Tumor entdeckte, als ich während des Lockdowns die Radtour um meine Heimatstadt herum machte. Für mich ist das ein ziemlich bewegender Moment auf dieser Reise. Ich bin durch das gesamte Hochland geradelt und hatte es bis nach Loch Ossian geschafft, als ein wirklich schlimmer Sturm aufzog. Also beschloss ich, den Zug nach Glasgow zu nehmen. Jetzt bin ich in Glasgow und habe etwa 100 Meilen der Strecke verpasst. Aber das ist in Ordnung, ich bin damit zufrieden, denn ich hatte das Gefühl, dass es so viel sicherer war. Und vor allem möchte ich das Erlebnis genießen. Ich bin bei wirklich schlechtem Wetter geradelt, bei sehr starkem Wind und viel Regen. Und das war ziemlich brutal und ich hatte keine Lust, bei noch schlechterem Wetter zu fahren.

Abgesehen vom Wetter, wie ist die Reise für dich bisher verlaufen?

Die Reise war bisher unglaublich. Es war wirklich hart, ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich wusste nicht, wozu mein Körper fähig ist, was mich erwartet oder ob ich es schaffen würde. Aber jetzt bin ich hier, habe 300 Meilen zurückgelegt, 1.000 Höhenmeter erklommen. Ich bin abseits off-road auf sehr instabilem Untergrund durch Ungeziefer, Sturm und Sonnenschein gefahren und habe es geschafft. Ich bin wirklich stolz auf mich.

Was hast du bisher gelernt auf deinem Trip? Gibt es etwas, dass du uns mitgeben kannst?

Ein warmer Ort zum Übernachten: Abby hat viele freundliche Menschen getroffen. Manche von ihnen bieten ihr sogar einenÜbernachtungsplatz an.

Etwas, das ich wirklich gelernt habe, ist, dass man schwierige Dinge tun kann, wenn man sich selbst antreibt. Wenn man einfach dranbleibt und einen Fuß vor den anderen setzt. Dann wird man es irgendwann schaffen. Ich war schon oft kurz davor, aufzugeben, aber ich habe einfach weitergemacht. Und manchmal, wenn ich über die Reise insgesamt nachdachte – 1.200 Meilen sind eine sehr lange Strecke – kam sie mir zu viel, zu groß, zu verrückt vor. Also unterteile ich sie in Tage und manchmal sogar in Stunden und Minuten, wenn es mir schwer fällt. Wenn ich also denke, „Oh, heute fällt es mir wirklich schwer“, sage ich mir: „Vergiss morgen. Alles, was du tun musst, ist, heute Abend dahinzukommen, wo du schlafen möchtest. Oder alles, was du tun musst, ist, auf den Gipfel dieses Hügels zu kommen, und dann denken wir weiter. Denk an nichts anderes, konzentriere dich nur darauf, den nächsten Schritt zu tun. Und dann den nächsten Schritt und den nächsten Schritt.“ Und das hat mir geholfen, die wirklich harten Zeiten zu überstehen.

 

Es geht um die Verbindung zu mir selbst.

Außerdem ist mir klar geworden, wie unglaublich die Menschen sind. Jeden Tag habe ich durch Zufall Leute getroffen, die so wahnsinnig nett zu mir waren. Sie halfen mir und wir haben uns einfach wunderbar unterhalten. Für mich ist das ein großer Teil dieser Reise, denn es geht um Verbindung. Es geht um die Verbindung zu mir selbst, um die Verbindung zur Natur, aber auch um die Verbindung zu anderen Menschen. Die Medien sind so voll von negativen Geschichten darüber, dass wir uns nicht umeinander kümmern oder dass die Menschen egoistisch handeln, besonders jetzt zu Coronazeiten. Diese Reise hat das Gleichgewicht in meinem Kopf durch die Erfahrungen mit den Menschen, die ich getroffen habe, wiederhergestellt. Sie erinnert mich daran, dass die Welt voller guter Menschen ist, die völlig Fremden helfen wollen. Und ich bin so dankbar für die Menschen, die so freundlich zu mir waren, mich mit Essen versorgt haben. Die sich mit mir unterhalten, mich ermutigt, mitgenommen oder mir einen Platz zum Übernachten gegeben haben. Und es ist einfach so überwältigend und herzerwärmend, echte menschliche Verbundenheit zu erleben. Es ist fantastisch.

 

Wenn ihr Abby helfen und sie bei ihrer Mission unterstützen wollt, klickt hier, um zu ihrer Fundraising-Seite zu gelangen.

 

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