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Seit elf Jahren klettern Menschen mit und ohne Behinderung in einer starken Gemeinschaft zusammen.

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von Kristin Frauenhoffer

Foto: „Ich will da rauf! e.V.“

„Ich will da rauf!“: Das war der unbedingte Wunsch von Linda, die nach einer Routine-OP eine schwere Behinderung davontrug und seither auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Da rauf“ bedeutete die Kletterwand hoch. Nachdem sie ein Physiotherapeut mit in die Kletterhalle genommen hatte, packte sie das Kletterfieber. Dass sie behindert ist, war ihr egal. Sie wollte die Herausforderung annehmen und sich „zurück ins Leben klettern“. 

Eine starke Gemeinschaft und gelebte Inklusion

Weil es in ihrer Heimatstadt München aber keine Angebote für Kletterkurse für Menschen mit Behinderung gab, gründete sie spontan den Verein „Ich will da rauf! e. V.“ – kurz „IWDR“.
Das war 2008 und mittlerweile ist der Verein auf eine stattliche Größe angewachsen. Es gibt 14 inklusive Klettergruppen, die sich im zweiwöchigen Rhythmus treffen. Die Teilnehmer*innen sind zwischen 6 und 81 Jahre alt. Alle Gruppen sind gemischt. Das bedeutet, Menschen mit und ohne Behinderung klettern gemeinsam. Die Herausforderung dabei ist immer, wie man trotz unterschiedlicher Bedürfnisse der einzelnen Teilnehmer*innen ein gutes Miteinander gestalten kann. Der IWDR schafft diesen Balanceakt. Die gelebte Inklusion kommt bei den Mitgliedern sehr gut an. „Sie sehen den IWDR als starke Gemeinschaft, in der jeder so sein kann, wie er ist und akzeptiert wird“, sagt Katrin Eisenhofer, die die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins leitet.

Viele Auszeichnungen zeigen, dass Klettern wirkt

Für dieses Engagement wurde der IWDR seit seiner Gründung mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er bekam unter anderen im Jahre 2011 den ISPO Brand New Social Award, wurde 2012 auf der Landkarte der inklusiven Beispiele in Deutschland eingetragen oder erhielt 2014 das Phineo Wirkt-Siegel als besonders wirkungsvolles Projekt im Bereich Inklusion. Besonders herausragend aber ist die derzeitige Nominierung bei den #BeInclusive Awards 2019. Hier vergibt die Europäische Kommission am 21. November in Brüssel Preise an die besten inklusiven Projekte Europas. „Ich will da rauf!“ ist unter dem Projektnamen „Rocking Inclusion“ mit dabei. Hier wollen sie zeigen, warum Klettern der ideale gemeinsame Sport für Menschen mit und ohne Behinderung ist. Hier geht es nämlich nicht nur darum, den Körper zu stärken, sondern vor allem um Vertrauen, „einen guten Kopf“, also Mut und Kreativität.

Jede*r hat seine eigenen Herausforderungen

Foto: „Ich will da rauf! e.V.“

Beim Klettern haben alle die gleichen Hindernisse zu überwinden. Denn Klettern bedeutet, den eigenen Körper zu spüren, sich anzustrengen, immer wieder zu scheitern und es am Ende doch zu schaffen. Genau das ist aber auch der Alltag vieler Menschen mit Behinderungen. Vor allem, wenn die Behinderung keine angeborene ist. Alles wieder neu lernen zu müssen – so wie die Linda –  ist harte Arbeit. Sich eine Kletterroute zu erarbeiten, auch. Da ist es egal, auf welchem Niveau man klettert. Die Herausforderung bleibt die gleiche.

Die Huberbuam sind Gründungsmitglieder

Sogar Kletterikonen wie Alexander und Thomas Huber – besser bekannt als die Huberbuam – stehen immer wieder vor dieser Herausforderung. Sie sind Gründungsmitglieder des Vereins und haben sich von Anfang an für die Idee begeistert. Auch heute noch sind sie immer wieder bei Klettertrainings dabei und geben Profitipps. „Es gibt nicht viele Vereine, die Inklusion so praktizieren wie der IWDR“, sagt Alexander Huber.

Der Verein „Ich will da rauf!“ kann den Bedarf nicht decken

Und das merkt man. Die Nachfrage nach den inklusiven Angeboten ist enorm. Alle Klettergruppen sind voll besetzt und es gibt eine lange Warteliste mit Interessent*innen. Weil im Klettersport das Thema Sicherheit ein ganz wichtiges ist, werden die Klettergruppen im IWDR e. V. von erfahrenen Klettertrainer*innen und Ehrenamtlichen betreut. Diese nehmen regelmäßig an kostenlosen Workshops zu den Themen Sicherheit, Klettern mit Behinderung und Inklusion teil, die vom Verein organisiert werden. Leider kann der Verein den Bedarf in München nicht decken, weil er an seine finanziellen und organisatorischen Grenzen stößt.

Das Ziel: Noch mehr inklusive Klettergruppen

Foto: „Ich will da rauf! e.V.“

Klettern ist ein teurer Sport und Inklusion kostet Geld. „Damit sich jede*r bei uns das Klettern leisten kann, sind unsere Mitgliedsbeiträge sehr günstig. Den Großteil unserer Ausgaben finanzieren wir über Spenden und Fördergelder“, erklärt Katrin Eisenhofer. Weil auch deutschlandweit die Nachfrage steigt, hat der Verein dieses Jahr das Projekt „Seilschafft Inklusion!“ gestartet. Damit unterstützt er Menschen, die in ihrem Umfeld inklusive Klettergruppen gründen möchten. Mit seinem Knowhow berät der IWDR beim Aufbau; mit dem Ziel, noch mehr Menschen mit und ohne Behinderung das gemeinsame Klettern zu ermöglichen und Inklusion weiterzuverbreiten.

Die Herausforderung für 2021: Förderer finden!

In einem Jahr steht der IWDR e. V. vor seiner ganz eigenen großen Herausforderung. Die Finanzierung des Angebots und der Aktivitäten ist ab 2021 nicht mehr gesichert. Aber eine sichere finanzielle Basis ist dringend notwendig. Daher ist der Verein auf der Suche nach Förderern und Partner*innen, auch Firmen, die seine Vision von Inklusion unterstützen.

Möchtet ihr dem Verein „Ich will da rauf!“ helfen, dann findet ihr hier verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung: https://www.iwdr.de/spenden-und-helfen/

 

 

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