Die Initiative "Würdekompass", getragen von Gerald Hüther und der Akademie für Potentialentfaltung, will die Würde jedes Menschen stärken.

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von Isolde Hilt

„Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?“, konstatiert Gerald Hüther, Neurobiologe und einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands. Wir laufen Gefahr, diese zu verlieren. In seinem neuen Buch „Würde. Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“ fragt er: „Was bedeutet es, wenn uns unsere Würde genommen wird, weil wir in der digitalen Welt nur noch als Datensatz zählen oder im Netz geschmäht werden?“ Oder wenn wir uns selbst würdelos verhalten oder andere entwürdigen, weil Erfolg, Macht, Leistung mehr zählen als alles andere? Wie sollen wir uns in einer hoch komplexen Welt überhaupt noch zurecht- und Orientierung finden? Wem oder was folgen? Gerald Hüther hat die Würde als inneren, neurobiologisch verankerten Kompass ausgemacht, der uns hilft, uns nicht zu verlieren. „Wer sich seiner Würde bewusst wird, ist nicht mehr verführbar und behandelt auch seinen Nächsten würdevoll.“ Die Initiative „Würdekompass“ – von der Akademie für Potentialentfaltung und Gerald Hüther auf den Weg gebracht – will eine breite öffentliche Diskussion in Gang bringen, um das Empfinden und Bewusstsein für die Würde eines jeden Menschen zu stärken.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“, lautet Artikel 1, Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes. Doch was bedeutet Würde, wie erklärt man sie? Man fühlt eher als dass man es beschreiben könnte, was dieses abstrakte Etwas sein kann. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpp) bietet dazu eine Erläuterung in Leichter Sprache an:

 

Würde, was ist das?

„Artikel 1 sagt: Jeder Mensch ist wertvoll. Artikel 1 schützt den Menschen in seiner Würde. Würde bedeutet: Alle Menschen haben einen Wert.“ Im Gegensatz zu Dingen, die dann wertvoll sind, wenn wir sie brauchen können, hat der Mensch immer einen Wert – auch wenn er krank ist oder nicht arbeiten kann. Seinen Wert kann der Mensch nie verlieren.

„In Artikel 1 steht: Die Würde eines Menschen ist unantastbar. Das heißt: Die Würde darf auf keinen Fall verletzt werden. Alle Menschen sind dann gleich wertvoll.“ Das bedeutet, es spielt keine Rolle, welche Religion sie haben, wie alt sie sind, aus welchem Land sie kommen, ob sie Frauen oder Männer sind.

Erklärt ist auch, warum es so wichtig ist, die Menschenwürde zu achten und zu schützen. „Ein Leben ohne Menschenwürde ist ein Leben in Angst, Unterdrückung und Zwang. Das heißt: Kein Mensch hat das Recht, einem anderen Menschen Gewalt anzutun.“

Das Gesetz sieht weiter vor, dass kein Mensch, der wirklich Hilfe braucht, allein gelassen werden darf. Der Staat darf niemanden in seinen Grundrechten verletzen. Die Regierung und alle, die für sie arbeiten, müssen sich bei ihrer Arbeit an die Grundrechte halten.

Quelle: http://www.bpb.de/politik/grundfragen/politik-einfach-fuer-alle/236616/die-grundrechte

 

Warum ist Würde so wichtig für unser Zusammenleben?

Dr. Gerald Hüther spricht aus, was viele von uns inzwischen umtreibt: „Wir wissen längst, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. … Wir stürzen von einer Krise in die nächste, verbrauchen immer mehr Energie, plündern die natürlichen Ressourcen unseres Planeten und haben keine Ahnung, wie irgendeine Ordnung in das von uns angerichtete Durcheinander kommen soll. Stattdessen machen sich die Ersten fertig für einen Flug zum Mars.“ Es scheine, als hätten wir die Orientierung verloren. Das Leben, vor allem das Zusammenleben mit anderen ist komplizierter geworden. Vieles, was in der Welt, in Folge von Digitalisierung und Globalisierung geschieht, ist kaum noch wirklich zu verstehen und überfordert uns in hohem Maße. Umbruchphasen in einer Gesellschaft verunsichern zutiefst. Ein bedenklicher Nährboden für geschickte Demagogen, sich als Anführer in Position bringen.

 

Um sich in der Welt außen zurechtzufinden, ist es hilfreich, sich seiner selbst sicher zu sein. Die Würde ist eine dem Menschen innewohnende Eigenschaft. Sie dient uns als Kompass für unsere Entscheidungen und unser Handeln. Gerald Hüther verweist darauf, dass jeder Mensch in der Lage ist, ein Gespür für das zu entwickeln, was seine Würde ausmacht. Diese Fähigkeit sei bereits im kindlichen Gehirn angelegt. Setzen wir uns mehr mit unserer Würde – sowohl allein mit uns selbst als auch im Austausch mit anderen – auseinander, finden wir wieder mehr zu uns zurück. „Die Vorstellung von der Würde, die jeder Mensch besitzt, ist die entscheidende Voraussetzung jeder demokratischen Gesellschaft. Das zutiefst Menschliche in uns zu entdecken, wird zur wichtigsten Aufgabe im 21. Jahrhundert“, ist der bekannte Hirnforscher überzeugt.

 

Aufruf: „Es geht um unsere Würde!“

Es kann doch ruhig alles so weitergehen wie bisher? Dieser Auffassung sind die Wegbereiter*innen der Initiative „Würdekompass“ nicht. Es muss wieder um den Menschen gehen und nicht um die Bedürfnisse einer Wirtschaft in der digitalisierten und globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts. Der „Würdekompass“ versteht sich als persönliches Bekenntnis, gemeinsam in den Köpfen und Herzen längst fällige Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Knapp 42.000 Menschen beteiligen sich bereits, 100.000 Unterzeichner*innen sollen es werden, um eine breite öffentliche Debatte in Gang zu bringen. In vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gibt es dazu bereits lokale Initiativen. Mehr Informationen, wie man sich einbringen kann, finden sich hier:

https://www.wuerdekompass.de/projekte/aufruf-zur-wuerde

https://www.akademiefuerpotentialentfaltung.org/aktuelles/

https://www.change.org/p/aufruf-es-geht-um-unsere-w%C3%BCrde

 

 

Gerald Hüther

Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung. Zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Befasst sich mit neurobiologischer Präventionsforschung. Schreibt Sachbücher, hält Vorträge, organisiert Kongresse, arbeitet als Berater für Politiker und Unternehmer und ist häufiger Gesprächsgast in Rundfunk und Fernsehen.

In seiner Öffentlichkeitsarbeit geht es ihm um die Verbreitung und Umsetzung von Erkenntnissen aus der modernen Hirnforschung. Er versteht sich als „Brückenbauer“ zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlicher bzw. individueller Lebenspraxis. Ziel seiner Aktivitäten: günstigere Voraussetzungen für die Entfaltung menschlicher Potentiale schaffen.

 

„Verletzt nicht jeder, der die Würde eines anderen Menschen verletzt, in Wirklichkeit seine eigene Würde?“

Das jüngste Buch von Gerald Hüther – mit Uli Hauser – ist 2018 erschienen.

https://www.gerald-huether.de/index.html

 

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