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Der Verein "Gefangene helfen" möchte mit Präventionsarbeit junge Menschen davor warnen, auf die schiefe Bahn zu geraten. Die Referenten sind ehemalige Straftäter.

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von Florian Roithmeier

Henry-Oliver Jakobs saß jahrelang im Gefängnis, weil er einen Menschen getötet hatte. Heute gibt er an Schulen Präventionsunterricht.

An einem Tag im August 1995 änderte sich das Leben von Henry-Oliver Jakobs komplett. An diesem Tag schoss er in Hamburg auf zwei Menschen. Einer starb, eine Person verletzte er schwer. Wegen dieser Tat saß Jakobs 19 Jahre im Gefängnis.

Heute hilft er mit seinem Verein „Gefangene helfen“ Kindern und Jugendlichen. Henry-Oliver und sein Team gehen an Schulen und geben Präventionsunterricht. Sein Wunsch: Keine*r soll das erleben müssen, was er wegen seiner kriminellen Geschichte durchmachen musste.

Schon früh stand Jakobs in Konflikt mit dem Gesetz.

„Als Kind wurde ich von der Familie sehr verwöhnt. Es gab nur wenige Vorschriften, überwiegend konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Regeln hielt ich lediglich – mehr oder weniger – in der Schule ein, welche ich dann mit der mittleren Reife abschloss“, erzählt Henry-Oliver.

Schon früh wurde er kriminell: „Mit etwa acht Jahren wollte ich meine Grenzen ausloten und beging Diebstahl. Als ich zwölf war, begann ich mit Kampfsport und setzte den bei Bedarf auf der Straße ein. Es folgten Einbrüche, Raubüberfälle, Bedrohungen, Schlägereien, schwere Körperverletzungen und der Kontakt mit Drogen und Alkohol.“

1995 dann der traurige Höhepunkt: Bei einem geschäftlichen Streit schoss der damals 24-Jährige auf zwei Menschen. Einer starb, der andere wurde schwer verletzt. Henry-Oliver Jakobs wurde verhaftet, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und saß 19 Jahre in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg.

Die Zeit im Gefängnis prägte ihn.

An die Tat als solche, wie es ihm erging, als klar war, dass er einen Menschen getötet hat, daran kann sich Henry-Oliver nicht mehr erinnern. Im Gespräch mit good news for you erzählt er: „Das war keine Affekttat. Gewalt war für mich damals legitim. Es war wie bei einem Marathon. Man läuft erst wenige Kilometer und dann immer mehr. Das steigerte sich immer mehr, bis es letzten Endes zu dieser Tat kam.“

Die Zeit in der Justizvollzugsanstalt prägte ihn: „Der Wandel zu einem anderen Menschen passierte nicht von jetzt auf gleich, sondern war ein langer Prozess. Ich war sieben Jahre in Sozialtherapie, habe viele psychologische Gespräche geführt. Im Gefängnis begann ich eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, die ich verkürzt in zwei Jahren bestanden habe. Ab 2000 war ich ehrenamtlich in der Präventionsarbeit mit kriminellen Jugendlichen aktiv.“

Der Verein „Gefangene helfen“

2017 gründete Henry-Oliver Jakobs den Verein „Gefangene helfen“.

Um Kinder und Jugendliche zu warnen, gründete Henry-Oliver Jakobs 2017 den Verein „Gefangene helfen“. In ihm engagieren sich ehemalige Gefangene, Pädagog*innen, Therapeut*innen und Unternehmer*innen. Ziel des Vereins ist es, Schulkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor Augen zu halten, was passiert, wenn man kriminell wird. Dazu gehen Henry-Oliver und sein Team in Schulen bzw. zu Jugendhilfeträgern und bieten dort unter anderem Anti-Gewalt-Training, sozial förderndes Boxen oder Rollenspiele an. Auch er erzählt vom Leben im Gefängnis.

Henry-Oliver ist wichtig, dass ehemalige Inhaftierte den Unterricht halten: „Die Ex-Gefangenen wissen aus eigener Erfahrung, wovon sie sprechen. Sie haben die negativen Folgen des eigenen kriminellen Handelns selbst erlebt. Dementsprechend können sie ihre Botschaft glaubhaft vermitteln. Das unterscheidet unseren Präventionsunterricht von dem der Polizei oder von anderen Trägern.“

„Oft stehe ich vor Jugendlichen, in denen ich mich zu meinen kriminellen Zeiten wiedererkenne. Meine Motivation ist, gemeinsam mit der betreffenden Person Wege zu finden, andere zu schützen und auch sie selbst“, ergänzt er.

„Gefangene helfen“ unterstützen

Die Nachfrage nach Präventionsunterricht ist enorm. „Ich könnte montags bis freitags durchgehend unterrichten“, so Henry-Oliver. Vier Unterrichtsstunden kosten samt Vor- und Nachbereitung etwa 500 Euro. Geld, das Schulen oft nicht haben. Deshalb wird der Unterricht bei Bedarf durch den Verein finanziert, vor allem über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Zu den Förderern des Vereins gehört unter anderem das Jugendaufbauwerk Schleswig-Holstein.

Transparenz ist Henry-Oliver Jakobs auch angesichts seiner Vergangenheit wichtig. Deshalb findet man die Jahresberichte des Vereins auf dessen Homepage.

Schulen oder andere Träger aus dem Raum Hamburg/Schleswig-Holstein, die an den Angeboten von „Gefangene helfen“ interessiert sind, können sich telefonisch oder per E-Mail beim Verein melden.

Über einen Mitarbeiter des Vereins, der ebenfalls im Gefängnis saß, schreibt ein Teilnehmer nach dem Unterricht: „Keine Frage, er hat Dinge getan, die schlimmer nicht hätten sein können. Für mich zählt sein jetziger Wille, das er in seinem Wesen ausdrückt, dass er nicht stolz auf seine Vergangenheit ist und Reue spürt.“

Mehr zum Verein „Gefangene helfen“ gibt es auf www.gefangene-helfen.de.

 

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Auch ein tolles Projekt zum Schutz von Kindern und Jugendlichen:

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