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Ein von 14 Fotografinnen entwickeltes Postkartenset mit Motiven von Umarmungen soll in Zeiten sozialer Distanz Nähe schaffen.

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von Kristin Frauenhoffer

Es gibt kaum etwas, das wir derzeit mehr vermissen als Umarmungen. Seit mittlerweile einem Jahr dürfen wir Freund*innen, Bekannten oder der erweiterten Familie nicht näher als anderthalb Meter kommen. Wir sollen Abstand halten oder uns möglichst gar nicht treffen. Einige Menschen wählen nun wieder den klassischen Postweg, um ihren Lieben zu zeigen, dass sie an sie denken. Sie schreiben Briefe und Postkarten. Manchmal gibt es allerdings nicht viel zu sagen oder zu schreiben. Manchmal möchte man jemanden einfach nur umarmen. Wie wäre es, wenn man statt großer Worte einfach eine Umarmung verschicken könnte? Mit dem Postkartenset „Hugs to Post“ ist das möglich.

13 Postkarten drücken das aus, was wir so gern geben würden, aber gerade nicht dürfen: Nähe

Foto: Anna Tiessen und Katinka Schuett

„Hugs to Post“ ist ein Projekt von 14 Fotografinnen aus Den Haag, Berlin und Hamburg. Es besteht aus 13 Postkarten, von denen jede eine Umarmung, einen Moment der Vertrautheit zeigt. Die Motive sind dabei ganz unterschiedlich: Liebespaare, eine Mutter mit ihrem Baby, Kinderfreundschaften oder Haustiere, die geknuddelt werden. Sie alle drücken das aus, was wir so gern geben würden, aber gerade nicht dürfen: Nähe. Das Set kann online erworben werden, die Erlöse gehen komplett an Ärzte ohne Grenzen. „Wir möchten damit die unterstützen, die von der Krise in viel existentiellerem Maße betroffen sind“, berichtet Marlena Waldthausen, von der die Idee zu „Hugs to Post“ stammt.

Mit einer einfachen Idee und einer kleinen Geste durch die schwere Zeit

Foto: Alexa Vachon

Die Idee zum Fotoprojekt entstand letzten Herbst aus einer persönlichen Situation heraus. Marlena, die als Fotografin in Berlin lebt, wollte einer Freundin beistehen, der es nicht gut ging. Da diese aber in den Niederlanden lebt und reisen schwierig war, wollte sie zunächst einen Brief schreiben. „Sie war aber in einer Situation, in der ich sie einfach gerne in den Arm nehmen wollte, um ihr zu zeigen, dass ich für sie da bin. Also habe ich Stift und Papier beiseite getan und nach einem Weg gesucht, genau das auszudrücken“, berichtet Marlena. Sie schickte ihrer Freundin einige Zeit lang jeden Tag eine auf Papier gedruckte Umarmung. „Das tat uns beiden sehr gut“, sagt sie.

Das sei auch der Grundgedanke hinter dem Projekt: mit einer einfachen Idee und einer kleinen Geste gemeinsam durch diese schwere Zeit kommen.

Hugs to Post wurde von 14 Fotografinnen des Netzwerks „Women Photograph Berlin“ realisiert

Schnell hatte Marlena andere Fotografinnen aus ihrem Netzwerk für die Idee begeistert, ihrerseits Fotos von Umarmungen beizusteuern. Fast alle der im Projekt engagierten Frauen sind Teil von „Women Photograph“, einem internationalen Zusammenschluss weiblicher Fotografinnen. „Hugs to Post war auch für uns Fotografinnen ein tolles Projekt. Nach diesem schwierigen Jahr der Isolation hat es gut getan, zusammen etwas auf die Beine zu stellen“, erzählt Marlena. So wie vielen anderen freiberuflichen Fotograf*innen brachen Marlena nämlich coronabedingt zeitweise alle Aufträge weg.

Große Nachfrage nach dem Postkartenset

Eigentlich sollte das Projekt nach Weihnachten abgeschlossen sein, aber die Nachfrage war so groß, dass die Fotografinnen einfach weiter machten. Mittlerweile wurden 1.000 Postkartensets gedruckt, die Nachfrage ist groß. Das zeigt, dass die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und der Geborgenheit, die damit einhergeht, ebenfalls groß ist.

Foto: Marlena Waldthausen

Foto: Melina Mörsdorf

Foto: Marzena Skubatz

Neues Projekt im Spätsommer: Frauen während der Corona-Pandemie

„Hugs to Post“ werden die Fotografinnen im April beenden und die Spendensumme veröffentlichen. Gemeinsame Projekte wollen sie aber weiterhin umsetzen. Für den Spätsommer zum Beispiel planen sie eine neue Aktion. Die mehrteilige Plakatausstellung in Berlin soll zeigen, wie sich das Leben von Frauen während der Pandemie verändert hat. Es wird um häusliche Gewalt gehen, um Rassismus und um Sexarbeit. Es werden Portrait- und Reportagearbeiten ausgestellt, die von alleinerziehenden Müttern, Fabrikarbeiterinnen, Hebammen und obdachlosen Frauen erzählen. Sie zeigen schonungslose Einblicke in Leben geprägt von Einsamkeit und Missbrauch, aber auch von Zusammenhalt, Innovation und Solidarität.

Bis zum Spätsommer ist es noch etwas Zeit und es bleibt zu hoffen, dass wir uns bis dahin wieder im echten Leben nahe sein und in die Arme schließen dürfen. Die Idee, Umarmungen per Post zu verschicken allerdings, kann man ja auch über die Pandemie hinaus umsetzen. Schließlich wohnen ja nicht alle unsere Freund*innen und Bekannten gleich um die Ecke.

Wollt ihr auch Umarmungen verschicken, dann erwerbt hier das Postkartenset.

Die am Projekt beteiligten Fotografinnen sind: Marlena Waldthausen, Doro Zinn, Julia Steinigeweg, Sina Niemeyer, Anna Tiessen, Alexa Vachon, Karolin Klüppel, Katinka Schuett, Lena Giovanazzi, Katrin Streicher, Kristin Bethge, Maria Sturm, Melina Mörsdorf und Marzena Skubatz.

 

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