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Mariä Lichtmess:
Rückkehr des Lichts

Früher endete die Weihnachtszeit mit Mariä Lichtmess. Der Feiertag war ein Symbol dafür, dass die dunkle Zeit endlich wieder vorbei war.

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von Gerda Stauner

Der 2. Februar zeigte im Kirchenkalender über Jahrhunderte hinweg das Ende der Weihnachtszeit an. Ab Heiligabend galt 40 Tage lang eine winterliche Ruhezeit, die mit dem Feiertag Mariä Lichtmess endete. Der 2. Februar war somit ein Symbol dafür, dass die langen, dunklen Tage langsam vorüber waren und das Licht ins Leben der Menschen zurückkehrte. Bis zu diesem Tag stand der Weihnachtsbaum geschmückt in der Stube und die Krippe blieb aufgebaut und für alle gut sichtbar. Erst mit Mariä Lichtmess wurde wieder Platz gemacht und das neue Jahr konnte sich entfalten. Auch für das bäuerliche Arbeitsjahr hatte der Tag eine besondere Bedeutung. Mägde und Knechte bekamen an diesem Tag den Arbeitslohn eines ganzen Jahres ausgezahlt. Danach waren sie frei, sich einen neuen Dienstherren zu suchen.

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Früher durften Mägde und Knechte, die das ganze Jahr hart auf dem Feld und im Stall gearbeitet hatten, vom 2. bis zum 5. Februar faulenzen. Es galt eine vertraglich zugesicherte Zeit des Nichtstuns, die man auch Schlenkweil oder Schlenkertage nannte. Während dieser Tage wurde viel gefeiert und getanzt und so manch einer, der nicht aufpasste, stand nach der Schlenkweil nur noch mit dem halben Jahreslohn da. Leider gibt es diesen Brauch nicht mehr und Mariä Lichtmess ist schon lange kein kirchlicher Feiertag mehr. Dennoch finde ich die Vorstellung einer gesetzlich angeordneten Zeit des kollektiven Nichtstuns immer noch sehr verlockend. Denn gerade jetzt, wo wir uns nach den langen, kalten und dunklen Wintertagen müde und ausgepowert fühlen, wäre es doch ein echter Lichtblick, wenn wir vier Tage freihätten, um uns zu erholen.

 

Das Licht kommt zurück

Leider hat der frühere Feiertag mittlerweile auch im kirchlichen Kontext an Bedeutung verloren. Bereits 1970 wurde in der katholischen Kirche festgelegt, dass die Weihnachtszeit künftig bereits mit dem Dreikönigstag am 6. Januar enden solle. In vielen Gemeinden wird Mariä Lichtmess aber auch heute noch besonders gefeiert. Während abendlicher Andachten werden zum Beispiel Kerzen gesegnet oder der Blasiussegen zur Vorbeugung gegen Halskrankheiten gespendet.

Doch auch jene, die den kirchlichen Jahreskalender nicht im Blick haben, werden die Veränderungen bemerken, die rund um den 2. Februar stattfinden. Ab Mariä Lichtmess werden die Tage schnell und spürbar heller und das Licht kommt endlich wieder zurück. Im Gegensatz zum 1. Januar geht die Sonne beispielsweise rund eine halbe Stunde eher auf und circa eine dreiviertel Stunde später unter. Das macht die Tage deutlich länger und viele Menschen spüren, wie ihr Energielevel langsam aber stetig steigt.

 

Mariä Lichtmess als guter Stern

Für mich selbst hat der 2. Februar ebenfalls eine besondere Bedeutung. Mein Urgroßvater wurde an Mariä Lichtmess 1856 geboren und ich bin der festen Überzeugung, dass seine Geburt unter einem guten Stern stand. Auch wenn sein langes Leben mehr als bewegt war und er zwei Frauen zu Grabe tragen musste, Kinder im Kindbett oder an den Ersten Weltkrieg verloren hat und mit ansehen musste, wie die Auswanderung eines Sohnes nach Amerika scheiterte, gab er doch nie auf. Trotz vieler Schicksalsschläge hat er den Grundstein für eine Familie gelegt, die fest zusammenhielt und vielen Widrigkeiten trotzte.

Die Resilienz meines Urgroßvaters rufe ich mir immer dann in Erinnerung, wenn es bei mir gerade nicht rund läuft. Es hilft zu sehen, dass Menschen schon immer Krisen meistern mussten und vielleicht sogar gestärkt daraus hervorgehen konnten. Für die nächste Weihnachtszeit habe ich mir fest vorgenommen, unseren Christbaum bis Mariä Lichtmess stehenzulassen. Weniger der Tradition wegen, sondern als Erinnerung dafür, die 40 Tag als Ruhezeit für mich zu nutzen. Danach kann ich mit voller Energie in das neue Jahr starten.

 

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