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Lebenserinnerungen:
Erzählen und für die Nachwelt bewahren

Im Lauf eines Lebens sammelt man eine Menge an Erfahrungen. Catharina Schaetz schreibt diese Lebenserinnerungen auf.
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Interview: Gerda Stauner

Jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen. Diese Erfahrung durfte ich als Schriftstellerin, die oft Zeitzeugen für ihre Romane befragt, selbst immer wieder machen. Die Biografin und Supervisorin Catharina Schaetz hat diese Grundannahme zum Anlass genommen und schreibt Lebensgeschichten von Menschen auf, die ihre Erinnerungen für die Nachwelt erhalten wollen. ‚Lebenserinnerungen erzählen und bewahren‘ ist auf ihrer Visitenkarte zu lesen. Denn das, was ein Mensch im Lauf seines Lebens erfährt, im Guten wie im Schlechten, ist für seine Angehörigen oft spannender als jeder Roman.

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Catharina, wie bist du auf die Idee gekommen, Lebenserinnerungen von und für andere Menschen festzuhalten?

Catharina Schaetz

In meiner Arbeit als Workshopleitung und Coach für Persönlichkeitsentwicklung habe ich immer wieder festgestellt, dass viele Menschen wenig Wissen über ihre Vorfahren haben und nur wenige Familiengeschichten erzählt werden und bekannt sind. Wenn mir meine Herkunft bekannt ist, kann ich viel Kraft und Selbstbewussstein daraus ziehen. Oft tauchen wichtige Fragen dazu erst nach einem Todesfall in der Familie auf. Aber dann ist es zu spät.

Auch nehmen sich Menschen immer wieder vor, sich mit ihren Erinnerungen zu beschäftigen und diese festzuhalten. Aber der richtige Zeitpunkt dafür kommt einfach nicht. Die Zusammenarbeit mit mir ermöglicht und erleichtert die tatsächliche Umsetzung so eines Projekts.

Ich selber hatte vor einigen Jahren das Bedürfnis, durch meine Patentante mehr über meine Herkunft zu erfahren und habe mir ihre Lebenserinnerungen erzählen lassen. Das war die erste Biografie, die ich aufgenommen und aufgeschrieben habe. Seither lässt mich das Thema nicht mehr los.

 

Nimm uns doch einmal mit und erzähl uns, wie die Lebenserinnerung eines Menschen als Schriftstück konkret entsteht. Wie kann so eine Zusammenarbeit aussehen?

Ich biete ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch an, bei dem ich mich und meine Arbeit vorstelle. Ich versuche herauszufinden, welche Absichten und Ziele mit dem Projekt verfolgt werden und schlage vor, wie diese erreicht werden können. Nicht immer handelt es sich um eine ganze Lebensgeschichte. Manchmal sind es nur bestimmte Zeiten oder auch bestimmte Themen wie berufliche Erfahrungen. Die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen werden abgesprochen und alle Fragen beantwortet und auch Bedenken aus dem Weg geräumt.

Erst nach angemessener Bedenkzeit, auch bis zu mehreren Tagen, können sich die Auftraggeber und Auftraggeberinnen verbindlich entscheiden. Denn so ein Projekt will gut überlegt sein, da es zeitlich und finanziell aufwendig werden kann.

 

Material sammeln, um Lebenserinnerungen zu bewahren

Die eigentliche Arbeit beginnt dann beim nächsten Termin. Ich erstelle einen Stammbaum, um einen Überblick über das Familiensystem zu bekommen. Dann wird Material wie Fotos, Tagebücher oder andere Erinnerungsstücke gemeinsam gesichtet. Mit Hilfe das Materials und auch durch meine Fragen fällt das Erinnern und Erzählen leicht. So ein Termin dauert in der Regel maximal 2 bis 3 Stunden und kann durchaus anstrengend sein.

Sobald ich das Gesprochene aufgeschrieben habe, wird der Text zugeschickt und kann nach Bedarf bearbeit werden. Ich dokumentiere den Verlauf meiner Tätigkeiten und informiere darüber, sodass die Auftraggebenden immer im Bild über den Fortgang und die Kosten des Projekts sind.

Am Ende wird der Text überarbeitet und nach Bedarf mit Bildern oder anderen Dokumenten ergänzt. Ob und wie der Text vervielfältigt wird, entscheiden die Auftraggebenden.

 

Kannst du uns eine Geschichte schildern, die dich besonders berührt hat?

Einmal berührte mich die Rückmeldung einer Tochter zu der Biografie der zwischenzeitlich verstorbenen Mutter sehr. Sie meinte, dass  sie durch den authentischen Schreibstil (ich halte mich weitgehend an die direkte Erzählweise) beim Lesen das Gefühl bekommen hat, dass ihr ihre Mutter selber diese Geschichten erzählt und dass es für sie eine sehr lebendige Form der Erinnerung an ihre Mutter ist und bleiben wird.

 

Wer genau ist deine Zielgruppe? Sind das Menschen, die ein ganz besonderes Leben hatten, oder kann das quasi auch die nette Nachbarin von nebenan sein?

Da ich die Biografien nicht veröffentliche, sondern die Auftraggebenden alle Materialien und Rechte behalten, habe ich eine sehr große Zielgruppe: Nicht nur Menschen in höherem Alter, sondern auch Menschen mit schweren Erkrankungen zählen dazu. Aber auch Menschen, die Bilanz ziehen und ihr Leben gut ausrichten wollen. Oft sind es Angehörige, die ein wertvolles Geschenk machen möchten. Es gehören auch mittelständische Unternehmen dazu, die eine Unternehmenschronik beauftragen.

Es geht nicht darum, ein besonderes Leben gelebt zu haben, sondern darum, für wen diese Erinnerungen wichtig sind. Mehr über die eigene Herkunft zu wissen, kann für jeden Menschen wichtig sein.

 

Wie reagieren die Angehörigen auf das Geschriebene? Bekommst du von dieser Seite auch Rückmeldungen?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele sind sehr dankbar, dass die Erinnerungen festgehalten werden. Andere sind mit der Darstellung ihrer Person oder von Ereignissen nicht einverstanden. Daher sollte gut überlegt und geplant sein, wer wann das Geschriebene zu lesen bekommt. Dazu berate ich ausführlich.

 

Manche Erinnerungen oder Erlebtes sind vielleicht auch belastend oder mit negativen Gefühlen verbunden. Kann im Zuge der gemeinsamen Arbeit so eine Erfahrung auch heilen? Wenn man darüber spricht, lösen sich blinde Flecken ja oft auf …

Auch diesen Aspekt bespreche ich vorab und kläre, wie damit umgegangen werden soll. Durch meine Coaching- und Supervisionserfahrung kann ich bei Bedarf solche Prozesse gut begleiten. Ich bin aber keine Therapeutin. Ich habe jedoch schon oft beobachtet, dass allein das Erinnern und Aussprechen von vergessenen Erlebnissen das Leben verändern kann oder auch positiv beeinflusst.

Ob und wie diese Themen dann auch am Ende in der Biografie festgehalten werden, entscheiden die Auftraggebenden. Nicht selten gibt es deshalb verschiedene Varianten einer Biografie, je nachdem, wer sie dann lesen darf.

 

Was nimmst du selbst aus dieser Arbeit für dich mit? Gab es ein Erlebnis, das in dir selbst etwas ausgelöst hat?

Ich erlebe die Erzählungen als sehr bereichernd, weil ich Einblick in unbekannte Leben erhalten, an Lebenserfahrungen und Erkenntnissen teilhaben darf. Ich bin daran beteiligt etwas zutiefst Sinnvolles und Wertvolles zu gestalten und das erfüllt mich mich Freude und Dankbarkeit.

Ich bin mir durch meine Arbeit bewusst geworden, dass Erinnerung sehr subjektiv ist und dass es in dem Sinne keine ‘absolute Wahrheit’ gibt. Das macht die Betrachtung des Lebens spannend, vielfältig und geheimnisvoll.

 

 

Mehr über die Arbeit von Catharina Schaetz findet ihr hier: http://www.schaetz.net/

 

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Eine Antwort

  1. Sehr interessanter Beitrag. Ich habe gerade einen Kurs Autobigraphisches Schreiben besucht. Und dabei selbst erfahren, wie gut es tut, das eigene Leben anzuschauen. Wichtige Ereignisse, Erlebnisse und Menschen aufzuschreiben.

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