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Freibäder:
Wieso sie so wichtig sind

Sommerzeit ist Badezeit. Doch ohne bürgerliches Engagement würden viele Freibäder in kleinen Kommunen geschlossen bleiben.

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von Gerda Stauner

Seit letztem Sommer habe ich einen ehrenamtlichen Nebenjob. Ich beaufsichtige in einem kleinen, feinen Schwimmbad die Gäste. Ohne das bürgerliche Engagement von mehr als fünfzig Personen, die sich in ihrer Freizeit als Badeaufsicht eintragen und stundenweise Dienst tun, würde es das Freibad nicht mehr geben. Es müsste schließen, wie viele andere Freibäder in Deutschland auch. Denn die kleine Kommune könnte es sich nicht leisten, einen hauptamtlichen Bademeister einzustellen. Wieso Freibäder aus meiner Sicht so wichtig sind und wir vor allem Kindern diesen Spaß nicht vorenthalten sollten? Weil Wasser ein wunderbares Element ist, das man aber beherrschen muss. Und Schwimmen lernt man auch im Freibad. 

Schwimmen vermittelt das Gefühl grenzenloser Freiheit. Das habe ich bereits im Kindergartenalter erfahren. An einem sonnigen Morgen durfte ich meinen großen Bruder und meine Tante ins örtliche Schwimmbad begleiten. Noch heute steht mir die Szenerie von damals deutlich vor Augen. Die Sonne schien noch sanft auf das zwischen den Becken liegende, lehmbraune Pflaster. Der Himmel war strahlend blau und von einer solchen Klarheit, dass ich mir vorstellte, wie er jeden Morgen vom Tau reingewaschen wurde.

 

Ausflug ins Freibad

Beflügelt von der Idee, ins Becken zu springen und wie von Zauberhand schwimmen zu können, schlich ich mich zum großen Becken. Dort versteckte ich mich hinter einem der Startblöcke, damit mein Bruder mich nicht sehen konnte. Ich zerrte meine beiden Schwimmhilfen von den Armen und ließ sie achtlos neben mir zu Boden fallen. Mein Herz begann zu rasen, als ich mich endlich traute, mein Versteck zu verlassen und direkt an den Beckenrand zu treten. Ich hatte viel mehr Angst davor, dass mein Bruder mich entdeckte, als dass ich untergehen würde. Es war wichtig, den richtigen Zeitpunkt für den Absprung zu erwischen. Er durfte nicht zu weit weg sein, sonst würde er vielleicht nicht sehen, wie mutig ich ins Wasser hüpfte. Aber zu nah durfte er auch nicht sein, sonst würde er mein Vorhaben vielleicht noch verhindern.

 

Liebe zum Wasser

Nur noch vier Schwimmzüge trennten ihn von mir, als ich schließlich kerzengerade eintauchte. Ich weiß nicht mehr, was ich damals dachte. Ob ich schockiert war, dass mein Plan nicht aufging und ich nicht genauso elegant wie mein Bruder auftauchen und losschwimmen konnte? Ob ich Panik bekommen und wild um mich geschlagen habe, um wieder an die Oberfläche zu kommen? All das habe ich vergessen. Wahrscheinlich war mein Bruder einfach sehr schnell bei mir, packte mich und zog mich an die Oberfläche, weshalb ich für all diese Gedanken gar keine Zeit hatte. Vielleicht wurde dieses Erlebnis wegen meiner schnellen Rettung keine traumatische Erfahrung, die mir für immer die Liebe zum Wasser verdorben hätte. Mein Bruder war jedenfalls sofort zur Stelle und zog mich aus dem Wasser. Zurück blieb lediglich eine Ahnung davon, wie ich schwerelos darin getrieben hatte.

Nachdem mein Bruder mit mir im Schlepptau zur Badeleiter geschwommen war, tauchte meine Tante laut schimpfend auf und fuchtelte mit den orangefarbigen Schwimmflügeln. Ob mir klar wäre, dass ich gerade hätte ertrinken können? Nein, daran hatte ich in meinem kindlichen Übermut natürlich keinen einzigen Gedanken verschwendet. Und obwohl sie sich abmühte, mir mit ihrer Moralpredigt ein schlechtes Gewissen einzureden, wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich wollte unbedingt wieder im tiefen Wasser tauchen und hatte dafür aber den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich unbedingt Schwimmen lernen musste. Und zwar richtig.

 

Alle sollen Schwimmen lernen

Und wo sonst kann man Schwimmen lernen als im Wasser? Da die wenigsten Gegenden mit Flüssen oder Seen gesegnet sind, behelfen sich viele Städte und Gemeinden mit Schwimmbädern. Auch das kleine Freibad, in dem ich hin und wieder Dienst tue, wurde vor über fünfzig Jahren aus diesem Grund gebaut: damit die Kinder aus den umliegenden Dörfern schwimmen lernen. Der damalige Bürgermeister hatte einige seiner Freunde verloren, weil sie ertrunken waren. Dieses Schicksal sollte niemanden mehr ereilen und so wurde kurzerhand der Löschwasserteich zum Freibad umfunktioniert.

Fast fünf Jahrzehnte lang hatte das Freibad bestehen können und Generationen von Kindern lernten dort schwimmen. Doch mit Corona und den vielen Beschränkungen stand das Bad dann plötzlich vor dem Aus, denn es gab keine Badeaufsicht, die die Einhaltung der Regeln überwachte. Nur der Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft und die freiwillige Initiative vieler Bürger*innen machten es möglich, dass das Bad auch während der Coronazeit betrieben werden konnte und auch in diesem Sommer wieder seine Tore öffnete. Viele andere Freibäder in Deutschland mussten dagegen in den letzten Jahren schließen.

 

Freibäder sind Gleichmacher

Nun sitze ich, wenn es meine Zeit erlaubt, auf meinem Posten am Beckenrand und schaue den Badegästen zu. Im Schwimmbecken tummeln sich Kinder und Erwachsene, Babys machen ihre ersten Erfahrungen mit dem Element Wasser und Jugendliche liegen auf der schattigen Wiese und hören Musik. Das Freibad macht die Menschen ein Stück weit gleich. Denn nur mit einer Badehose oder einem Bikini bekleidet ist es schwer, Standesunterschiede zu erkennen. Und es ist auch egal, aus welchem Land man kommt, welche Sprache man spricht oder welches Auto man fährt. Das Glück und die grenzenlose Freiheit, die man im Wasser erfahren darf, ist für alle spürbar. Sie steckt sogar mich auf meinem Liegestuhl an und die Vorfreude, nach meiner Schicht ins kühle Nass zu springen, ist ebenfalls grenzenlos.

 

Hier findet ihre einige Tipps der DLRG Bayern zum Umgang mit Wasser: https://bayern.dlrg.de/informieren/schwimmen-lernen/

 

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