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Aus Hakenkreuzen werden dank Ibo Omari und seinem Netzwerk tolle Kunstwerke.

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von Florian Roithmeier

In einigen Religionen gilt es zwar als Glückssymbol, in Deutschland steht es jedoch für die grausame Zeit der Nationalsozialisten: das Hakenkreuz. Berliner Graffiti-Künstler*innen verwandeln Hakenkreuze an Wänden in schöne Kunstmotive: Es entstehen bunte Eulen, Mücken, Zauberwürfel oder sie verschwinden in Szenerien wie einer Katze auf einem Fensterbrett, einem tanzenden Ägypter oder einem Hasen, der die Zunge rausstreckt. Unter dem Logo #PaintBack sind die Künstler*innen seit 2015 in Berlin-Schöneberg unterwegs. good news for you hat mit Ibrahim „Ibo“ Omari, einem der Initiatoren von PaintBack, gesprochen.

Herr Omari, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Hass-Symbole zu übersprühen?

Ich betreibe in Berlin einen Graffiti-Shop. Ein Kunde, der gar nicht wie ein Sprayer aussah, wollte zwei Sprühdosen kaufen. Also fragte ich nach. Er erklärte mir, dass er mit den beiden
Dosen ein Hakenkreuz auf einem Kinderspielplatz übersprühen will. Das konnte ich erst nicht glauben. Ich ging mit ihm zu dem Spielplatz und bot ihm an, dass unser Verein „Die kulturellen Erben e. V.“ sich darum kümmert.

So kam es, dass ich gemeinsam mit dem Berliner Künstler POET73 das erste Hakenkreuz „verschönerte“, anstatt es zu übermalen. Die Antwort sollte kreativ sein und nicht auf dasselbe Niveau absinken. Wir nahmen diese Aktion persönlich und wollten zeigen, dass wir solche Hassbotschaften in unserem Kiez nicht tolerieren. Auch, um klar zwischen Graffiti und Schmiererei zu unterscheiden, war es uns wichtig, ein Zeichen zu setzen.

Ibo Omari, Initiator von #PaintBack

Wie ging es dann weiter?

Etwa zwei Wochen nach dem ersten Hakenkreuz in unserem Kiez hat uns die Park-Sicherheit kontaktiert und uns gebeten, eine „unschöne Verschmierung“ am Ausgang zur Dennewitzstraße zu übermalen. Wieder war es ein Hakenkreuz. Dieses Mal filmten wir die Verschönerung und wir hatten die Idee, daraus ein Projekt zu machen. Wir wollten anderen zeigen, wie sie „aktiv“ werden können. PaintBack war somit geboren.

Gehen Sie auf „Streife“, um Hass-Symbole zu finden, die Sie dann in Kunst verwandeln? Wie hat man sich das vorzustellen?

Wir sind ein kleiner Kulturverein in Berlin-Schöneberg und durch unser Engagement auch recht bekannt geworden. Daher war es zunächst so, dass uns Anwohner*innen die ersten Hakenkreuze gemeldet haben. Später, als das Projekt bekannter wurde, haben wir sogar Anfragen aus Valencia in Spanien bekommen. Da wir aber nicht die Mittel haben, haben wir uns auf unseren Bezirk beschränkt. Wir freuen uns, dass unser Projekt dazu beiträgt, dass vor allem junge Menschen achtsamer durch ihre Umgebung laufen und solche Hassbotschaften nicht einfach ignorieren.

Graffiti sind immer nahe an der Grenze zur Sachbeschädigung. Wie regelt PaintBack das, vor allem auch mit den Eigentümer*innen der betroffenen Wände?

Ein Unrecht macht ein anderes nicht wett. Bei allen unseren Verschönerungen haben wir natürlich die Eigentümer*innen und Verantwortlichen um Erlaubnis gefragt. Im ersten Schritt war es uns wichtig, dass man solche Hassbotschaften im Stadtbild nicht einfach ignoriert.

Welche Rolle spielt bei PaintBack der Verein „Die kulturellen Erben e. V.“, dessen Vorsitzender Sie sind?

Die kulturellen Erben sind die kreative, aber auch ausführende Kraft hinter dem Projekt. Das Projekt wurde nur mit unseren Vereinsmitteln und einer kleinen Spende finanziert. Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit zwölf Mitgliedern und halten mehrmals interne Treffen ab. Neben #PaintBack engagieren wir uns unter anderem dafür, Benachteiligungen für Menschen mit Migrationshintergrund abzubauen, die urbane Berliner Jugendkultur zu fördern und Gewalt durch Vermittlung von Respekt, Wertschätzung, Rücksicht und Toleranz vorzubeugen.

 

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