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Für Eltern, die keine Hebamme finden, gibt es eine App, die wertvolles Wissen rund ums Baby jederzeit zugänglich macht.

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von Kristin Frauenhoffer

Martina Langer-Kirmaier zeigt im Video, wie man ein Baby massiert.

Werdende Mütter in Deutschland sind privilegiert. Jede gesetzlich versicherte Frau hat hierzulande Anspruch auf eine Hebamme, die sie vor, während und nach der Geburt versorgt. Die Krankenkasse bezahlt Wochenbettbesuche sogar bis zu zwölf Wochen nach der Geburt. In anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien können Frauen von solch einer Hebammenversorgung nur träumen.

Doch auch, wenn werdende Mütter in Deutschland theoretisch gut versorgt sind, gibt es einen Haken. Jede fünfte findet keine verfügbare Hebamme in ihrer Umgebung. Hier leistet das Start-up „Preparents“ Abhilfe. Über eine App können sich (werdende) Eltern bewährtes Hebammenwissen leicht zugänglich auf ihr Smartphone holen.

Der Grund für den Hebammenmangel in Deutschland sind die oftmals schlechten Arbeitsbedingungen. „Eine Hebamme kann keine GmbH gründen und haftet 30 Jahre lang mit ihrem Privatvermögen“, beklagt Martina Langer-Kirmaier die Lage in Deutschland. Sie ist seit 30 Jahren Hebamme aus Leidenschaft und Mitgründerin der Preparents App. „Wir dürfen als Gesellschaft die Menschen in so einer sensiblen Lebensphase nicht aus dem Blick verlieren“, so Martina weiter. Das sei auch ihre Hauptmotivation für die Hebammen-App: Eltern nicht allein lassen, denn sie verdienen einen glücklichen Start in ihr Elternsein.

 

Hinter Preparents steckt ein besonderes Mutter-Tochter-Gespann

Martina und Amrei Langer-Kirmaier: Mutter und Tochter arbeiten zusammen.

Die App ist nicht nur an Familien gerichtet, sie wird auch von einer Familie erstellt. Gründerin und Geschäftsführerin von Preparents ist Martinas Tochter Amrei. Es war ihre Idee, Hebammenwissen für alle digital zugänglich zu machen. 2019 startete sie gemeinsam mit ihrer Mutter das Projekt. „Es begann damit, dass ich für meine Tochter aufschreiben wollte, was ich für wichtig erachte. Ich weiß ja nicht, wo sie einmal leben wird und vielleicht gibt es dort dann keine Nachsorgehebammen“, erzählt Martina. Aber statt des kleinen Notizbüchleins, dass sie sich vorgestellt hatte, schwebte ihrer Tochter ein digitales Nachschlagewerk für die Hosentasche vor. Als IT-Spezialistin war es für Amrei klar, dass sie die App selbst konzipieren wollte. Und so machten sich die beiden an die Arbeit und nutzten den Lockdown im Frühjahr 2020, um die App zu entwickeln. Im Herbst kam sie auf den Markt.

 

Geburtsvorbereitung und Wochenbett: Die Preparents App deckt beides ab

Die App schafft da Abhilfe, wo Wissen dringend notwendig ist. Insbesondere, wenn akut Fragen auftauchen: „Menschen sind dann offen für Fragen und Antworten, wenn sie in der Situation sind. Vorher eigentlich nicht“, weiß Martina aus Erfahrung. Und so kann man die App immer wieder konsultieren, wenn man zum Beispiel erfahren möchte, wie man sein Baby beruhigt, es stillt oder massiert.

Auch Fragen zu Partnerschaft und unterschiedlichen Bedürfnissen werden beantwortet. Es gibt zwei verschiedene Kurse: einen Geburtsvorbereitungskurs und einen Elternkurs für das Wochenbett und die Zeit danach. Sie kosten jeweils knapp 50 Euro und enthalten Martinas geballtes Hebammenwissen. Die App hat auch einen kostenlosen Bereich, in dem man zum Beispiel Literatur- oder Erstausstattungslisten findet. Vermittelt werden die Inhalte in Form kurzer Videos, Podcasts und Texten.

 

„Kürzer, Mama!“

In der App erhält man wertvolles Wissen – gebündelt in kurzen Einheiten. © Preparents

Dass die App ein Herzensprojekt ist, merkt man Martina Langer-Kirmaier im Gespräch an. Die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter war für beide intensiv und bereichernd. „Wir haben ein sehr unbeschwertes Verhältnis, deshalb gab es auch keine Streitereien“, beschreibt die Hebamme die Beziehung zu ihrer Tochter Amrei. Martina ist für die Inhalte zuständig, Amrei für die Technik. Einzig beim Videodreh musste Tochter Amrei des Öfteren „Kürzer, Mama!“ rufen. Denn Martina fiel es schwer, ihr Fachwissen in so kurze Einheiten zu pressen. Die App ersetze natürlich keine persönliche Beratung, betont sie. Trotz allem kann sie ein wichtiger Helfer in vielen fordernden Situationen sein, die einem als junge Eltern laufend begegnen.

 

Preparents ist derzeit noch komplett privat finanziert

Als nächsten Schritt planen die beiden Preparents-Gründerinnen eine CE-Zertifizierung, um die App in die Liste der verschreibungsfähigen Apps aufzunehmen. So könnten die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. Auch eine Übersetzung ins Englische und Spanische steht auf ihrer To-Do-Liste. Vielleicht klappt es dann ja auch mit finanzieller Unterstützung. Denn bislang haben die beiden ihr Projekt aus eigenen Mitteln finanziert. Wünschenswert wäre es, denn die App ist auf jeden Fall zukunftsfähig. Solange es keine flächendeckende Hebammenversorgung gibt, sind (werdende) Eltern auf anderweitige Hilfe angewiesen. Und zu wissen, wo man nachschauen kann, wenn es eine brennende Frage gibt, entspannt. Genau das, was Eltern brauchen.

Die App gibt es im Google Play Store und im App Store von Apple.

Weitere Infos zur App erhaltet ihr hier auf der Preparents Webseite.

 

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