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Landleben als Experiment:
Neues ausprobieren

Innerhalb von neun Monaten veränderte Laura Wagner ihr Leben. Sie brach ihre Zelte in Berlin ab, um das Experiment Landleben zu starten.
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von Gerda Stauner

Von hundert auf null, so könnte man in Kürze beschreiben, wie die ehemalige Wahlberlinerin ihr Leben entschleunigt hat. Nach einem Besuch bei ihrer Oma an Silvester 2021 in einem kleinen Dorf in Bayern hatten sie und ihr Mann keine Lust, nach Berlin zurückzukehren. Beide fühlten sich auf dem Bauernhof der Großmutter wohl, das Leben dort war naturnah und entschleunigt. Kurzerhand beschlossen sie, ihre Jobs in Berlin aufzugeben und nach Thanheim in die Nähe von Amberg zu ziehen. Seit September 2022 leben die beiden nun dort. Innerhalb eines Jahres hat die junge Frau nicht nur einen eigenen Garten angelegt. Sie hat auch den ehemaligen Schweinestall renoviert, Hügelbeete gebaut und verschiedenste Gemüsesorten angepflanzt. Außerdem probiert sie unterschiedliche Methoden aus, um die Früchte ihrer Arbeit länger haltbar zu machen. Ihr Ziel: Ein Buch über ihre Zeit auf dem Land zu schreiben, das zum Teil Erfahrungsbericht, zum Teil Kochbuch und zum Teil Bildband werden soll. Einen Verlagsvertrag hat sie bereits in der Tasche.

An einem sonnigen Freitagnachmittag treffe ich mich mit Laura Wagner in einem Café. Es ist noch warm und wir setzen uns an einen Tisch im Freien. Laura wirkt in ihrer legeren Kleidung ganz natürlich. Ihre Haut ist leicht gebräunt, die dunklen Haare sind zu einem lässigen Dutt hochgesteckt und ihr Lachen ist sehr einnehmend. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie sie zwischen Gemüsebeeten Unkraut zupft, Zucchini erntet oder Äpfel einkocht. Doch bis September 2022 sah der Alltag der jungen Frau noch ganz anders aus. Bis dahin verlief ihr Leben in der Hauptstadt ziemlich turbulent, denn Laura arbeitete vier Jahre lang als stellvertretende Marketingleitung der Staatsoper Berlin.

 

Auf der Suche nach Highlights

Ohne Wehmut erzählt sie davon, wie anders dieses Leben war. Es war geprägt von Treffen mit Stars aus der Opernszene, mit Gesprächen darüber, welche neue Sternerestaurants gerade angesagt sind und wann das nächste Event in der Feinkostabteilung des KaDeWe stattfinden würde. Auch Laura wollte die angesagten Locations ausprobieren, wollte mitreden können. Denn das war auch Teil ihres Jobs. Netzwerken gehörte zum Business. Und bei den vielen Veranstaltungen, die sie berufsbedingt besuchen musste, gehörte es ebenfalls dazu, entsprechend gekleidet zu sein.

 

Ab und zu Ausflüge in die Stadt

„Die erste Zeit auf dem Dorf achtete ich nicht besonders darauf, wie ich mich kleidete. Irgendwann meinte mein Mann, dass es gut wäre, wenn ich zumindest mal wieder eine Jeans anziehen würde. Ich glaube, auch meine Eltern waren etwas beunruhigt, weil ich nur noch praktische Kleidung trug. Seitdem achte ich wieder mehr darauf, was ich anziehe“, meint Laura und lacht. Ihr Blick wandert zu der Papiertasche, die neben ihr auf dem Boden steht, und sie meint, dass sie Ausflüge in die Stadt mittlerweile auch wieder nutze, um sich ein neues Kleid zu kaufen oder neues Essen auszuprobieren. Denn da sie kein Auto besitzt, hat sie nicht immer die Möglichkeit, das Dorf zu verlassen.

Landleben macht nicht alles besser

Die Frage, ob ihr neues Leben hilfreich dabei ist, zu sich zu kommen und bei sich zu bleiben, kann sie nicht eindeutig mit ja beantworten. Auch in Berlin habe sie Selfcare betrieben, habe meditiert und auf sich geachtet. Nur weil sie jetzt auf dem Land lebt, bedeute das nicht, dass automatisch alles besser klappen würde. Auch bei ihrer Arbeit im Garten gibt es immer wieder Misserfolge. Sie habe aber schon früh gelernt, mit Herausforderungen umzugehen, erklärt Laura und schmunzelt. „Nach neun Semestern musste ich leider mein Architekturstudium aufgeben. Da hätte ich mich dann auch hängenlassen können. Aber ich habe mir eine Alternative gesucht und neu angefangen.“ Laura meint weiter, sie wäre schon immer ein sehr reflektierter Mensch gewesen und sei mit Bezugspersonen aufgewachsen, die ihr immer Mut gemacht hätten. Das alles habe ihr auch bei ihrem Neuanfang im Dorf geholfen. Auch ihre Eigenschaft, anderen Menschen wertfrei zu begegnen, helfe ihr in Thanheim weiter. Laura könne andere Menschen einfach so sein lassen, wie sie sind. Das spüren wohl auch ihre neuen Nachbarn und nehmen sie gerne in die Dorfgemeinschaft auf, wie sie sagt.

 

Supper Club als Experiment

Ihr Leben auf dem Land empfindet Laura ein wenig wie ein Experiment. Sie möchte dort so viel Neues wie möglich ausprobieren. Denn jede Erfahrung bringe sie weiter, erklärt sie und lacht wieder. Für das kommende Jahr hat sie sich eine neue Herausforderung überlegt. Sie möchte  ab Mai 2024 einen Supper Club im ehemaligen Schweinestall anbieten. Dabei handelt es sich um einen privaten Kochevent, bei dem es um gutes Essen in ungezwungener Atmosphäre geht. Zehn Menschen werden dann an einem großen Tisch auf dem Bauernhof in Thanheim zusammensitzen und von Laura bekocht werden. Das Menü wird vorab nicht verraten. Es kann in jede Länderküche der Welt gehen, eine klassische Menüfolge sein oder etwas ganz anderes. Laura erzählt davon mit strahlenden Augen und ich kann mir bildhaft vorstellen, wie ihr Konzept aufgehen und sie andere Menschen mit ihren Ideen beglücken wird. Experiment gelungen.

Fotocredit: Nadine Rodler

 

Mehr über Lauras Experiment Landleben und die Termine für den Supper Club findet ihr hier: https://www.thanheim.com/

 

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