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Wer sich auf eine öffentlich aufgestellte Mitfahrbank setzt, zeigt an, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht. Ein zukunftsfähiges Konzept?

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von Florian Roithmeier

Während in Städten wie Berlin der Bus oder die S-Bahn fast minütlich fährt, kommen vor allem auf dem Land Nahverkehrsmittel vergleichsweise selten – wenn überhaupt. Eine Idee, die dem abhelfen kann, ist die Mitfahrbank. Das ist eine im öffentlichen Raum aufgestellte Sitzbank mit einem besonderen Zweck: Indem sie sich hinsetzen, signalisieren die Wartenden, dass sie auf eine Mitfahrgelegenheit zu einem bestimmten Ziel warten. good news for you hat sich das Konzept in zwei Orten angesehen und nachgefragt, wie es ankommt.

Die Mitfahrbänke können überall stehen: am Supermarkt, an der Schule oder am Hauptbahnhof. Sie helfen einerseits, das Nahverkehrsangebot zu verbessern, andererseits bieten sie Menschen, die kein Auto mehr fahren können oder keines haben, die Möglichkeit, mobil zu bleiben. Mitfahrbänke gibt es seit einigen Jahren in immer mehr Gemeinden in ganz Deutschland. Am Montag, 27. Mai, hat beispielsweise Lauterhofen in der Oberpfalz eine Mitfahrerbank erhalten. Im bayerisch-hessischen Grenzgebiet gibt es ein ähnliches Konzept unter dem Namen Der Fahrstuhl. In einigen Gemeinden werden die Mitfahrbänke häufig, in anderen dagegen kaum genutzt.

Die Mitfahrbank hat Vor- und Nachteile

Welda ist ein Ortsteil von Warburg in Nordrhein-Westfalen mit rund 850 Einwohnern. Ortsvorsteher Hubertus Kuhaupt hat die Mitfahrbank dort initiiert. „Die Bank ist nicht als Massenverkehrsmittel gedacht und soll keine Konkurrenz zum ÖPNV werden“, betont er. Sie sei eine Ergänzung für das Nahverkehrsangebot, denn vor allem am Wochenende fahren kaum Busse. Doch nur wenige Menschen nutzen die Bank seit ihrer Aufstellung 2017. „Wir glauben, dass der Trend vor allem im ländlichen Raum zum Zweitauto geht. Jede*r möchte mobil sein. Das kann unsere Mitfahrbank nur bedingt gewährleisten“, erklärt Kuhaupt im Gespräch mit good news for you. Dennoch bleibt die Bank stehen: „Schließlich kann man sie immer noch als Ruhebank nutzen.“

Ein Nachteil der Mitfahrbänke: Eine Garantie, mitgenommen zu werden, gibt es nicht. Daher kann es sein, dass man vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit wartet. Aus diesem Grund empfiehlt der ADAC die Mitfahrbänke vor allem Menschen, die zeitlich flexibel sind. Auch der Sicherheitsaspekt spielt eine Rolle. Schließlich weiß man oft nicht, wer einen da mitnimmt. Vor allem Eltern möchten dann nicht, dass ihre Kinder die Mitfahrbank nutzen. Andererseits kennen sich die Menschen auf dem Land – ein Argument wiederum für die Mitfahrbänke.

Die Mitfahrbank in Welda.

In Schuttertal kommen die Bänke sehr gut an

Positive Erfahrungen mit Mitfahrbänken hat die Gemeinde Schuttertal in Baden-Württemberg gemacht. Über 13 Haltestellen des „Mitfahrbänkles“ gibt es in der 3.200-Einwohner-Gemeinde. Wer jemanden mitnehmen möchte, muss sich zunächst mit Namen und Adresse bei der Gemeinde anmelden und erhält dann einen Aufkleber, den man auf die Windschutzscheibe klebt. Damit weiß auch der bzw. die potentielle Mitfahrerende, dass ein*e angemeldete*r Fahrer*in unterwegs ist. Rund 400 Fahrer*innen aus allen Bevölkerungsschichten haben sich laut Projektleiterin Lucia Eitenbichler angemeldet – und das, obwohl es das „Mitfahrbänkle“ erst seit Februar 2019 in Schuttertal gibt.

„Ich weiß von vielen, die nur darauf warten, an den Bänken vorbeizufahren und jemanden mitnehmen zu dürfen“, schildert Eitenbichler im Gespräch mit good news for you. Jugendliche, aber auch Erwachsene nutzen das Angebot. Der Sorge, das Angebot könnte missbraucht werden, entgegnet Lucia Eitenbichler: „Selbstverständlich kann jede*r frei entscheiden, ob er bzw. sie jemanden mitnimmt oder auch andersherum, bei jemandem mitfährt.“ Auch versicherungsrechtlich gebe es keine Probleme, da alle Mitfahrenden über die Haftpflichtversicherung des Fahrers versichert seien.

Wie die Mitfahrbank zum Erfolg wird

Ob Mitfahrbänke gut angenommen werden oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab: zum Beispiel von der Akzeptanz in der Bevölkerung oder der Lage der Mitfahrbänke. Laut Lucia Eitenbichler und auch dem ADAC ist aber vor allem eines wichtig: Marketing. „Das Mitfahrbänkle war Gesprächsthema Nummer 1 in Schuttertal. Es ist entscheidend, die Mitfahrbänkle so in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen, dass darüber gesprochen wird. Dazu haben wir das Mitfahrbänkle öffentlichkeitswirksam mit Flyern und immer wieder in der Presse publik gemacht und die Bevölkerung in den Entstehungsprozess miteinbezogen. Bauhof, Schuttertäler Bürger*innen und geflüchtete Menschen, die in Schuttertal wohnen, haben die Bänkchen gemeinsamen gestrichen. Es braucht viele Aktionen, an denen die Leute beteiligt werden und über die man spricht“, erinnert sich Eitenbichler.

Fazit: Die Mitfahrbank kann ein gutes und günstiges Konzept sein, um auf dem Land Mobilität zu gewährleisten. Es funktioniert, wenn man sich darauf einlässt und es ausreichend bekannt macht. Auch, wenn sie mancherorts selten genutzt wird, verdient die Idee dahinter Anerkennung!

 

Wie findest du die Mitfahrbank? Tolle Mobilitätsidee oder eher skeptisch? Schreib‘ uns deine Meinung ins Kommentarfeld am Ende der Seite 🙂 Herzlichen Dank!

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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