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Investieren? Ist doch nur etwas für Reiche. Cooler Future will das Gegenteil beweisen. Bereits ab 20 Euro für eine grünere Welt.

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Interview: Isolde Hilt

Wie sieht die Vision eines noch jungen Unternehmens für Investmentleistungen aus, das unter dem Namen „Cooler Future“ antritt? Das finnisch-deutsche Start-up, das sich 2019 gegründet hat, ist nicht angetreten, um den Kapitalismus zu bekämpfen. Es will vielmehr die Funktionsweise des Kapitalismus verändern und sie dazu nutzen, den Klimawandel zu bekämpfen. Mit Kapital, das dort zum Einsatz kommen soll, wo aktiv etwas getan wird, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

„Traditionelle Banken verwenden dein Geld, um beispielsweise die Herstellung fossiler Brennstoffe zu finanzieren und treiben somit die Erwärmung unseres Planeten voran. Warum nicht den Klimawandel bekämpfen, indem du die Kontrolle über dein Geld zurückgewinnst und es stattdessen in klimafreundliche Unternehmen investierst?“ Ein Interview mit COO Julius Friedlaender, wie Cooler Future den Finanzmarkt neu erobern und dem Klimawandel begegnen will.

 

Geld regiert die Welt, heißt es. Das bedeutet, all das, wo Geld hinfließt, nimmt Einfluss. Wie erlebt ihr den Finanzmarkt bisher?

Die Deutschen horten über 2 Billionen Euro auf Bankkonten, die Finnen immerhin über 100 Milliarden Euro. Dieses Geld wirft keine oder negative Zinsen ab und hat einen massiven Fußabdruck zur Folge. Privatkunden denken jedoch selten darüber nach. Die Deutschen könnten theoretisch allein mit den Ersparnissen auf ihren Bankkonten alle Unternehmen an der Frankfurter Börse besitzen (die Marktkapitalisierung liegt unter 2 Billionen Euro). Es ist die kollektive Kraft des Geldes, die wir nutzen wollen, um eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu schaffen.

Wie möchte Cooler Future das im Detail angehen?

Wir sehen den Klimawandel als die größte Bedrohung für die Menschheit weltweit. Als Einzelperson werden mir verschiedene Möglichkeiten präsentiert, um den CO2-Fußabdruck zu verringern – Möglichkeiten hinsichtlich unseres Konsumverhaltens oder Lebensstils. Leider wissen wir inzwischen, dass diese Maßnahmen, selbst wenn sie alle ergreifen, nicht ausreichen, um das Klima zu retten.

Glücklicherweise gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die mehr tun wollen. Daher haben wir uns gefragt: Was können wir mehr tun? Und so kamen wir auf das Thema Finanzen. Viele Menschen sind nicht so versiert, wenn es um Investitionen und persönliche Finanzen geht. Soll man dann noch die Klimaauswirkungen mit bedenken, wird es noch schwieriger.

Wenn man nur einen kleinen Betrag pro Monat investieren kann, gibt es keine Anlageprodukte, die die Klimaauswirkungen in irgendeiner Weise quantifizieren. Das wollen wir mit Cooler Future ändern, indem wir Einzelpersonen in „climate activist capitalists“ verwandeln. Das heißt, wir wollen jeder Person die Möglichkeit geben, mit ihrem Geld beziehungsweise ihren Investitionen abzustimmen. Dazu haben wir gerade eine Plattform mit klimawirksamen Investmentprodukten und Bildungsangeboten entwickelt, die es den Menschen ermöglicht, die Kontrolle darüber zu gewinnen, wohin ihre Ersparnisse fließen.

Wie habt ihr Cooler Future finanziert?

Wir haben letztes Jahr eine Finanzierungsrunde von über 1,4 Millionen Euro abgeschlossen. Dabei konnten wir spannende Investoren aus dem Technologiebereich für uns gewinnen – darunter Lifeline Ventures, Nordic Makers und Gary Lin (Purple Orange Ventures).

Welche Kriterien muss ein Unternehmen nachweisen, damit ihr es in euer Portfolio aufnehmt?

Cooler Future wendet einen Impact-First-Ansatz an. Das heißt, wir suchen nach Unternehmen, die den Klimawandel ernst nehmen. Das sind Unternehmen, die den Klimawandel als Teil ihrer Strategie integrieren und sich ehrgeizige Ziele gesetzt haben, um Emissionen zu reduzieren. Oder Unternehmen, die sich vor allem darauf fokussieren, Lösungen zu entwickeln und bereitzustellen, die den Klimawandel abschwächen.

Wie findet ihr die Unternehmen, in die man nach den von euch gesetzten Kriterien investieren kann, die insbesondere ihren CO2-Ausstoß senken?

Als Startpunkt unseres Investment-Universums dient auf der Aktienseite der MSCI All Country World Index. Das ist ein globaler Aktienindex, der sich aus Large- und Mid-Cap-Aktien aus 23 entwickelten und 27 aufstrebenden Märkten zusammensetzt. Und auf der Anleihenseite setzen wir auf den Bloomberg Barclays Global Green Bond Index. Das ist ein globaler Index für festverzinsliche Wertpapiere, mit denen Projekte mit direkten Umweltvorteilen finanziert werden.

Diese Unternehmen und Anleihen prüfen wir auf Basis einer Reihe von ESG-Kriterien. ESG steht für Umwelt-, Sozial- und Corporate Governance und hilft, die Nachhaltigkeit und die gesellschaftlichen Auswirkungen einer Investition in ein Unternehmen zu messen.

So filtern wir zum Beispiel Unternehmen aus der Rüstungsindustrie heraus oder Unternehmen, die durch umstrittene Geschäftspraktiken wie Korruption aufgefallen sind. Die Analyse der Klimadaten führen wir nur für Unternehmen durch, die den ESG-Screen bestanden haben.

Wie analysiert man die Klimadaten?

Die Emissionsdaten der Unternehmen, die wir analysieren, umfassen Scope 1, 2 und 3. Mit Scope 1 sind direkte Emissionen eines Unternehmens gemeint. Scope 2 erfasst die indirekten Emissionen aus der Erzeugung von eingekauftem Strom, Kühlung etc. Scope 3 dokumentiert die indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens auftreten – sowohl vergangene Daten als auch Emissionsminderungsziele. Dies ermöglicht es uns, zukunftsgerichtete Emissionsminderungen für Unternehmen zu berechnen. 

Neben CO2 gibt es noch andere Treibhausgase wie Methan, die sich auch auf das Klima auswirken, aber unterschiedlich stark zum Treibhauseffekt beitragen. Daher nutzen wir die Maßeinheit CO2e, die neben CO2-Emissionen auch Nicht-CO2-Emissionen beinhaltet. CO2e lässt sich berechnen, indem man die Wirkung einer Tonne CO2 mit einer Tonne eines anderen Treibhausgases wie zum Beispiel Methan vergleicht und umrechnet.

Es gibt Unternehmen, die auf den Zug „Nachhaltigkeit/Klimaschutz“ aufspringen, weil sie da die nächsten Umsätze wittern und deren Beweggründe eher Gewinnmaximierung sind. Haben die bei euch eine Chance?

Nein, haben sie nicht. Bei Cooler Future wenden wir einen Impact First-Ansatz an. Wir suchen nach Unternehmen, die den Klimawandel ernst nehmen und ihn als Teil ihrer Strategie integrieren.

Beim ESG- und Klimascreening-Prozess beziehen wir uns auf die Richtlinien der UN Global Compact-Initiative (UNGC) und des Fachverbandes Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sowie auf Artikel 8 und 9 der EU-Taxonomie-Verordnung.

Die Emissionsdaten der Unternehmen beziehen wir über das Carbon Disclosure Project (CDP) und über weitere Quellen wie die Science Based Targets Initiatve (SBTi). Diese werden kontinuierlich überwacht. Und wenn es neue Daten zu einem Unternehmen gibt, fließen diese in unsere Bewertung ein.

Das heißt, Unternehmen können aus unserem Portfolio aussortiert werden, wenn wir kein Wachstumspotential mehr in ihnen sehen oder wenn die Nachhaltigkeitskriterien nicht mehr unseren Ansprüchen genügen. 

Zwei, drei Beispiele für Unternehmen, die mit am Start sein werden …?

Ich kann natürlich jetzt keine Aktienkaufempfehlung abgeben. Wenn man sich nur die Klima-impact Seite anschaut (ohne die finanzielle Analyse zu betrachten), gibt es ein paar spannende Firmen, die höchstwahrscheinlich auch Teil unseres Portfolios werden. Zum Beispiel die dänische Energiefirma Ørsted, die einen Wandel hin zu grüner Energie vollzieht, obwohl sie vor nicht allzu langer Zeit noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig war. Ein anderes Beispiel ist der Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric, der sich ebenfalls sehr ambitionierte Ziele bei der CO2e-Reduktion gesetzt hat. Wie man an diesen Beispielen sieht, sind für uns besonders die Unternehmen interessant, die sich im Wandel befinden und das Ziel gesetzt haben, Ihre Emissionen stark zu reduzieren.

Mit eurer Idee soll die Hemmschwelle für grünes, nachhaltiges Investment ordentlich gesenkt werden. Ihr wollt Menschen auch mit kleinem Budget ansprechen oder solche, die sich aufgrund bescheidener finanzieller Verhältnisse nicht in der Lage sahen, zu investieren. Wie sieht das aus?

Cooler Future ermöglicht es Personen ohne vorherige Investment-Erfahrung oder großem Vermögen, in klimafreundliche Investmentprodukte zu investieren und dadurch messbare Klimaauswirkungen und finanzielle Erträge zu erzielen. Unser Ziel ist es, jedem die Möglichkeit zu geben, klimafreundlich zu investieren. Bei uns ist das schon mit kleinen Beträgen ab 20 Euro möglich. Wir bieten Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit, entweder einmalig zu investieren oder auch einen Sparplan abzuschließen. 

Eine spezielle App soll die Welt des Investments revolutionieren und die erste dieser Art in Europa sein, die in Unternehmen investiert, die den ökologischen Fußabdruck kleinhalten. Wie funktioniert sie? Was sind besonders coole Features?

Das Angebot von Cooler Future ist vor allem eine Kombination aus drei Säulen: Ein firmeneigenes Impact-Modell, das in Zukunft als Grundlage für einen Investmentfonds dient. Eine einfach zu bedienende App, die es jeder und jedem ermöglicht, mit dem Investieren zu beginnen. Und drittens eine starke Community, die Wissen zum Klimawandel und Investieren für alle zugänglich macht.

Um die Investition zu erleichtern, bieten wir in unserer App einen integrierten Onboarding-Prozess, sodass man in einer Sitzung mit der Investition beginnen kann. Kurz gesagt, wir möchten viele auf der Welt zu klimaaktivistischen Investorinnen und Investoren machen und die Finanzindustrie herausfordern, die Klimawirkung als dritte Messgröße neben Risiko und Rendite zu verwenden. 

Gibt es so etwas in dieser Art sonst noch irgendwo auf der Welt?

Ein Unternehmen, das genau unseren Ansatz wählt, haben wir bisher nicht gesehen. Es gibt aber viele verschiedene spannende Unternehmen, die mit interessanten Ideen Investoren die Möglichkeit geben, in nachhaltige Investmentprodukte zu investieren. Zum Beispiel durch direkte Investments in Projekte.

Wann kommt die App von Cooler Future auf den Markt?

Wir planen, im zweiten Quartal dieses Jahres an den Start zu gehen. Man kann sich aber jetzt schon über unsere Webseite auf einer Warteliste eintragen und bekommt dann wöchentliche Updates. Wir informieren auch, sobald wir starten. 

Ist die Welt, auch mit eurem Impact, noch zu retten? Welche Hoffnung treibt euch an?

Wir sind definitiv hoffnungsvoll, ansonsten würden wir das Ganze nicht tun.  Auch wenn wir es mit einem ernsten und beängstigenden Problem zu tun haben, glauben wir, dass Veränderung möglich ist. Aber nur mit einer positiven und proaktiven Einstellung. Deshalb machen wir den Menschen keine Angst vor Veränderungen, sondern zeigen Flagge dafür und machen sie dann möglich. Wenn wir und auch andere genug Menschen von dieser Einstellung überzeugen können, ist ein Herumreißen des Ruders noch möglich.

Noch etwas, das euch wichtig ist?

Je mehr Menschen es gibt, die mit neuen Ideen den Klimawandel bekämpfen, desto besser. Wir hoffen, dass auch in Zukunft Menschen versuchen, sich mit verschiedenen Ansätzen dieses Themas anzunehmen. Wir sind immer interessiert daran, uns über solche Themen auszutauschen und mehr zu lernen. Und wenn irgendwie möglich, arbeiten wir auch gerne zusammen.

 

Mehr Infos zu Cooler Future: https://coolerfuture.com/de

 

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