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"Making a way out of no way": Dazu lädt das National Museum of African American History and Culture in Washington D. C. ein. Ein Museum, das zu einer neuen Verständigung beitragen kann, wenn man sich darauf einlässt.

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von Isolde Hilt

Es ist das jüngste von insgesamt 19 Museen, die die Smithsonian Institution – eine US-amerikanische Forschungs- und Bildungseinrichtung – in Washington D. C. unterhält: das National Museum of African American History and Culture (NMAAHC). 2003 gegründet, wurde es am 24. September 2016 in Anwesenheit des scheidenden US Präsienten Barack Obama eingeweiht. In den USA ist es das einzige Museum, das sich mit Geschichte, Kultur, Rassentrennung und Diskriminierung der Afroamerikaner*innen befasst. Das NMAAHC beherbergt heute über 36.000 Kunstgegenstände, über 100.000 Menschen sind Mitglieder, um das Museum zu unterstützen und voranzubringen. Lonnie G. Bunch, Gründungsdirektor, sagte bei der Eröffnung: „Dieses Museum erzählt die Geschichte Amerikas aus der Sicht der afroamerikanischen Geschichte und Kultur. Das ist die Geschichte Amerikas und dieses Museum ist für alle Amerikaner*innen.“

Ich stehe in der Schlange vor der bronzefarbenen, architektonischen Meisterleistung – entworfen von dem britischen Stararchitekten David Adjaye mit ghanaischen Wurzeln. Auch hier ist die Kontrolle streng, wie tags zuvor im Kapitol, dem Sitz des amerikanischen Kongresses. Die Wartenden vor mir haben ihr Ticket bereits in der Hand. … Hätte ich mir das vorher schon besorgen müssen? Ich frage. Die Frau vor mir, eine Afroamerikanerin, dreht sich um, lächelt mich an und meint, wenn ich wolle, könne ich ein Ticket von ihr haben. Ihre Schwester sei leider erkrankt. Sie besteht darauf, mir den Eintritt zu schenken. Ich bin gerührt und werte das als gutes Zeichen.

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon und frage mich, was mich wohl gleich erwartet. Gedanklich stelle ich mich darauf ein, zuerst einmal mit dem Sklavenhandel konfrontiert zu sein, mit dem alles Leid und die Rassendiskriminierung in den USA und anderen Ländern begann. Den Entschluss, das jüngste Smithsonian von insgesamt 19 Museen zu besuchen, habe ich kurzfristig eine halbe Stunde zuvor getroffen, als ich in unserem Hotel einen Flyer zum NMAAHC fand.

 

„Du musst zuerst die Bilder im Kopf ändern, bevor du Handlungen und Institutionen verändern kannst.“*

Outfit von Jermaine Jackson, The Jackson 5

Das fällt mir als Erstes auf: Unter den Besucher*innen lassen sich Weiße nahezu an einer Hand abzählen. Vielleicht ist es nur an dem Tag im August so? Jeder Schritt mehr durch diese lebendige Kultur- und Geschichtsstätte lässt eigene Klischees, Vermutungen, innerliche willkürliche Zuordnungen in sich zusammenfallen.

Jeder Schritt mehr … der sich beim Betreten des ersten Saals in viele schnelle, kraftvolle, faszinierende Schritte verwandelt. Die Ausstellung beginnt komplett anders als erwartet. Ein Step-Team auf einer großen Leinwand begrüßt dich und lädt dazu ein, sich in stepping zu versuchen. Ein afroamerikanischer Tanz, bei dem der Körper zum Multiinstrument wird: Komplexe Rhythmen und Geräusche formen sich durch verschiedene, schnell aufeinanderfolgende Schritte, gesprochene Worte und Händeklatschen zu einer mitreissenden Komposition. „In jedem Beat steckt viel Arbeit und Hingabe. Das schweißt uns zusammen, wenn wir es richtig machen …“ (Heidi Barker, Sorority Step Team Member). Musik, das wird im Laufe der Ausstellung immer wieder deutlich, ist das Mittel schlechthin, um Ohnmacht, Diskriminierung, Gewalt, Traurigkeit zu besiegen, um sich selbst zu finden und das eigene Leben zurückzutrotzen.

 

Schritt für Schritt gegen Rassentrennung und Segregation

Shirley Anita St. Hill Chisholm, erste afroamerikanische Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus

Nichts in den USA war selbstverständlich für afroamerikanische Menschen. Paul Robeson war der erste schwarze Schauspieler am Broadway – in der Hauptrolle als Othello von Shakespeare 1943. Augustus L. Johnson und Malinda Murphys Heiratsurkunde aus dem Jahr 1874 ist ausgestellt. Das Recht zu heiraten galt erst seit 1868. Rosa Parks löste eine der wichtigsten Revolutionen aus: Im Dezember 1955 weigerte sie sich, in einem Bus ihren Platz für einen Weißen freizugeben. Der legendäre Busboykott von Montgomery, u. a. unterstützt von Martin Luther King, endete ein Jahr später mit einem Urteil des Obersten Gerichtshofs, das die Segregation in Bussen für verfassungswidrig erklärte.

Ob Bildung, Gesundheitswesen, Medienbereich, Sport oder Kultur – in jedem Lebensbereich erkämpften sich Frauen und Männer ihren Platz. Nie waren es „nur“ persönliche Erfolge, sondern wesentliche Errungenschaften für alle Afroamerikaner*innen: die Medaillen und Weltrekorde des Leichtathleten Jessie Owens; die erste erfolgreiche Wahl ins US-Abgeordnetenhaus von Shirley Anita St. Hill Chisholm; ein Oscar für die beste Filmmusik und etliche Grammy Awards für Herbie Hancock; die Ernennung von Mary McLeod Bethune u. a. zur Präsidentin des National Council of Negro Women und auch des NAACP, der einflussreichsten schwarzen Bürgerrechtsorganisation.

 

Die Geschichte nicht verdrängen, sondern gemeinsam daraus lernen

60 Prozent der Ausstellung befinden sich unter der Erde. Sie befassen sich mit den Themenschwerpunkten „Sklaverei und Freiheit“, „Verteidigung der Freiheit, Definition der Freiheit: die Ära der Segregation“ und „Amerika im Wandel: 1968 und darüber hinaus“. In den oberen Stockwerken zieht ein Areal hinter Glas die Aufmerksamkeit besonders auf sich. Ein groß an der Tafel angebrachter Plan zeigt eine Ahnentafel. Afroamerikanische Besucher*innen können sich hier auf der Suche nach ihren Wurzeln Rat holen und informieren lassen. Der Andrang ist groß.

Das jüngste Smithsonian Museum ist nicht nur ein Dokument über die Geschichte und Kultur der Afroamerikaner*innen. Amerika ist ohne diesen Bevölkerungsteil undenkbar, der Reichtum in allen Lebensbereichen eng mit den Menschen, die ihre Wurzeln in Afrika haben, verwoben. Das NMAAHC bietet die große Chance, aufeinander zuzugehen, anzuerkennen, was war und gemeinsam, auf Augenhöhe, für eine Gesellschaft einzutreten, in der alle die gleichen Rechte und Pflichten haben.

 

* John H. Johnson, US-amerikanischer Journalist, Gründer des Magazins Ebony

Mehr Infos zum National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) unter: https://nmaahc.si.edu/

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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