Café Vollpension:
Wie mich der Zufall an den richtigen Ort führte

Generationencafés gibt es in fast jeder Stadt. In der „Vollpension“ in Wien kann man sogar schmecken, wie gut dieses Konzept aufgeht.

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von Gerda Stauner


Es gibt viele tolle Projekte, über die ich lese und mir dann vornehme, sie zu besuchen, wenn ich zufällig in der Nähe bin. Hotels, die Migrant*innen und Einheimische gemeinsam führen, Gärtnereien, in die sich Geflüchtete einbringen können oder inklusive Kulturzentren, in denen Menschen mit und ohne Einschränkung zusammen Kunst machen. Leider vergesse ich im Trubel des Alltags das Gelesene oft wieder. Und wenn ich dann an einen anderen Ort reise, denke ich schon nicht mehr an die ungewöhnlichen Angebote, die es dort gäbe. Doch kürzlich führte mich der Zufall bei einem Besuch in Wien zu genau so einem Projekt. Meine Freude darüber war riesig und ich machte mich selbst damit glücklich.

 Ich schlenderte mit einer Freundin durch die weitläufige Parkanlage von Schloss Belvedere und wir genossen den Sonntagnachmittag. Die Temperaturen waren sommerlich heiß und vielleicht waren deshalb nur wenige Tourist*innen unterwegs. Die Stadt schien eine Sommerpause einzulegen. Später am Abend waren wir in der Nähe des Naschmarkts mit Bekannten verabredet und wollten vorher noch einen Kaffee trinken. Also verließen wir den kunstvoll angelegten Garten mit den schönen Springbrunnen und suchten auf den umliegenden Straßen nach einem Café. Leider waren sonntags viele Kaffeehäuser geschlossen. So nahm ich mein Handy aus der Tasche, um nachzusehen, wo wir hingehen könnten. Ich fand ein Café mit dem Namen „Vollpension“, das ganz in der Nähe unseres späteren Treffpunkts und nur wenige Stationen vom Belvedere entfernt lag. Wir gingen zur nächsten Haltestelle, warteten auf die Tram und fuhren los. Noch hatte ich keine Ahnung, was sich hinter dem Namen „Vollpension“ verbergen sollte.

Generationencafé, aber anders

 Wir mussten ein wenig suchen, aber keine hundert Meter vom Naschmarkt entfernt fanden wir schließlich den Eingang zur „Vollpension“. Draußen waren alle Tische besetzt, und so gingen wir die drei Stufen ins Innere hinunter. Wir fanden einen kleinen Tisch direkt neben der Kuchentheke. Verwirrt blickte ich zwischen dem Tresen und dem sehr betagten Kellner hin und her, der dort mit einer weißen Schürze stand. Er erklärte gerade einer jungen Frau auf Englisch und mit entzückendem Wiener Dialekt, welche Kuchen es noch gab. Und in diesem Moment wurde mir klar, dass ich über dieses Café schon einiges gelesen und sogar einen Bericht im Fernsehen gesehen hatte. Es handelte sich um ein Generationencafé, in dem junge und alte Menschen gleichzeitig nebeneinander arbeiteten. Hier bedienten neben Student*innen auch original Wiener Kellner*innen in gesetzterem Alter. In der Backstube standen nicht nur junge und hippe Konditor*innen, auch rüstige Rentner*innen waren dort zu finden. Zusammen kümmerten sie sich darum, dass die Gäste Omas besten Kuchen serviert bekamen. Nun wurde mir auch klar, woher das Kaffeehaus seinen Namen hatte: Ein Wortspiel, das auf die schon etwas betagteren Mitarbeiter*innen aufmerksam machen sollte.

Kuchenvitrine im Café Vollpension in Wien

 

 

Café Vollpension mit Guglhupf und Schlagobers

Im ersten Moment war ich einfach nur sprachlos. Dann schaute ich meine Freundin an, die nicht so recht einschätzen konnte, was gerade geschah, und sagte: „Das gibt es nicht! Hier wollte ich schon immer mal einen Kuchen essen und einen Kaffee trinken!“ Sie entgegnete: „Jetzt bin ich verwirrt. Du kanntest das Café schon vorher? Wieso hast du das nicht erwähnt?“
„Nein, ich kannte es eigentlich nicht“, antwortete ich. „Also, ich war jedenfalls noch nie hier. Aber ich habe schon viel über das Café gehört und wollte es unbedingt einmal besuchen. Aber immer, wenn ich in Wien war, dachte ich nicht mehr daran.“ „Na dann los. Hol dir einen Kuchen. Den hast du dir verdient“, gab sie zurück und lachte mich an.
Also stand ich auf und trat an die Theke. Der elegante, ältere Herr mit der weißen Schürze blickte mich über seine dicke Brille hinweg an. „Was hätten’s denn gern?“, fragte er in original Wiener Dialekt.Ohne zu zögern deutete ich auf den Guglhupf, und er holte den Kuchen aus der Vitrine. „Gute Wahl“, meinte er darauf und schnitt ein Stück davon ab. Weil es ein wenig klein geraten war, fragte er: „Darf es auch a bisserl mehr sein?“
Als ich nickte, schnitt er ein zweites Stück ab und legte es auf den Teller. „Schlagobers dazu?“
Ich nickte wieder und strahlte ihn an. „Lassen’s sich schmecken“, sagte er freundlich und reichte mir den Kuchen.

Mit vollbeladenem Teller ging ich zu unserem Tisch zurück, setzte mich und blickte mich im Raum um. Das Café war wie ein Wohnzimmer eingerichtet und ich fühlte mich sehr wohl in meinem gepolsterten Sessel. „Die Idee mit den Omas und Opas ist wirklich super“, meinte meine Freundin. „Hier müssen wir unbedingt wieder herkommen.“ „Klar!“, antwortete ich. „Jetzt weiß ich ja, wo das Café liegt. Gleich um die Ecke vom Naschmarkt.“

 

Informationen zum Café Vollpension gibt es hier:

https://www.vollpension.wien/en/about-us/

 

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