Gut Aiderbichl:
Europas größtes Paradies für gerettete Tiere

Auf 30 Höfen in 6 europäischen Ländern finden Tiere ein Zuhause bis an ihr natürliches Lebensende. Die Höfe sind Begegnungsstätten für Mensch und Tier.

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von Kristin Frauenhoffer

Ferdinand hatte fünf Beine. Das Stierkalb, das im Februar zur Welt kam, war ein ganz besonderes. An seinem Hals hing ein fünftes Beinchen, eine Fehlbildung, wie sie manchmal vorkommt. Normalerweise werden Rinder mit solchen Behinderungen geschlachtet, denn sie könnten sich selbst oder andere Tiere verletzen. Der Bauer aber, auf dessen Hof Ferdinand geboren wurde, dachte nicht ans Schlachten. Er ermöglicht dem jungen Kalb ein artgerechtes Leben, indem er es nach Gut Aiderbichl brachte.

Eine Begegnungsstätte für Mensch und Tier

Seit 2001 gibt es Gut Aiderbichl, einen Ort, an dem alle Tiere bis an ihr natürliches Lebensende ein Zuhause finden. Mit mittlerweile 30 Heimathöfen in 6 verschiedenen europäischen Ländern hat es sich zu einer wichtigen Institution für den Tierschutz etabliert. Über 6.000 Tiere und 35 unterschiedliche Tierarten leben an den verschiedenen Standorten von Gut Aiderbichl. Der erste Hof entstand in Henndorf bei Salzburg in Österreich. In Deutschland gibt es zwei Höfe:  in Iffeldorf bei München und in Deggendorf. Gut Aiderbichl versteht sich als Begegnungsstätte für Mensch und Tier, weshalb Besucher*innen immer gern gesehen sind. Denn „Tierschutz ist auch Menschenschutz“ heißt es auf der Webseite.

Die Vision von Gut Aiderbichl: Alle Lebewesen leben in Harmonie miteinander.

Was genau das bedeutet, erklärt der Gründer von Gut Aiderbichl Michael Aufhauser so: „Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, wir hätten nichts erreicht. Erst wenn es gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: uns.“ Seine Vision und damit die von Gut Aiderbichl sei es, dass alle Lebewesen in Harmonie miteinander leben. Und die Voraussetzung für diese Vision wäre eine Humanität, die Mensch, Tier und Natur miteinander verbindet. Letztendlich seien es vor allem die Menschen, die am meisten von Gut Aiderbichl profitierten. „Im Umgang mit Tieren, die uns Menschen völlig ausgeliefert sind, können wir Herzensbildung entwickeln und zeigen“, erklärt Lisa Miriam Reichenauer, die auf Gut Aiderbichl für das Marketing zuständig ist.

Tierpflegerin Anita Hartner mit Dromedaren

So beginnt die Geschichte von Gut Aiderbichl …

Die Entstehungsgeschichte der Tierschutzgemeinschaft begann vor vielen Jahren. Michael Aufhauser war beruflich an der Costa de Sol unterwegs und beobachtete von seinem Bürofenster au,s wie Hundefänger Straßenhunde einfingen und abtransportierten. Er fuhr ihnen nach und wurde Zeuge, wie auf grauenvolle Art und Weise Katzen und Hunde vergast wurden. Die Schreie der sterbenden Hunde ließen ihn nicht mehr los. Einige mussten auf den nächsten Vergasungstermin warten. Diese kaufte er frei und sein Denken und Handeln sollte visionär werden. Denn als Michael Aufhauser Platz für seine Tiere suchte und den Hof in Henndorf erwarb, kam er auf die Idee, einen Lebenshof für alle Tiere zu schaffen. Damit war die Vision von Gut Aiderbichl geboren.

Jedes Tier ist individuell und so wird es auch behandelt.

Heute sind die verschiedenen Höfe beliebte Ausflugsziele und Begegnungsstätten. Man kann in direkten Kontakt mit den Tieren treten, es gibt Kurse und Events. Auch helfende Hände kann Gut Aiderbichl immer wieder gut gebrauchen. Tierliebe Menschen, die Lust haben, sich ehrenamtlich zu engagieren, können sich jederzeit per Email melden. Ausgebildete Tierpfleger*innen betreuen die Tiere auf den Höfen rund um die Uhr. Dabei wird individuell auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Tieres eingegangen, sei es bei Futter, Medikamenten oder sonstigen medizinischen Hilfestellungen.

Zu einer artgerechten Haltung gehört auch viel Freilauf. Deshalb dürfen sich die Tiere zum Großteil frei auf den Gütern bewegen. So können sich die Tiere auch einmal aus dem Weg gehen, denn auch unter ihnen gibt es Rivalitäten und Reibereien. Darüber hinaus werden neue Tiere langsam und behutsam in eine Herde integriert, um vorab herauszufiltern, ob sich Tiere verstehen oder nicht. So findet sich meist für jedes Tier der passende Herdenverbund.

Auch „Flüchtlinge“ aus der Ukraine haben einen Platz gefunden.

Eine besondere Situation ergab sich für die Mitarbeiter*innen von Gut Aiderbichl vor ein paar Monaten. Durch den Krieg in der Ukraine waren viele Menschen mit ihren Tieren auf der Flucht. So wie für die Geflüchteten gab es auch für ihre Tiere keine Versorgung. Also machte sich ein kleines Gut Aiderbichl-Team, vollbeladen mit Hundefutter und Erste-Hilfe Sets, auf den Weg zur ukrainischen Grenze. Dort konnte es Kontakt zu einer Gruppe Kriegsflüchtiger aufnehmen, die mit ihren 35 Hunden und 11 Katzen zu acht in zwei Autos unterwegs waren.

Zusammen mit dem Rettungsteam sind sie nun auf einem Außenhof nahe von Gut Aiderbichl Henndorf in Salzburg untergebracht. „Wir handeln stets nach dem Grundsatz ‚Hinsehen, statt Wegsehen’“ und das gilt vor allem in Kriegszeiten“, erklärt Lisa Miriam Reichenauer.

Kalb Ferdinand mit seinem fünften Bein, welches später wegoperiert wurde.

Patenschaften sichern den Erhalt der Tierschutzgemeinschaft.

Die Finanzierung von Gut Aiderbichl läuft vor allem über Tier-Patenschaften. Es kann dabei ein bestimmtes Tier oder eine ganze Tiergruppe unterstützt werden. Jede Patenschaft kommt bei Gut Aiderbichl ausschließlich den Tieren zu Gute. Auch eine einmalige Spende ist möglich. Patenschaften und Spenden sichern den 6.000 geretteten Tieren wichtige Grundversorgungen wie medizinische Hilfe, Spezialfutter und einen lebenslangen Platz auf Gut Aiderbichl. Darüber hinaus tragen sie dazu bei, dass das Team anderen Tieren in Not helfen kann.

Auch dem Kälbchen Ferdinand kamen die Spenden zugute. Sein fünftes Bein wurde in einer Wiener Spezialklinik für Rinder in einer Operation entfernt. Heute erinnert nur noch eine kahle Stelle an seiner Wirbelsäule an das Bein. Das bedeutet, Ferdinand ist nun ein gesunder, braun-weißer Fleckvieh-Stier, der auf Gut Aiderbichl zusammen mit vielen anderen Tieren ein artgerechtes, tierisch gutes Leben führt.

Mehr Informationen zu Gut Aiderbichl findet ihr hier.

 

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