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Traueryoga:
Gefühle zulassen

Wenn geliebte Menschen sterben, bleiben viele Zugehörige mit dem Verlust alleine. Traueryoga kann ein Weg sein, seine Gefühle zu verarbeiten.
Gefällt dir? Vielen Dank fürs Teilen!

 

Interview: Gerda Stauner

Dipl.-Psychologin und Yogalehrerin Julia Loboda

Der Verlust von liebgewonnen Menschen erschüttert jede*n von uns früher oder später im Leben. Doch die Trauer darüber, einen Nahestehenden verloren zu haben, hat in unserer schnelllebigen Welt oft keinen richtigen Platz. Schon wenige Wochen nach einem Schicksalsschlag soll man wieder funktionieren und die Frage, wie man sich fühle, wird immer weniger gestellt. Die Dipl.-Psychologin und Yogalehrerin Julia Loboda hat selbst einen schweren Verlust erlitten. Das, was ihr in der schweren Zeit nach dem Tod ihrer Tochter geholfen hat, möchte sie nun mit anderen teilen: Yoga. Seit einiger Zeit bietet sie spezielle Yogakurse für Trauernde an. In den gemeinsamen Stunden ist viel Raum, um zu sich zu kommen, seine Gefühle wahrzunehmen und Yoga zu machen. Aber auch Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil der Kurse.

 

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Julia, du unterrichtest Yoga in Regensburg und bietest Yogakurse speziell für Trauernde an. Wie ist es dazu gekommen?

Im Herbst 2019 ist unsere älteste Tochter mit 11 Jahren aus heiterem Himmel absolut überraschend und schwerwiegend an Knochenkrebs erkrankt. Es war ein Schock! Wir haben gekämpft, gehofft, gebetet und mit dem Schicksal gerungen. Wir haben alles getan. Nach neun Monaten haben wir sie gehen lassen: Mila ist in unseren Armen zuhause gestorben.

Zeit und Raum für Selbstfürsorge

Aus dieser Erfahrung ist in mir der Wunsch entstanden, Menschen in ihrer Trauer beizustehen. Ich habe überlegt, was hat mir am meisten geholfen? Neben Milas Stärke und Vertrauen, war das Yoga. Yoga kann ein sanfter und liebevoller Weg sein, den natürlichen Trauerprozess zu unterstützen. Ein Weg, der Trauer bewusst Zeit und Raum zu geben. Und eine Möglichkeit der Selbstfürsorge in einer Zeit, in der nichts mehr so ist wie es war, und das Leben, so wie wir es kannten, nicht mehr existiert. Es ist mir ein Anliegen, Trauernde zu stärken und zu ermächtigen, den eigenen schmerzhaften Weg durch die Trauer zu gehen.

 

Wie hat Yoga Dir geholfen?

Yoga hat mir die Möglichkeit gegeben, etwas für mich zu tun. Mich zu beruhigen, meinen Körper zu spüren und meine Aufmerksamkeit von der Trauer auf etwas anderes zu lenken. Yoga, so wie ich es gelernt habe und weitergebe, setzt beim Atem als zentralem Merkmal an. Durch die bewusste und achtsame Verbindung von Bewegung und Atem kommen wir aus dem Kopf in den Körper und so in den Moment. Wenn wir im Moment sind, gibt es weder Gedanken an die Vergangenheit noch Sorgen um die Zukunft. Die Erfahrung, die wir im Yoga über den Atem noch machen können, ist: Es gibt etwas, das verlässlich immer da ist, etwas, das mich trägt, egal wie schlimm oder schwierig mein Leben aktuell auch ist.

 

Warum kann Yoga eine Unterstützung für Trauernde sein?

Yoga ist allgemein für seine wohltuende und heilende Wirkung bekannt: Der Geist wird ruhig, der Körper entspannt. Im Yoga unterstützen uns sanfte und fließende Körperübungen, in Bewegung zu bleiben. Die äußere Bewegung hilft uns, auch im Innern lebendig zu bleiben. Das, was fest in uns ist, das, was wir halten, kann bewegt werden und darf wieder zum Fließen kommen. Wir erfahren: „Ich bin lebendig.“  Durch diese Lebendigkeit erschließen wir uns neue Räume. Zunächst können das Räume im Innern sein, denen neue Räume im Außen folgen können.

In der Trauer können wir durch Yoga lernen, starke und intensive Gefühle wie Traurigkeit, Angst, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht zuzulassen, ohne damit etwas tun zu müssen. Stück für Stück lernen wir, mit ihnen umzugehen. Indem wir sie zulassen, fühlen und erfahren wir, dass sie sich nicht immer gleich schlimm äußern und sich mit der Zeit sogar verändern.

 

Gefühle zulassen

Durch Yoga wird unsere Wahrnehmung mit der Zeit feiner für alle Empfindungen, die sich in uns abspielen, seien sie körperlich, mental oder emotional. Damit wird unsere Wahrnehmung auch für das feiner, was wir in der Trauer brauchen, was uns guttut und was uns unterstützen kann.

Yoga arbeitet mit inneren Bildern und Imaginationen, die unsere Kraft, unsere Zuversicht und unser Vertrauen in das eigene Leben stärken. Stück für Stück erlauben wir, unseren Blick wieder mehr nach vorne zu richten. Auch wenn dieser Blick zunächst zaghaft, unsicher und voller Fragen ist.

Eine besondere Kraft sehe ich auch in der Wirkung der Gruppe. Zum Beispiel fühlen wir uns in der Gemeinschaft mit anderen Trauernden verstanden und gesehen, ohne dass wir uns erklären müssen. Denn eigentlich alle Trauernden berichten von Herausforderungen in ihrer Trauer, mit den Reaktionen des sozialen Umfelds umzugehen. Oft kommt zu den eigenen schwierigen Gefühlen noch dazu, dass wir uns von anderen in unserer Trauer unverstanden fühlen.

 

Gibt es noch etwas, was Du sagen möchtest?

Trauer braucht Mut! Sie braucht Mut, um sich den eigenen, oft überwältigenden Gefühlen zu stellen. Mut, nicht zu wissen, wie es weitergeht und dennoch weiterzumachen. Und auch Mut zu vertrauen, dass Trauer sich verändern kann und dass ich meinen eigenen Weg durch die Trauer finden werde. Und, Trauer braucht Mut bei allen Beteiligten – auch bei Angehörigen, Freunden, Bekannten und Nachbarn! Mut, sich mit der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit auseinanderzusetzen.

 

Der nächste Kurs „Mit Yoga durch die Trauer“ beginnt am 3. Februar. Erfahrungen mit Yoga sind keine Voraussetzung, alle Interessierten sind willkommen. Weitere Informationen zum Kurs gibt es hier: https://herzyoga-regensburg.de/traueryoga/

 

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