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Das „CHAIN“ Projekt von Terre des Femmes setzt sich europaweit gegen Beschneidung und Früh- und Zwangsheirat von Mädchen und Frauen ein.

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von Kristin Frauenhoffer

Die Community Trainer*innen zusammen mit der Projektmitarbeiterin Janine Hildenbeutel. Foto: © Terre des Femmes

Gebete, gemeinsames Kochen und Essen, das Tragen verschiedener Symbole oder bestimmte Rituale im Rahmen von traditionellen Festen. All das ist Ausdruck einer lebendigen Kultur, in der Traditionen eine große Rolle spielen und die Gemeinschaft stärken. Es gibt aber auch Traditionen, die großen Schaden anrichten, wie die Beschneidung von Mädchen und jungen Frauen oder auch Früh- und Zwangsverheiratung. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes e. V. klärt in einer neuen Kampagne, der Chain for Change Campaign, über diese Themen auf und leistet wertvolle Präventionsarbeit.

Kultursensible Animationsfilme schaffen Bewusstsein für die Problematik

Für die Kampagne sind zwei Kurzvideos in zehn Sprachen entstanden. Die beiden animierten Filme, die sich auf einfühlsame und kultursensible Art mit weiblicher Genitalverstümmelung und Früh- und Zwangsheirat beschäftigen, sollen betroffenen Communities als Denkanstoß dienen. Sie machen deutlich, wie schwer und schädlich die Folgen dieser Praktiken sind, jedoch ohne dabei die Menschen zu verurteilen, die diese ausüben. Schließlich geschieht es aus Treue zu Religion und Traditionen und wird vielfach gar nicht hinterfragt. Allerdings habe keine Religion jemals zu weiblicher Beschneidung aufgerufen, heißt es in einem der beiden Filme.

Hier möchte Terre des Femmes nicht nur sensibilisieren und aufklären, sondern dazu beitragen, dass Gemeinschaften ihr Verhalten ändern. Beide Formen geschlechtsspezifischer Gewalt – Beschneidung wie Zwangsverheiratung – können schwere gesundheitliche und psychische Folgen haben. Im Rahmen der Kampagne werden außerdem weitere Aufklärungsmaterialien verteilt.

Deutschsprachige Version:

Interventionsketten zur Prävention von Genitalverstümmelung und Zwangsheirat

Die Kampagne ist Teil eines größeren EU-Projektes, das Terre des Femmes mit vier weiteren europäischen Partnerorganisationen durchführt – das CHAIN Projekt. „Ein zentraler Ansatz von CHAIN ist die Präventionsarbeit sowie gefährdete und betroffene Mädchen und Frauen auf institutioneller Ebene zu unterstützen“, erklärt Projektleiterin Adele Bessoule von TDF. Dazu werden so genannte Interventionsketten (engl. Intervention Chain) entwickelt mit konkreten Handlungsempfehlungen für Fälle drohender oder erfolgter Genitalverstümmelung sowie Früh- und Zwangsheirat. Daraus leitet sich der Name CHAIN ab, denn die Bildung solcher Interventionsketten ist ein wichtiger Teil der Präventionsstrategie.

Community-Trainer*innen leisten Aufklärungsarbeit

Wichtige Akteur*innen in dieser Kette sind beispielsweise die Community-Trainer*innen. Als Multiplikator*innen wurden sie seit Beginn des Projektes 2020 speziell zu diesen Themen geschult: „Ihre Aufgabe ist es, in ihrem sozialen Umfeld Aktivitäten durchzuführen, zum Beispiel Filmscreenings oder Kochevents, bei denen sie über die Folgen dieser schädlichen Praktiken aufklären“, beschreibt Bessoule das Vorgehen. Zusätzlich sensibilisieren sie so genannte Community Leaders wie Imame, Pastoren oder andere traditionelle Autoritäten. Diese sollen sich öffentlich gegen diese Praktiken aussprechen und so Verhaltensänderungen unterstützen. Die Schulung von pädagogischen und medizinischen Fachkräften ist ebenso Teil des Projektes.

Deutschsprachige Version:

Auch mitten in Europa sind diese Praktiken üblich

Dass Beschneidung und Zwangsheirat globale Phänomene sind und auch mitten in Europa passieren, zeigen die Zahlen. Laut UNICEF werden jährlich weltweit über 12 Millionen Mädchen und junge Frauen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Derzeit sind außerdem mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen in mehr als 32 Ländern von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Weitere vier Millionen Mädchen gelten als gefährdet (UNICEF 2020). Die jährliche Dunkelziffer zu weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland für 2020 hat ergeben, dass zirka 20.000 Mädchen davon bedroht und knapp 75.000 Frauen direkt betroffen sind.

Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier.

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

Ein weiteres Projekt von Terre des Femmes:

 

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