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Hector aus Kanada liebt das Freundlichsein und macht anderen regelmäßig eine kleine Freude.

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von Uta Nabert

Wenn es darum geht zu lernen, wie man jemanden happy macht, dann fällt mir Hector ein. Hector auf Prince Edward Island. Prince Edward Island, die Insel vor Kanada. Die Kanadier verstehen sich aufs Freundlichsein und darauf sind sie stolz. Und wenn einer diese Disziplin erst recht gut beherrscht, dann ist es Hector. Ich begegnete ihm auf meiner Weltreise durch Nordamerika, blieb einige Tage bei ihm zu Gast. Über eine Freundin hatten wir uns kennen gelernt.   

Ein Wochenende lang folgte ich ihm auf seinen gewohnten Pfaden der Freundlichkeit. Zunächst einmal mussten wir „tanken“. Wir gingen in einen Pralinenladen und kauften winzige Schachteln mit je einem Stück Konfekt darin. Nicht teuer, aber sie machten was her. 

Die erste davon verteilte Hector an einem kalten Februarmorgen an Jess. Jess, seine alte Bekannte. Auf sie war Verlass: Jeden Sonntagmorgen hockte sie nach dem Gottesdienst vor der Kirche in Charlottetown, dem Hauptort der Insel: 17 Jahre alt, ungekämmte Haare, verbogene Brille. Hector kam nach dem Gottesdienst an ihr vorbei und brachte sie jedes Mal zum Lächeln: „Benutzt Du eine neue Creme, Jess? Deine Haut strahlt so!“, fragte er heute. Da strahlte auch sie und er reichte ihr Pralinen und Geld. 

Hector hatte selber nicht viel. Nachdem seine Tischlerwerkstatt abgebrannt und die Scheidung durch war, war auch er abgebrannt. Heute arbeitet er, mit über 70 Jahren, als Knecht in einem Reitstall. Abgesehen davon, dass er es sich nicht leisten kann, in den Ruhestand zu gehen, scheint ihm die Arbeit gutzutun. Seine blauen Augen blitzen meistens und er plaudert gerne. 

Besonders mit Elisabeth, einer blutjungen Kellnerin im Restaurant des Kurhauses, in dem er sich jeden Sonntag nach dem Gottesdienst ein Frühstück leistete. An jenem Morgen erzählte sie, sie habe ihren Großvater verloren und Hector versuchte, sie aufzumuntern. Erst mit Worten des Bedauerns, einige Plauderminuten später mit Komplimenten: „Auf jeden Fall siehst du wieder fabelhaft aus und du weißt ja, nur deswegen bin ich hier.“ Auch sie bekam ein Praline und konnte nicht anders. Sie musste lächeln. 

 

Hector, der Wohltätige

Hector spricht gerne darüber, dass er Gutes tut. Er sei nicht immer so gewesen, sagt er. Das habe erst nach der Scheidung angefangen. Hector, den Familienvater gibt es nicht mehr. Jetzt ist er Hector, der Wohltätige. Das macht seine neue Identität aus. Durch seine neue Art, auf Menschen zuzugehen, hat er sich ein hauchdünnes, nicht belastbares, doch weitreichendes Netz an Kontakten gesponnen: Freitagabends geht er aus – in ein kleines Restaurant in Charlottetown. Er flirtet mit den Kellnerinnen, sie fragen ihn, wie es ihm geht. Und zum Schluss schauen sie lächelnd dabei zu, wie er das Bonbonglas auf der Theke plündert. „Für die Armen“, sagt er dann.

Samstags geht er zum Wochenmarkt und nachdem er Tomaten, Kartoffeln und Fisch gekauft hat, ersteht er winzige Blumensträuße und verteilt sie an die Marktfrauen. Einmal hat er die Blumen mit ins Krankenhaus genommen. Das war, als er einen Freund besuchte. Doch die Sträuße waren nicht für ihn gedacht, sondern für die Schwestern: „Die arbeiten so hart.“ – Ich war nicht dabei, kann mir aber vorstellen, welchen Gute-Laune-Plauder-Wirbel Hector für eine kurzen Moment auf der Station auslöste. Hectors Charme-Offensiven kommen gut an.

 

 

 

Uta-Caecilia Nabert

… war von 2019 bis 2021 als freie Journalistin für verschiedene deutsche Tageszeitungen in Kanada unterwegs. Jetzt arbeitet sie als Texterin bei der Christoffel-Blindenmission, einer Organisation die unter anderem Menschen in armen Regionen der Welt am Grauen Star operiert. Uta ist darüber hinaus als Texterin ehrenamtlich für planted.green, ein Startup, tätig, das Deutschlands Wälder aufforsten will (siehe auch unsere Leseempfehlung!).

Mehr Infos zu Uta gibt es hier: https://ohwieschoenistkanada.com/in-den-medien/

 

 

 

 

Mehr Infos zu Make Someone Happy gibt es hier:

https://www.makesomeonehappycompany.com/

https://www.instagram.com/makesomeonehappycompany

 

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