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2020 ging eine Geschichte um die Welt, die viele Menschen berührte. Die Flaschenpost der Familie Gogos erreichte nach sieben Jahren Neuseeland. Jetzt fehlt nur noch das Happy End.

Gefällt dir? Vielen Dank fürs Teilen!

 

Interview: Isolde Hilt

Foto: Julia Gogos

War es der Bucklands Beach, der Orewa Beach, der Piha Beach oder doch der Karekare Beach? Das weiß niemand so recht. Bekannt ist nur, dass an einem dieser Strände bei Auckland in Neuseeland im südlichen Pazifik eine Geschichte ihren Höhepunkt fand, die acht Jahre zuvor in Bonn begonnen hatte. Die Geschichte mit der Flaschenpost.

Julia Gogos hatte mit ihren beiden Kindern, damals noch im Kindergartenalter, einer Freundin und deren Kindern einen Ausflug an den Rhein gemacht. Kinder lieben Erzählungen. Und was könnte spannender sein, als selbst eine Geschichte zu kreieren, von der man nicht weiß, wie sie ausgeht? Dass sich diese Geschichte so genial entwickelt, konnte niemand ahnen. Eines aber steht doch noch aus, wie es scheint: das perfekte Happy End.

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Liebe Julia, wie kamt ihr damals auf die Idee mit der Flaschenpost?

Ich hatte damals eine kleine Flasche im Look einer flachen Flaschenpost geschenkt bekommen. Es war ein sonniger Nachmittag am Rhein und irgendwie kamen wir auf die Idee, eine kurze Nachricht zu schreiben und sie in der Flasche als Post auf den Weg zu schicken. Um ehrlich zu sein, allzu viel Hoffnung hatten wir nicht, dass diese Flasche es weiter als bis um die nächste Biegung schafft.

Was stand auf der Nachricht drauf?

„Lieber Finder, schick uns bitte einen Brief, wenn Du die Flaschenpost gefunden hast. Euer Silas, Frida, Maja, Jon.“

Du hast erzählt, das sei vermutlich die „schlechteste“ Flaschenpost der Welt gewesen. Warum?

Na ja, die Kinder haben uns den Text diktiert. Er war jetzt nicht gerade literarisch wertvoll und noch nicht einmal besonders freundlich oder enthusiastisch geschrieben. Dazu kam, dass die Nachricht auf einem Werbeblock verfasst war. Auch nicht gerade stilvoll.

Wir hatten leider auch kein Datum darauf geschrieben, um zurückverfolgen zu können, wie lange die Nachricht unterwegs war. Und weil das noch nicht reicht, hatte sich in unsere Adresse noch ein Fehler eingeschlichen und der Nachname fehlte … Es ist also nicht nur ein kleines Wunder, dass es die Nachricht bis nach Neuseeland geschafft hat, sondern auch, dass die Rückantwort ihren Weg in unseren Briefkasten fand.

Und dann schaffte es eure Flasche nicht einfach nur um die nächste Kurve. Der Rhein hat seine Aufgabe ernst genommen und in den Niederlanden eure Lieferung der Nordsee übergeben. Über welchen Weg kann es eine Flaschenpost bis nach Neuseeland schaffen?

Foto: Julia Gogos

Wir wissen es nicht. Da müsste man jemanden fragen, der eine Ahnung von Strömungen hat. Aber es könnte sein, dass die Flasche um Südafrika herumgeschwommen ist.

Ihr hattet die Flaschenpost schon längst vergessen, doch eines Tages erhieltet ihr Post. Und auch das war nicht selbstverständlich, denn der Brief war nicht so genau adressiert …

Ja, richtig. Die Adresse war nicht ganz korrekt und der Nachname fehlte auch. Aber der Briefträger scheint clever kombiniert zu haben!

Was stand in etwa in der Antwort drin?

„Dear Silas, Frida, Maja and Jon. We found this message in a bottle and are sending it back from Auckland, New Zealand. It has travelled a long was! Take care, yours Scott, Julia, Lea & Alice Joy.“

Leider gab es keinerlei Kontaktdaten, über die wir uns bei den Findern hätten bedanken können.

Wie ging es euch da? Das muss ja schon ein ganz besonderes Gefühl gewesen sein …

Ich war an dem Tag allein zuhause, als ich die Post aus dem Briefkasten holte. Erst konnte ich mit dem Brief, frankiert in Neuseeland, an die Vornamen unserer Kinder und die der Kinder unserer Freunde (die bereits schon seit Jahren nicht mehr in Bonn wohnen), gar nichts anfangen. Als ich ihn öffnete und sowohl die Nachricht der Finder als auch unsere Originalnachricht darin fand, konnte ich es kaum glauben. Um ehrlich zu sein, hatte ich die Aktion schon völlig vergessen.

Um so toller war es, so unverhofft Nachricht zu erhalten. Und dann auch noch aus Neuseeland – eines unserer Sehnsuchtsziele! Ich habe ganz gespannt gewartet, dass endlich jemand nach Hause kommt, um die Überraschung zu teilen.

Außerdem war dies eine gute Gelegenheit, mich einmal wieder bei den mittlerweile verzogenen Freunden zu melden, die davon ebenfalls völlig entzückt waren.

Und dann will man sicher so rasch als möglich mehr dazu wissen …

Ja, wir wollten uns bei den Findern bedanken und mehr erfahren. Und wir waren schon etwas traurig, dass keine Kontaktdaten bei der Antwort dabei waren. Da war schnell die Idee geboren, die „Welt“ um Hilfe zu bitten.

Wie haben eure Kinder darauf reagiert? Sie werden sich wahrscheinlich nicht mehr unbedingt an diesen Augenblick, als ihr die Flasche auf Reisen geschickt habt, erinnert haben …

Die konnten sich in der Tat nicht mehr so wirklich an den Nachmittag erinnern. Dennoch waren sie, wie wir, davon fasziniert, dass eine kleine Flasche eine solche Reise hinter sich gebracht hat.

Und dann begann die große Suche. Was habt ihr alles unternommen?

Mein Mann hat einen Post bei Facebook veröffentlich. Das hat gereicht, um die Welt auf uns aufmerksam zu machen, und das sehr schnell. Völlig verrückt!

Es entstand ein großer Medienrummel um eure Geschichte, die – glaube ich – weltweit ging …

Foto: Julia Gogos

Es haben sowohl deutsche als auch internationale Medien Kontakt zu uns aufgenommen. In Deutschland war die Meldung so ziemlich überall in den Zeitungen, im Radio und in TV-Magazinen vertreten. International haben zum Beispiel die Times, ABC News, Partner der DW, das Reiseportal Atlas Obscura aber auch Internetseiten/Zeitungen aus Polen, Italien, Ungarn, Russland und sogar Indien über die kleine Flasche aus Deutschland und ihre Reise um die Welt bis nach Neuseeland berichtet.

Es war verrückt zu sehen, wie die ganze Welt sich in unsere Flaschenpost verliebt zu haben schien …

Die Finder eurer Flaschenpost konntet ihr bisher nicht finden. Was würdet ihr sie gerne fragen oder von euch erzählen wollen?

Wir würden gerne wissen, wo genau sie die Flasche gefunden haben. In welchem Zustand war die Flasche nach dieser Reise? Und was ist aus ihr geworden? Vielleicht haben sie sie wieder auf Reisen geschickt?

Ihr habt bestimmt auch so jede Menge Post erhalten. Was haben euch die Leute so geschrieben?

Neben Medienanfragen gab es auch einiges an Facebook-Kommentaren. Die meisten waren begeistert und fieberten mit, ob wir die Finder kontaktieren können. Natürlich gab es aber auch Leute, die uns unterstellten, die Geschichte erfunden zu haben, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und es gab auch welche, die uns scharf dafür kritisierten, dass wir eine Plastikflasche ins Gewässer geworfen haben … Die meisten aber waren genauso begeistert und fasziniert, dass es einer so kleinen Flasche möglich ist, nach Jahren am anderen Ende der Welt zu landen.

Was werdet ihr immer in Erinnerung behalten?

Ich fand es toll, dass so viele mitgefiebert und sich mit uns gefreut haben. Und offensichtlich gibt es ein großes Bedürfnis an schönen Nachrichten; das Interesse war wirklich groß. Überall auf der Welt berührte diese kleine Flasche mit ihrer kleinen Geschichte die Leute. Möglicherweise war es auch eine schöne Alternative zu den sonstigen Nachrichten, die im Februar 2020 bereits hauptsächlich Covid-19 zum Inhalt hatten.

Allerdings bleibt uns auch in Erinnerung, wie schnell sich aufgrund nur eines einzigen Posts Infos und Nachrichten verbreiten können und auch einfach nur kopiert und vervielfältigt werden. Nach und nach schlichen sich bei den veröffentlichten Texten Fehler ein, die wiederum ihren Weg machten. Es war ein wenig erschreckend zu sehen, dass sehr wenig gezielt nachgefragt und recherchiert wurde.

Noch etwas, das euch wichtig ist, das euch am Herzen liegt?

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir doch noch mit den Findern in Kontakt treten könnten. Gerne auch ganz ab von Facebook, Presse und Co. Ganz privat, ein persönliches Danke – das wäre schön!

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Vielleicht geschieht ein kleines Wunder …!

… Wer weiß, vielleicht findet diese Geschichte noch ihr Happy End und die Familie Gogos die Familie, die ihre Flaschenpost am Strand fand.  

Sollte diese Geschichte die Finder-Familie in Neuseeland erreichen, stellen wir gerne den Kontakt her. Wir sichern absolute Diskretion zu – fest versprochen!

 

Herzlichen Dank an Uta Nabert, die uns auf diese märchengleiche Geschichte aufmerksam gemacht hat!

 

Und hier gibt es das Interview zur Flaschenpost auf Englisch:

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

Und noch eine wunderbare Geschichte aus Übersee!

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