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Was hilft bei Depression? Über die Wirkung von Malen in Gesellschaft

Vor sechs Jahren rief Michael Mordhorst die Selbsthilfegruppe "Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund" ins Leben. Eine kleine Lebensoase entstand, wie die Kunstwerke zeigen.

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von Gastautorin Lou Noltenius

In Deutschland leiden rund 5,3 Millionen der Erwachsenen an Depressionen. Die Erkrankung „Depression“ ist mittlerweile besser bekannt. Therapiestunden, Klinikaufenthalte, Psychopharmaka … Bei all diesen Hilfsmitteln ist leider die Wartezeit sehr lang. Und ist die Möglichkeit dann da, heißt das nicht automatisch, dass es auch hilft. Gibt es daneben noch einen Hoffnungsschimmer am Horizont?

In Flensburg ist das für viele Menschen die Selbsthilfegruppe „Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund“. Michael Mordhorst hat diese Gruppe vor sechs Jahren gegründet. Bei einem Aufenthalt in der psychiatrischen Tagesklinik merkte er in der Ergotherapie, wie wohltuend das Malen für ihn ist. Diese Erfahrung wollte er auch anderen Menschen zu Gute kommen lassen. Nach vielen bürokratischen Schritten schaffte er es, eine Selbsthilfegruppe aufzubauen. Die Räumlichkeiten stellte das „Haus der Familie in Flensburg“ zur Verfügung. Die Gruppe ist unter dem Dachverband KIBIS (Kontakt, Information und Beratung im Selbsthilfebereich) angesiedelt.

Für Materialien wie Pinsel, Farben und Leinwände muss Michael Mordhorst jedes Jahr aufs Neue bei Krankenkassen Anträge stellen. Leider wird das zunehmend schwieriger. Nicht alle glauben an die positive Wirkung von Kunst. Oft greift der Flensburger, der die Gruppe ehrenamtlich leitet, in die eigene Tasche. … Obwohl er auf Grund seiner Erkrankung arbeitsunfähig ist, dadurch in Frührente gehen musste und so selbst knapp bei Kasse ist.

 

Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund

Wie sieht so eine kreative Ideen-Selbsthilfegruppe aus? „Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund“ wird zweimal pro Woche angeboten, einmal abends und einmal vormittags für jeweils zwei Stunden – je nachdem, wer wann kann. In der Gruppe darf über alles gesprochen werden, außer über Politik und Religion. Das, was hier Thema ist, bleibt auch in diesem Kreis. Am Anfang gibt es eine Befindlichkeitsrunde, in der sich jede*r äußern kann, was während der Woche passiert ist, wie es einem damit oder auch generell geht. Danach wird gemalt oder gezeichnet. Manchmal geschieht das in konzentrierter Stille, manchmal mit angeregten, humorvollen Gesprächen. Und manchmal sucht jemand Rat, oder ernste Themen kommen auf den Tisch. In einer Abschlussrunde berichtet jede*r, wie es einem jetzt nach dem Malen geht.

 

Malen und zusammen sein – das tut gut

Meist sehen die Gesichter danach viel entspannter aus. Für viele ist es eine Ablenkung von den vielen Problemen und Sorgen. Die Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichem Krankheitsbild empfinden die meisten als sehr wohltuend. Verstanden werden, ohne sich thematisch immer im Kreis zu drehen. Etwas Schönes erleben, etwas schaffen, auf das man stolz ist, Ästhetik, das Baden in Farben. Anhand der Bilder einen Spiegel der eigenen Stimmung sehen oder genau das Gegenteil suchen, durch farbenfrohe Bilder der eventuellen Leere und Traurigkeit etwas entgegensetzen. Die Werke, die entstehen, sind so vielfältig und interessant wie die Personen, die sie malen.

Wer in die Gruppe kommt und eine Kunsttherapie oder einen Malkurs erwartet, wird hingegen enttäuscht sein. Es ist eine Gruppe, die sich selbst hilft – getragen von der Gemeinschaft und Kreativität.

 

Nicht nur malen, auch das Präsentieren in der Öffentlichkeit gehört auch dazu

Alle zwei Jahre gibt es in Flensburg im Rahmen des „Tag der Selbsthilfe“ u. a. einen Infostand dieser Gruppe mit Bildern und Gesprächspartner*innen, um Betroffenen und Interessierten Einblicke in die Arbeit zu gewähren. Zudem findet einmal im Jahr bzw. alle eineinhalb Jahre eine Gruppenausstellung mit Werken der Teilnehmer*innen statt. Meist im Haus der Familie und einmal auch im Rathaus. Eine Gelegenheit, Menschen mit depressivem Hintergrund und ihr Wirken öffentlichkeitswirksam zu entstigmatisieren.

Gut zu wissen: Angebote dieser Art gibt es nicht nur in Flensburg. Neben dieser kreativen Selbsthilfegruppe gibt es in fast jeder Stadt auch Gesprächsselbsthilfegruppen und Sorgentelefone, die für jede*n meist ohne Wartezeit erreichbar sind.

 

Auszeichnung für Michael Mordhorst für sein Engagement für Menschen mit depressivem Hintergrund

Michael Mordhorst, Gründer der Selbsthilfegruppe „“Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund“

Erst im Dezember 2023 wurde Michael Mordhorst mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Flensburg für sein jahrelanges Engagement ausgezeichnet.

 

Herzlichen Dank für Sach-(Spenden) 

Falls jemand die Selbsthilfegruppe „Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund“ unterstützen möchte: Sachspenden in Form von Pinseln, Leinwänden und Acrylfarben sind stets willkommen. Das Wichtigste ist aber die Botschaft: Jeder und jedem kann geholfen werden. Und vor allem: Jede*r kann sich selbst helfen! Du bist nicht allein.

 

Mehr Infos zur Selbsthilfegruppe „Acrylmalen für Menschen mit depressivem Hintergrund“ finden sich hier: https://www.kibis-flensburg.de/haus-der-familie/kibis-selbsthilfe/selbsthilfegruppen/depressionen-und-aengste-selbshilfegruppen-in-flensburg

 

Auf dieser Website sind Selbsthilfegruppen gelistet:

https://www.nakos.de/adressen/rot/

 

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2 Antworten

  1. Ein sehr schöner und interessanter Artikel. Schön, dass es so engagierte Menschen und dieses Angebot gibt. Mir gefallen auch die Bilder, die bei der Therapie entstanden sind, vor allem das 2. Bild des Artikels.

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