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David macht gerade eine Ausbildung zum Altenpfleger und hat seinen Beruf gefunden. Seine Freunde bewundern ihn dafür.

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Interview: Isolde Hilt

Bis 2035 werden voraussichtlich rund 307.000 Pflegekräfte allein in der stationären Versorgung in Deutschland fehlen, so die Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. Nimmt man den gesamten Pflegebereich, sind es sogar bis zu 500.000 Fachkräfte, die bis in 15 Jahren fehlen werden. Dass Pflegeberufe besser bezahlt und wertgeschätzt werden müssen, ist das eine. Das andere ist das Image, das dem Beruf eines Altenpflegers oder einer Altenpflegerin immer noch anhaftet.

Umso mehr erstaunt David Münsterer, 21 Jahre jung, der mehr per Zufall in der Altenpflege gelandet ist und dort seinen Lieblingsberuf entdeckt hat. Der junge Mann aus Tirschenreuth macht gerade seine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft und ermutigt dazu, diesem Arbeitsfeld eine Chance zu geben.

 

Erinnerst du dich noch daran, was du werden wolltest, als du klein warst?

Als kleiner Junge wollte ich immer Archäologe oder Baggerfahrer werden.

Als das Schulende in Sicht war, wusstest du da, was du werden wolltest?

Nein, ich war absolut überfordert.

Irgendwann hast du dich dazu entschieden, Altenpfleger zu werden. Wie kamst du auf diesen Beruf? Ist das für einen jungen Menschen und auch jungen Mann nicht eher untypisch? Gab es da ein persönliches Erlebnis?

Nach dem mittleren Bildungsabschluss endschied ich mich zuerst dafür, eine Ausbildung zum Assistenten im Hotel- und Tourismusmanagement zu machen. Nach zwei Jahren brach ich sie jedoch ab. Es war einfach nicht mein Ding.

Nach eineinhalb Monaten in der Arbeitslosigkeit hatte ich die Möglichkeit, in einem Altenheim ein einwöchiges Praktikum zu machen. Die Arbeit dort gefiel mir auf Anhieb sehr. Ich hatte sofort einen Zugang zu den Menschen und kam durch meine Art überall gut an. Durch einen Kontakt meines Stiefvaters konnte ich das restliche Jahr über ein Bundesfreiwilligenjahr in einem anderen Altenheim machen. Dort erfuhr ich noch mehr über diesen Beruf und entschied mich dazu, die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu beginnen.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag?

Ja. Schichtbeginn war um 6 Uhr und da beginnt auch die Schichtübergabe. Der Nachtdienst teilt der Fachkraft alle relevanten Informationen mit. Danach wurden die Pflegekräfte in die einzelnen Bereiche eingeteilt. Da ich als Bufdi schon mitgewaschen hatte, durfte ich vier Bewohner*innen bereits selber waschen. Danach war Frühstückszeit. Ich teilte das Frühstück für die Bewohner*innen auf, die am Zimmer bleiben wollten, sammelte die schmutzigen Gläser ein und gab einer bettlägerigen Frau ein. Nach einer anschließenden Pause wechselte ich die Wäschesäcke aus und füllte das Wäschelager in den Pflegewägen auf.

Direkt danach war es schon Zeit für das Mittagsessen. Wieder teilte ich das Essen aus, gab einer Bewohnerin ein und half ein bisschen im Speisesaal mit. Nach dem Essen half ich mit, die Menschen im Rollstuhl auf ihr Zimmer bzw. ins Bett zu bringen. Anschließend schaute ich noch bei der Dokumentation zu und trug in meinem Azubiordner ein, was ich an diesem Tag erledigt hatte.

Wie haben die alten Menschen auf dich reagiert?

Äußerst positiv. Fast alle waren sehr zufrieden mit meiner Arbeit und meinten, dass man es mir ansehe, dass mir der Beruf Spaß mache.

Was lernst du als Altenpfleger?

Ich lerne viel über Krankheitsbilder im Alter, professionelle Pflege, über den Umgang mit Arzneimitteln und vieles mehr.

Altenpflege heißt, dass auch Arbeiten anfallen, vor denen sich viele scheuen würden, sie zu machen. Zum Beispiel jemanden waschen, wenn etwas daneben ging …

Für mich war das von Anfang an kein Problem. Das mit den Ausscheidungsprodukten ist zwar so eine Sache, aber die Gerüche nimmt man nach einer gewissen Zeit gar nicht mehr wahr.

Geduld haben ist in meinen Augen die wichtigste Eigenschaft im Umgang mit dementen alten Menschen.

Nicht wenige ältere Menschen sind dement und können gar nicht mehr verstehen, was man ihnen sagen will. Wie gehst du damit um?

Ich gehe mit einer dementen Person im Grunde genauso um wie mit einer anderen. Das heißt, genauso respekt- und rücksichtvoll wie mit jeder anderen auch. Geduld haben ist in meinen Augen die wichtigste Eigenschaft im Umgang mit dementen alten Menschen. Oft muss man es diesem Menschen mehrfach sagen, bis er es versteht. Oft muss man aber auch einfach akzeptieren, dass er oder sie es nicht mehr versteht. Dann muss man einfach in der Welt des Dementen mitspielen.

Manche sind bestimmt auch misstrauisch. Hast du das auch schon erlebt?

Natürlich. Es wird immer wieder Bewohner*innen geben, die einem gegenüber misstrauisch gesinnt sind. Vor allem zu Beginn, wenn jemand neu ins Heim zieht. Meistens legt sich das allerdings nach einer gewissen Zeit.

Was magst du an der Arbeit mit alten Menschen?

Grundsätzlich hat man immer etwas zum Lachen. Die alten Menschen sind erfreut, wenn sie jemanden zum Reden haben und öffnen sich einem gegenüber.

Was war bisher dein schönstes Erlebnis?

Es gab eine Frau, die immer um Punkt halb neun auf die Toilette wollte. Sie saß im Rollstuhl. Wenn es soweit war, rief sie immer meinen Namen. Brachte sie jemand anders ins Pflegebad, fragte sie, wo ich denn sei. Gegen Ende hin, als sie bereits im Sterben lag, hatte sie immer noch ein breites Lächeln im Gesicht, sobald ich das Zimmer betrat.

Alte Menschen und das Thema „Sterben“ gehören eng zusammen. Wie geht es dir als junger Mensch? Wie kommst du damit zurecht, wenn jemand stirbt?

Grundsätzlich versuche ich, mein Privatleben vom Beruf zu trennen und das Ableben der Bewohner*innen nicht an mich heranzulassen.

Meine Freunde bewundern mich dafür, was ich mache.

Was sagen deine Freund*innen zu deiner Berufswahl als Altenpfleger? Interessieren sie sich für das, was du tust?

Meine Freunde bewundern mich dafür, was ich mache. Meine Freundin macht jetzt selber ein Praktikum in einem Altenheim und überlegt auch, eine Ausbildung in diesem Beruf zu machen.

Was ist bisher die wertvollste Erkenntnis für dich aus deiner Arbeit?

Dass man auch noch im Alter Spaß haben kann.

Von alten Menschen hat man ja bestimme Bilder oder manchmal auch Vorurteile im Kopf. Was kannst du so gar nicht bestätigen oder: Was beeindruckt dich an alten Menschen besonders?

Grundsätzlich muss man einmal sagen, dass das Bild von alten Menschen in unserer Gesellschaft in vielen Bereichen falsch ist. Die meisten alten Menschen sind sehr offen, freundlich und dankbar für jede Hilfe.

Glaubst du, du wirst in diesem Beruf bleiben?

Das weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Das wird viel davon abhängen, wie viel die Politik in den nächsten Jahren für die Altenpflege tut. Der Beruf muss viel attraktiver gemacht werden. Es kann auch nicht das langfristige Ziel sein, Pflegefachkräfte aus dem Ausland zu holen.

Wem würdest du einen Beruf in der Altenpflege empfehlen?

Jedem, der einen abwechslungsreichen, einzigartigen und nie langweiligen Beruf erlernen möchte. Man steht immer im Kontakt zu anderen Menschen und leistet einen Beitrag zur Gesellschaft.

Gebt der Altenpflege eine Chance und schaut es euch an.

Noch etwas, das dir wichtig ist…?

An alle da draußen, die Interesse an dem Beruf haben oder noch nach einem Beruf suchen: Gebt der Altenpflege eine Chance und schaut es euch an. Dort wartet ein zukunftssicherer Beruf auf euch, in dem sich in den nächsten Jahren noch viel tun wird!

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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