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Der Schneeschuhkünstler Kim Asmussen kreiert wunderschöne Designs im Schnee. Alles nur mit seinen Füßen. Ein Interview.

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von Kristin Frauenhoffer

Für die Schneeschuh-Kunst ist viel Präzision erforderlich. Foto: Kim Asmussen

Schnee ist faszinierend, nicht nur für Kinder. Zumindest für Menschen, die in Ländern leben, in denen Schnee eher selten ist, wie in Deutschland. Nur ein paar Zentimeter des kalten, flauschigen Materials lassen uns wie Kinder lächeln und unsere Schlitten und Skier hervorholen. Kim Asmussen, der in der kanadischen Provinz Ontario, im kleinen Ort Schreiber, lebt, hat eine eher ungewöhnliche Art gefunden, mit Schnee zu spielen. Für den 63-jährigen pensionierten Schuldirektor ist Schnee vor allem eins: eine Leinwand. Mit seinen Schneeschuhen stapft er wunderschöne Motive auf eingeschneite Seen und Schneefelder und schafft so besondere Figuren und Formen, die schon von Weitem zu sehen sind. Oft bekommt er dabei Hilfe von Freund*innen und Leuten aus dem Dorf. Seine Kunst ist somit nicht nur eine einsame Sache, sondern bringt Menschen zusammen. Im Interview erzählt er uns mehr über seine Leidenschaft.

Woher kam die Idee für Ihre Schneeschuhkunst?

Während meiner Zeit als Lehrer habe ich die Schüler*innen oft nach draußen mitgenommen, um sie zu unterrichten. Dazu gehörte auch das Entwerfen und Bauen von Labyrinthen im Schnee, in denen andere spielen konnten. Schnee hat mich also schon immer fasziniert. Die Idee kam mir, als ich vor einigen Jahren nach Eisskulpturen recherchierte, weil ich ein Klavier aus Eis bauen wollte. Da tauchten ein paar Bilder von Simon Beck auf, der Schneeschuhkunst macht. Und ich dachte mir: „Das kann ich auch!“ und habe es ausprobiert.

Was hat Sie dazu bewogen, es zu versuchen?

Dafür gibt es ein paar Gründe. Erstens mag ich die Herausforderung, Dinge zu schaffen. Außerdem bin ich ein „Linientyp“, der Muster und Linien mag, und deshalb passt das hier sehr gut zu meiner Denkweise. Ein weiterer Grund ist natürlich die körperliche Betätigung. Letztes Jahr durften wir aufgrund der Covid-Vorschriften den größten Teil des Winters nur in Gruppen von höchstens fünf Personen zusammenkommen. Durch meine Kunst konnten wir also ein wenig soziales Miteinander pflegen. Man traf eine Person aus der Gruppe, wenn sich die Linien kreuzten und hielt kurz an, um sich zu unterhalten und ging dann weiter. Für einen kurzen Zeitraum (nur bei einem Motiv) durften wir uns im Freien versammeln, solange wir einen Abstand von zwei Metern einhielten. Da waren wir 16 Leute draußen. Sie haben es alle genossen, sich einfach persönlich zu unterhalten.

„Die Leute mögen Schneeflocken.“ Foto: Kim Asmussen

Es ist also keine einsame Aktivität …

Mit der Zeit wurde mir klar, wie viel Freude das Projekt so vielen Menschen brachte, die von ihrer Familie und ihren Freunden isoliert waren. Das motivierte mich zusätzlich. Außerdem hat es unserer kleinen Stadt eine Menge Ansehen gebracht. Wie in den meisten Kleinstädten grüßt man jeden. Aber Leute, die mich normalerweise nur grüßen, bleiben jetzt stehen, um mit mir zu reden. Sie sagen mir, wie sehr ihnen die Kunst gefällt und wie sie unsere Stadt ins Rampenlicht rückt.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie Ihrer Kunst nachgehen?

Wenn ich Schneeschuhkunst mache, habe ich viele Gefühle. Natürlich die Angst, dass es nicht so wird, wie man es geplant hat oder dass man einen Fehler macht. Wenn man einen Fehler macht, muss man sich überlegen, wie man das Design ändern kann, damit es gut aussieht. Zum Glück ist das noch nicht passiert. Manchmal hält man beim Bearbeiten eines Bereichs inne und fragt sich: „Bin ich an der richtigen Stelle?“

Es ist aufregend, wenn man eine Gruppe zusammenbringt, weil man versucht zu koordinieren, wer was macht. Und man versucht, so zu planen, dass die Leute nicht herumstehen müssen. Ich habe festgestellt, dass die Leute bei allem gerne helfen. Wenn sie aber kommen, um zu helfen, wollen sie auch etwas tun. Das bedeutet, dass ich oft vorausgehe, damit alles vorbereitet ist, oder dass ich jemanden zum Helfen hole, bevor die anderen kommen. Wenn man fertig ist und die Drohnenaufnahme hat, ist es sehr befriedigend zu sehen, wie das Ergebnis geworden ist. Manchmal, wenn ich alleine unterwegs bin, ist es einfach herrlich, zu gehen und die kühle Brise zu spüren. Es ist schön, wenn man auf einem See ist und es keine anderen Spuren gibt.

Was tun Sie, bevor Sie in den Schnee gehen? Wie bereiten Sie sich auf das Kunstwerk vor?

Für die Gestaltung schaue ich mir Bilder von Strichzeichnungen usw. an und überlege dann, was ich tun kann, damit es auf Schneeschuhen funktioniert. Andere Formen entwerfe ich selbst. Manchmal skizziere ich sie, aber ich probiere sie auch in einem CAD-Programm aus. Das hilft mir, bei Bedarf Maß zu nehmen. Dann muss ich schauen, ob ich es machen kann, während ich nur auf dem Muster gehe. Ich schaue mir den Entwurf an und versuche zu erkennen, wo ich durch Verdichten des Schnees an bestimmten Stellen ein besonderes Aussehen erzielen kann.

Sein jüngstes Werk. Foto: Kim Asmussen

Wie geht es weiter, wenn Sie im Schnee sind?

Die Leute haben unterschiedliche Schneeschuhtypen, also versuche ich, sie in einem bestimmten Bereich stapfen zu lassen, während andere Leute mit einem anderen Schneeschuh an einer anderen Stelle stapfen. Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, Bereiche zu bearbeiten, sobald die Linien für das Muster angelegt sind. Manchmal wird ein Teil der Form fester verdichtet als der gesamte Bereich. Ich versuche, jeden Bereich auf die gleiche Art und Weise zu bearbeiten und zu verdichten. Wenn z. B. ein Dreieck gemacht werden muss, dann stapfe ich zunächst um den Rand herum und fahre fort, bis ich in der Mitte angekommen bin. Wenn man in der Mitte des Dreiecks ist, muss man einen Schritt zur Seite machen, da die Schneeschuhe schon eine Linie durch das Dreieck gezogen haben.

Ich kann in einem anderen Abschnitt ähnlich vorgehen und nur parallele Linien im Abstand von etwa einem Meter ziehen. Außerdem gibt es immer einen Einstiegspunkt in das Design und man versucht, diese Markierungen durch die Art, wie man Teile des Musters stapft, zu überdecken.

Eines seiner größten Kunstwerke. Foto: Kim Asmussen

Das klingt ziemlich anspruchsvoll. Wie haben Sie diese Art von Kunst gelernt?

Ich habe mir diese Kunst selbst beigebracht. Im Grunde zeichnet man mit den Füßen und vergrößert es. Und man darf nicht zulassen, dass der Bleistift die Leinwand, in meinem Fall den Schnee, verlässt.

Welche Muster haben Sie bereits gemacht?

Ich habe hauptsächlich geometrische Figuren gemacht, aber letztes Jahr habe ich die Saison mit einem Bären und seinem Jungen beendet, Das Werk heißt: „Mama, es war ein langer Winter.“ An diesem Tag war es heiß und der Schnee war nicht so fest wie frischer Schnee. Ich hatte auch vor, einen Elch zu machen, aber wir hatten nie guten Schnee, bevor die Seen unsicher wurden. Die Leute scheinen Schneeflocken zu mögen, also versuche ich jetzt, mindestens einen in jedes Design einzubauen.

Wie können die Leute Ihre Kunst bewundern? Man kann sie nur von oben sehen, oder?

Ich versuche, die meisten meiner Kunstwerke so zu gestalten, dass der vorbeifahrende Verkehr sie sehen kann. Aber am besten sieht man es auf einem Bild, das an einem sonnigen Tag mit einer Drohne aufgenommen wurde. Sobald das Bild gemacht ist, ist es egal, was mit dem Design passiert. Wenn es in der Nacht schneit, hat man eine neue Leinwand, um etwas Neues zu beginnen, denn nichts ist für immer da.

Was ist Kunst für Sie?

Für mich ist Kunst etwas, das Emotionen hervorruft, wenn man es sieht. Ich habe festgestellt, dass meine Schneeschuhkunst – ich denke,vor allem wegen Covid – bei den Menschen viel Freude hervorruft. Letztes Jahr habe ich eine Eisskulptur eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg gemacht; das hat einige Leute sehr berührt. Diese Schneeschuhkunst macht glücklich. Ich glaube, die Leute mögen sie auch, weil ich ein ganz normaler Mensch bin, der etwas Einzigartiges macht.

Was planen Sie für die Zukunft?

Kim Asmussen an seinem Lieblingsort – draußen im Schnee. Foto: Kim Asmussen

Ich würde gerne ein Schneeschuh-Kunstfestival entlang der 200 Kilometer langen Strecke unseres Highways veranstalten. Das ist der Haupt-Highway durch Kanada. An allen kleinen Seen, die man vom Highway aus sehen kann, könnte man Designs platzieren. Ich würde auch gerne eine Webseite einrichten, auf der ich den Leuten zeige, wie man einige der Designs anfertigt, und Tabellen mit Maßen beifügen. Und je mehr ich machen kann, desto besser. Wenn es zu windig ist, werden die Spuren gleich nach dem Anlegen zugedeckt. Wenn die Sonne ein paar Tage lang nicht scheint, bekommt man vielleicht dieses Drohnenbild. Ich wurde von einigen Städten angesprochen, ob ich auf ihren Winterfesten mit den Bürger*innen Schneeschuhkunst machen könnte. Daraus könnten sich also weitere Gelegenheiten für mich ergeben. Es ist spannend, wenn man eine Gruppe von Menschen hat, die zusammen Kunst macht.

Was machen Sie, wenn es keinen Schnee gibt?

Im Winter, wenn das Wetter nicht mitspielt, habe ich mit dem Eisskulpturenbau begonnen. Aber ich fahre auch gerne Ski und laufe Schlittschuh. Im Sommer versuche ich mich am Kettensägen-Schnitzen oder beschäftige mich mit Steinarbeiten. Außerdem spiele ich gerne Golf und Pickleball (Sportart aus den USA, die Elemente aus dem Tennis, Tischtennis und Badminton vereint).

 

Herzlichen Dank an Uta Nabert, die uns mit Kim Asmussen zusammengebracht hat!

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

Noch ein Künstler, der vergängliche Kunstwerke schafft:

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