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Was uns berührt:

Ein Buch, das glücklich macht

Wieso soziale Kontakte und Berührungen so wichtig für uns sind, beantworten 13 verschiedene Menschen im Buch „Was uns berührt“.
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von Gerda Stauner

In einer Welt, in der wir täglich Smartphones in Händen halten und mit Computern arbeiten, sind echte Berührungen rar geworden. Obwohl wir technisch immer besser vernetzt sind, vereinsamen viele Menschen als soziale, Nähe-bedürftige Individuen zunehmend. Mangelnde Berührung und fehlende soziale Kontakte können in manchen Fällen zu seelischen Krankheiten führen. Aber was kann man tun gegen Burn-out, Depression und Vereinsamung, worunter Millionen Menschen leiden? Der Verein „Netzwerk Berührung“ hat sich diese Frage ebenfalls gestellt und Antworten darauf in der gerade erschienenen Anthologie „Was uns berührt“ vorgestellt. Das Buch verspricht 13 Begegnungen mit Menschen, die sich auch beruflich mit dem Thema Berührung beschäftigen.

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Das „Netzwerk Berührung“ ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, achtsame Berührung in alle Schichten der Gesellschaft zu tragen – insbesondere zu Menschen, die unter chronischem Berührungsmangel leiden. Seit 2018 klärt das Netzwerk in Seminaren über achtsame Berührung auf, schult Personen in wichtigen Schlüsselpositionen wie Lehr- oder Pflegekräfte und vernetzt Menschen miteinander, die in der Körperarbeit tätig sind.

Herausgeberin Agnes Gerstenberg

Laut Agnes Gerstenberg, die selbst im Netzwerk aktiv ist und als Herausgeberin des frisch veröffentlichten Buches fungiert, ist die Lösung nicht nur einfach, sondern auch gar nicht teuer. „Achtsame Berührung ist das Zauberwort und für die braucht man in erster Linie Vertrauen und ein bisschen Zeit. Dass Berührung ‚kostenlos‘ ist, hat zwar den Nachteil, dass keine großen Pharmakonzerne dafür die Werbetrommel rühren würden. Die gute Nachricht ist: Die Gesellschaft wird sich der Bedeutung von achtsamer Berührung und ihrer heilenden Wirkung, die wissenschaftlich bewiesen ist, immer mehr bewusst. Nicht zuletzt durch die Corona-Zeit, in der Kontaktbeschränkungen und soziale Isolation zum Alltag wurden, gewinnt das Thema an Dringlichkeit und findet immer mehr Mittel und Wege, um auf sich aufmerksam zu machen“, meint Gerstenberg.

Was uns berührt – 13 verschiedene Perspektiven

Im Vorwort zum Buch erzählt Agnes Gerstenberg, eine Autorin aus Regensburg, wie sie durch die Suche nach einem Verlag für ihren Debütroman „Unberührt“ auf das Netzwerk Berührung aufmerksam geworden und mit Tobias Frank, dem Gründer des Vereins, in Kontakt getreten ist. Dass sie zwei Jahre später gemeinsam ein Buch herausbringen würden, hätten beide damals nicht gedacht.

Tobias Frank

Tobias Frank ist einer der 13 Menschen, der in der Anthologie „Was uns berührt“ von sich und seiner Arbeit erzählt. „Als Kind liebte ich Fantasy“, schreibt der Berührungsmagier. „Ich las ‚Herr der Ringe‘ und träumte davon, ein Zauberer zu sein. Heute verzaubere ich Menschen mit achtsamer Berührung und schenke ihnen magische Momente.“ Wie einige andere im Buch unterrichtet Frank u. a. Thai Yoga, das laut Definition Meditation in Bewegung ist.

Silke Schuster, die als Texterin in ihrer eigenen Wortschusterei arbeitet, verbindet Worte und Bewegung miteinander: „Meine Arbeit bezeichne ich gern als Thai Yoga Bodyflow, weil es für mich die fließende Körperarbeit symbolisiert und den Lebensflow komplettiert. Blicke ich am Ende einer Yoga-Stunde oder einer Thai Yoga Session in die beseelten Gesichter, gewinne ich den Eindruck, im Leben einiger Menschen einen kleinen Unterschied machen zu dürfen. Das sind die Momente, in denen mir meine Arbeit wertvoll erscheint.“

Jeder Beitrag im Buch besteht aus vier Seiten. Neben einem ansprechenden Foto, das die Portraitierten bei der Arbeit zeigt, beantworten alle die gleichen Fragen der Herausgeberin. Was berührt dich? Wen oder was berührst du regelmäßig und wie? Diese Fragen sollen auch die Leser*innen zum Nachdenken anregen.

 

Berührung im beruflichen Kontext

Nicole Schuttenberg

Auch wenn sich manche Berufsfelder überschneiden, ist jeder Beitrag in der Anthologie einzigartig, liebevoll und ganz persönlich geschrieben. Und alle machen sie neugierig auf mehr. Die Körpertherapeutin Nicole Schuttenberg zum Beispiel verbindet mit ihrer Arbeit als Tantramasseurin und Sterbebegleiterin Bereiche, die auf den ersten Blick völlig unvereinbar erscheinen. Auf den zweiten Blick sind beide zutiefst menschlich: „Es erfüllt mich sehr, dass ich Räume schaffen kann, in denen Menschen einfach sein dürfen, ohne etwas zu leisten“, erzählt die Stuttgarterin, die ehrenamtlich im Hospiz arbeitet. „Räume, in denen Neugier, Freude, Glück und Sinnlichkeit, aber auch Schmerz, Wut und Trauer ihren Platz haben. Ich empfinde es als ein enormes Privileg, andere in diesen intensiven Erfahrungen begleiten zu dürfen und fühle mich durch das Vertrauen in mich zutiefst berührt, bereichert und inspiriert.“

Herzberührein Anjali Anja Bley setzt sich für die staatliche Anerkennung von Heilmassagen als Therapieform ein. Die Übernahme durch die Krankenkasse ist in Deutschland noch lange nicht selbstverständlich. Als Opfer von sexuellem Missbrauch hatte sie auf dem Weg ihrer Heilung ganz besondere Bedürfnisse: zum Beispiel „nach Therapien, die mich, meinen Körper und meine Grenzen wieder spüren lassen und mich dabei unterstützen, sie selbstbewusst zu äußern. Physio- und Gesprächstherapie allein halfen nur punktuell.“ Es ist bewundernswert, wie sie von sich und ihrem Werdegang erzählt und sich jetzt für andere einsetzt. Auch der Psychologische Psychotherapeut Karlheinz Siegmund ist überzeugt: „Berührung ist eine der wichtigsten (Sinnes)Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, vorgeburtlich bis ins hohe Alter. Aber gerade alte Menschen leiden oft unter einem Mangel.“

 

Glücksmomente durch Berührung

Das weiß auch Krankenschwester Katja Klaus aus Erfahrung, die für den ambulanten Pflegedienst „Frauen pflegen Frauen“ arbeitet und täglich ihre Patientinnen berührt. „Mein Kontakt ist dabei immer achtsam und angemessen. Nach dem Aufhelfen vom nächtlichen Liegen zum Sitzen kann es eine Wohltat sein, den Rücken gekrabbelt zu bekommen. Klare Berührungen beim Waschen, Eincremen oder eine kleine Massage sind für viele Balsam für die Seele. Neben aller Fachlichkeit ist hier Spürsinn wichtig. Ein Drücken oder auch ein Lächeln berührt meine Patientinnen, und diesen Glücksmoment bekomme ich zurück.“

Wem es an nährender Berührung mangelt, greift womöglich zu einem ungesunden Ersatz. Drogenkonsum, psychosomatische Schmerzen oder ein zerstörerisches sexuelles Verhalten können Anzeichen für die fehlgeleitete Suche nach Nähe sein, wie Judith und Bernd Wachsmann in ihrem Beitrag deutlich machen. Beim Lesen wird einem nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Macht von Berührung bewusst – die, wenn sie nicht im geschützten Raum, achtsam und in gegenseitigem Einvernehmen ausgeführt wird, auch immer eine Gefahr bedeuten kann.

„Jede Berührung berührt, nicht nur den Körper, auch die Seele“, so heißt es im Klappentext des handlichen Buches. Ein gutes Gespräch, ein Spaziergang in der Natur oder Musik – es gibt so viel, das uns emotional anrühren kann. Herausgeberin Agnes Gerstenberg verspricht sich mit der Veröffentlichung von „Was uns berührt“ mehr achtsame Berührung in der Welt, die dadurch zu einem besseren Ort werden kann. „Wer gut zu sich selbst ist, kann auch gut zu anderen sein“, schreibt sie im Vorwort. „Die Lektüre dieses Buches soll inspirierende Begegnungen mit spannenden Menschen wie auch wohltuende Erkenntnisse ermöglichen. Fühl dich umarmt.“

 

Das Buch ist im Handel erhältlich. Besonders autorenfreundlich kann man es über den Shop der Autorenwelt beziehen. Infos zur Herausgeberin Agnes Gerstenberg findet ihr hier: https://www.agnesgerstenberg.com/ Das „Netzwerk Berührung e. V.“ findet ihr hier: https://www.netzwerk-beruehrung.de/

 

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