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Landflucht:

Es sind die kleinen Dinge

„Es sind die kleinen Dinge“ ist ein wunderbarer Film darüber, was das Leben auf dem Land ausmacht und wie stark die Gemeinschaft sein kann.
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von Gerda Stauner

Knapp eine Million Zuschauer*innen haben den Film „Es sind die kleinen Dinge“ der Regisseurin Mélanie Auffret in Frankreich bereits gesehen. Nun ist die Komödie auch in Deutschland angelaufen und alle können mitfiebern, wie sich ein kleines Dorf in der Bretagne gegen die Bürokratie der Behörden zur Wehr setzt. Nebenbei versucht der alternde Émile noch Lesen und Schreiben zu lernen. Unterstützt wird er dabei von Alice, die gleichzeitig Lehrerin und Bürgermeisterin der 400-Seelen-Gemeinde ist. Das Chaos ist vorprogrammiert, aber die Dorfgemeinschaft findet immer wieder Wege, zusammenzuhalten.

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Zu Beginn des Films dreht Alice, überzeugend gespielt von Julia Piaton, ein kleines Video, um über Social Media neue Betreiber für die leerstehende Bäckerei zu finden. Ein kurzer Blick über den Dorfplatz zeigt, dass auch andere Geschäfte, Immobilien und das Bistro leer stehen. Auch im Rathaus ist die Bürgermeisterin gefragt. Nacheinander hört sie sich Klagen über den Gesundheitszustand oder heikle Ausführungen über Eheprobleme der Einwohner*innen an. Die Bürgermeisterin ist Kummerkasten, Therapeutin und Managerin in einem. Doch damit nicht genug. Vom Rathaus hetzt Alice weiter, um eigenhändig ein Schlagloch auf der Dorfstraße mit heißem Teer zu füllen und danach die Grundschulkinder der kleinen Gemeinde zu unterrichten.

Bürgermeisterin als Multitalent

Doch auch in der Schule hat Alice nicht viel Zeit, um sich um ihre Schützlinge zu kümmern. Ein aufgeregter Autofahrer stützt herein und berichtet von einem Unfall. Die Bürgermeisterin versucht, zwischen den Beteiligten zu schlichten. Schnell stellt sich heraus, dass der hitzköpfige Émile, gespielt von Michel Blanc, das Formular für die Versicherung nicht ausfüllen kann. Alice bleibt verdutzt zurück, doch schon am nächsten Tag tauch Émile bei ihr in der Schule auf, um mit 65 Jahren endlich das Lesen und Schreiben zu lernen.

Zuerst weigert sich Alice, den Rentner in ihre Klasse aufzunehmen. Doch Émile war ein Schulfreund ihres Vaters und daher lässt sie sich auf den ungewöhnlichen Schüler ein. Nach und nach freunden sich auch die Kinder mit dem alten Mann an. Doch dann steht plötzlich der Schulinspektor vor der Tür und droht, die Dorfschule zu schließen, weil dort zu wenig Kinder beschult werden. Und wieder steht Alice vor einer neuen Herausforderung, die sie irgendwie meistern muss.

 

„Es sind die kleinen Dinge“ erzählt vom Leben auf dem Land

Mit ihrem Film „Es sind die kleinen Dinge“ wirft Regisseurin Mélanie Auffret einen optimistischen und authentischen Blick auf eine Welt, fernab der Zentren und Metropolen Frankreichs. Die Filmemacherin selbst stammt aus der ländlichen Bretagne und ließ sich für ihren Film vom Alltag ihrer Verwandten und Bekannten inspirieren. „Es sind die kleinen Dinge“ ist ein Stoff, dem es gelingt, auf leichte Weise wichtige, gesellschaftliche Probleme wie Landflucht anzusprechen.

Der Film erzählt aber auch eine andere Geschichte – die einer erstaunlich aktuellen und weitgehend unbekannten Notlage. Er wirft ein Schlaglicht auf den Analphabetismus, von dem heute in Frankreich nach wie vor mehr als 2,5 Millionen Menschen betroffen sind. In einer Welt, in der alles geschrieben steht, wird es ihnen unmöglich gemacht, die kleinsten Dinge zu verrichten. Grundlegende Dinge sind ihnen verwehrt. Es ist ihnen unmöglich, den Führerschein zu machen oder Rechnungen zu lesen. Durch sein Handicap entgeht auch Émile vieles, was das Leben lebenswert macht. Sogar seine Jugendliebe musste er aufgeben, weil er die Briefe seiner Angebeteten nicht lesen konnte. Émiles Unsichtbarkeit ist Sinnbild für die Unsichtbarkeit der ländlichen Bevölkerung.

 

Was ist wichtig im Leben?

Im Film versucht Alice, alles richtig zu machen und kämpft für ihre Schule, für ihr Dorf, für Émile und alle anderen Bewohner*innen. Dabei opfert sie sich selbst zunehmend auf und ihr Privatleben leidet stark darunter. Irgendwann steht sie dann vor der Frage, was aus ihr selbst werden soll. Die Schauspielerin Julia Piaton fasst den Zwiespalt von Alice gut zusammen: „Sie ist eine komplexe Figur und befindet sich in einem Dilemma, das den Film durchzieht: Soll sie sich weiterhin mit Leib und Seele für das Dorf einsetzen oder soll sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich erlauben, von etwas anderem zu träumen? Indem sie sich nicht endgültig entscheidet, macht es sich die Regisseurin Mélanie Auffret nie zu einfach, sondern zeigt gleichzeitig, was man verlieren oder gewinnen kann – je nachdem, welche Entscheidungen man trifft.“

Der Film bietet vergnügliche 90 Minuten und ist ein hinreißendes Plädoyer, dass es tatsächlich die kleinen Dinge sind, die eine funktionierende Gemeinschaft ausmachen.

 

Weitere Infos und den Trailer findet ihr hier: https://happy-entertainment.de/es-sind-die-kleinen-dinge/

 

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