Korallenriffe:
Bunte Wiegen der Evolution

Farbenprächtig schillern sie unter Wasser – Korallenriffe. Unzählige Meeresbewohner brauchen sie zum Leben und Überleben. Doch sie sind gefährdet. Glücklicherweise gibt es immer mehr Schutz- und Aufbauprogramme.

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von Ariane Mostafa

Korallenriffe, einzigartige Ökosysteme

Bis zu neun Millionen Arten von Tieren und Pflanzen gibt es in einem Korallenriff, ohne das sie nicht existieren könnten. Sie leben dort in einer perfekt organisierten Gemeinschaft. Korallenriffe gehören zu den vielfältigsten Orten der Erde, unter Wasser sind sie die artenreichsten, die vielen Fischen und zahlreichen anderen Lebewesen ein sicheres Refugium bieten. Man nennt sie daher auch die Regenwälder der Meere. Bei den verschiedenen Arten von Korallen hat man bisher allein über 5.000 entdeckt. Korallenriffe gehören zu den ältesten Ökosystemen der Erde.

 

Korallenriffe – Entstehungsort und Zuhause unzählig vieler Arten

Seit ca. 500 Millionen Jahren gibt es Korallenriffe. Die Arten, die dort entstehen und entstanden, findet man sehr oft auch in anderen Lebensräumen wieder. 65 Prozent dieser neuen Arten werden von dort aus sozusagen „exportiert“. Korallenriffe sind wahre Wiegen der Evolution. Sie haben einen immens wichtigen und sogar maßgeblichen Einfluss auf die Artenvielfalt der Meere. Im Meer entstehen innerhalb von ihnen 45 Prozent mehr neue Arten als außerhalb. Als natürlicher Wellenbrecher bieten sie außerdem Schutz bei Stürmen, Tsunamis und gegen die Erosion von Küsten. Es gibt sie in tropischen Gewässern, rund um das Mittelmeer, aber auch in nördlichen, kälteren Regionen – beispielsweise in der Tiefsee nördlich vor der Küste von Norwegen, die man per Zufall erst vor knapp vier Jahrzehnten entdeckt hat. Korallenriffe können eine gigantische Größe erreichen.

 

Korallen sind die Baumeister*innen der Riffe

Dieses enorme Ausmaß erreichen Riffe erst nach tausenden von Jahren. Ihre Baumeister*innen sind die Korallen, die keine Pflanzen, sondern Nesseltiere sind, auch wenn sie wie schöne Blumen aussehen. Diese sehr kleinen Tiere, die man mit bloßem Auge kaum erkennen kann, heißen Polypen. Sie sind wenige Millimeter bis einen Zentimeter groß, haben einen großen Magen und einen Mund, der von einem Kranz von Tentakeln umgeben ist.

Die Riffe entstehen durch das Absterben der Polypen. Auf dem zurückbleibenden, harten Skelett entstehen dann neue Polypen. Durch die Kalkablagerungen der Skelette wachsen in Jahrtausenden die Riffe, die sich über viele hunderte von Kilometern erstrecken und eine beeindruckende Höhe erreichen können. Das größte Korallenriff, das Great Barrier Riff, ist eine Ansammlung von 2.900 zusammenhängenden Riffen vor der Nordostküste Australiens. An seinem höchsten Punkt misst es über 500 Meter und erstreckt sich über eine Fläche von 347.800 Quadratkilometern. Bei den Malediven erreichen die Riffe vom Meeresboden aus sogar eine Höhe von bis zu 2.200 Metern. Sie sind die in der Natur von Lebewesen gebauten größten Gebilde. Pro Jahr wachsen sie nur wenige Millimeter bis 2,5 Zentimeter.

 

Koralle und Alge, unzertrennliche Partner

Zum Leben braucht die Koralle eine mikroskopisch kleine Alge, die Zooxanthelle. Sie wohnt im Gewebe der Koralle und lebt mit ihr in einer konstruktiven Symbiose. Sie liefert der Koralle durch Photosynthese Sauerstoff und Nährstoffe und verleiht ihr die Farbe, die für die Koralle ein lebenswichtiger Sonnenschutz ist. Diese Farbe bzw. dieser Sonnenschutz wird jedoch auch von der Koralle selbst produziert. Die Koralle wiederum versorgt die Alge mit Kohlenstoff und ebenfalls mit Nährstoffen. Sie ernährt sich zudem von Plankton und übernimmt dabei ein Filtern des Meerwassers.

Das Korallensterben ist ein schwerwiegendes Problem, dass seit ca. 40 Jahren weltweit beobachtet wird. Durch Hitzewellen, Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung, destruktives Vorgehen bei der Fischerei, Versauerung der Meere, Plastik und Mikroplastik im Wasser sind mehr als die Hälfte der Korallen zerstört worden. Es besteht die Gefahr, dass in den nächsten 50 Jahren jegliches Leben in den Riffen komplett ausgelöscht wird. Die positive Symbiose von Koralle und Alge kann durch ein leichtes Überschreiten der gewohnten Maximaltemperatur empfindlich gestört werden. Ein Grad wärmer reicht schon aus, dass die Alge eine für die Koralle schädliche und aggressive Form von Sauerstoffradikalen produziert. Infolgedessen stößt die Koralle die Alge ab, verliert ihre Farbe und stirbt, denn ohne die Alge kann sie nicht leben. Es setzt die Korallenbleiche ein, sie wird weiß, mitunter schneeweiß. Durch die Bleiche verhungern die Riffe, die Wiegen der Evolution, und mit ihnen die Meeresbewohner, die diese zum Überleben brauchen.

 

Korallenriffe: Hoffnung und Rettung

In Schutz- und Aufbauprogrammen arbeitet man verstärkt gegen das Sterben von Korallenriffen an. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Die Vermehrung gelingt z. B. durch mühselige Verbreitung von Korallenlarven, von denen oft die meisten leider gefressen werden, oder aber auch durch das Ziehen von Stecklingen in Aufzuchtstationen, wie man es von Pflanzen kennt. Ab einer gewissen Größe lassen sich die Stecklinge in die geschädigten Riffe einsetzen. Man verwendet dabei möglichst hitzeresistente Arten. Vor Mauritius wurden beispielsweise Teile des abgestorbenen Riffs wieder hergestellt und belebt. 25.000 Korallenfragmente wurden in Korallengärten kultiviert und in Pointe-aux-Feuilles – einem Gebiet, das sich 20 km vor der Ostküste erstreckt – angebaut und so wieder zum Leben erweckt.

Es gibt Orte, an denen die Korallen und Algen eine Anpassung an die negativen Veränderungen selbst vollziehen. Im zentralpazifischen Kiritimati gibt es Korallenriffe, die sich nach einer Bleiche (und da die vorangegangene Hitzewelle eher kurz war) erholt haben. Die Korallen haben danach nur hitzeresistentere Algen aufgenommen. Ihre Zusammensetzung hat sich verändert, sodass sie nun widerstandsfähiger sind. Vor wenigen Jahren stellten Meeresbiologen*innen zudem überrascht fest, dass Korallen durch grelle Neonfarben einen eigenen, stärkeren Sonnenschutz herstellten, der dann der Alge und somit auch ihr selbst ein Überleben ermöglichen kann. Ob dies wirklich ausreicht, ist noch unklar, doch man darf leise hoffen.

 

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