Wildpflanzen und ihren Nutzen kennenlernen

"Wenn man Pflanzen sieht und wiedererkennt, respektiert und schützt man sie eher." Kräuterpädagogin Petra Metschl hat ein Herbarium zusammengestellt, das mit heimischen Wildpflanzen bekannt macht.

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Interview: Isolde Hilt

 „Was ist Unkraut? Das sind Pflanzen, deren Nutzen noch nicht erkannt wurde.“ Petra Metschl stellt in ihrem „Herbarium“ etliche Pflanzen näher vor und holt auch weniger bekannte aus dem Unkraut-Dasein heraus. Gemüsegarten und Wildpflanzen begleiten sie schon ihr Leben lang. Vor fünf Jahren hat sich die naturverbundene Frau aus dem Bayerischen Wald nach langjähriger Tätigkeit in der Bio-Landwirtschaft und Altenpflege noch einmal eingehender den Kräutern verschrieben und einen Lehrgang zur Kräuterpädagogin absolviert. In ihrem liebevoll gestalteten Buch finden sich 30 Gewächse – häufig vorkommende Wildpflanzen aus ihrer Umgebung. Auch wenn man nicht vom Fach ist, kennt man doch einige wie die Brennnessel, das Gänseblümchen, den Löwenzahn oder die Brombeere. Aber wozu sind sie gut?

Mit ihrem Herbarium lädt Petra Metschl zu einer kleinen Expedition ein, auf der man zu jeder Pflanze erfährt, welche Namen sie noch trägt, wo sie vorkommt, welche Inhaltsstoffe ihr zu eigen sind, wofür man sie verwenden kann. Auch Historisches, Rezepte und – sehr wichtig! – Verwechslungsgefahren sind mit aufgeführt. Ein Gespräch mit ihr macht schon einmal Lust auf den Frühling und alles, was dann wieder zu wachsen beginnt.

 

Woher kommt deine Begeisterung für heimische Wildpflanzen? Liegt das in der Familie?

Meine Mutter hat ein gutes Händchen für ihren Garten. Als Kind saß ich da immer schon naschend zwischen Beerensträuchern. In den 1960er Jahren waren Wald und Wiese um Kötzting herum mein Spielplatz, ebenso die Bauernhöfe meiner Schulfreundinnen. So wuchs die Liebe zur Natur ganz von selbst.

Hast du mit Pflanzen auch Erfahrungen gemacht, die dich überrascht haben?

Ja. 2014 hatte ich eine heftige Borrelioseerkrankung. Anstatt einer konventionellen Antibiotikum-Therapie habe ich es damals mit antibiotisch wirkenden Pflanzen versucht. Ich war sehr krank, spürte aber, dass es mir so von Woche zu Woche besser ging. Ich habe bestimmt ein halbes Jahr täglich eine Kanne Tee und Tinkturen mit entsprechenden Kräutern, neben basischer Ernährung, zu mir genommen.

Später bei einer Untersuchung bei einem Internisten kam die Sprache noch einmal auf die Borreliose. Er fragte mich, wie ich mich selbst therapiert hätte. Er hörte sich das an und fragte, ob ich seitdem noch einmal einen Schub gehabt hätte. Auf meine Verneinung hin meinte der Arzt, dann könne ich davon ausgehen, dass ich sie los sei – wortwörtlich. Ich war von der Pflanzenkraft fasziniert.

Du bist Kräuterpädagogin. Was macht man da?

Seit Menschengedenken werden Kräuter als Lebensmittel und zu Heilzwecken verwendet. Ich möchte einer wachsenden Zahl von Interessierten unsere heimische Pflanzenwelt näherbringen. Der Wunsch nach einem gesünderen Lebensstil wächst und auch der Trend „zurück zur Natur“. Pflanzen sind vielseitig einsetzbar – ob als Widkräutersalat, Wildkräutergemüse, beim Kochen, Waschen, zur Herstellung von Kosmetik oder auch in der alternativen Medizin.

Wie viele Pflanzen kennst du beim Namen?

Gute Frage … so 200 oder 300? Ich mache auch privat mit Pflanzenkundigen – zum Beispiel vom Landesbund für Vogelschutz oder vom Bund Naturschutz – Exkursionen in verschiedene Gegenden und lerne immer wieder dazu. Zuhause lese ich dann nach. Es gibt auch eine Pflanzenbestimmungs-App, die kostenlos ist: Sie heißt Flora Incognita.

Gibt es eine Pflanze, die dich besonders begeistert?

Die Brennnessel. Ich habe zuhause eine kleine Brennnesselplantage kultiviert. Im letzten Herbst hingen die Brennnesseln dann voll von Raupen. Das verspricht viele neue Schmetterlinge in diesem Jahr.

Zu jeder Pflanze kann man bei dir einiges nachlesen: Welche Namen sie hat, wo sie vorkommt, wofür sie verwendet wird, welche Stoffe sie beinhaltet, Wissenswertes aus früheren Zeiten und auch Rezepte. Wie hast du dieses ganze Wissen zusammengetragen?

Vieles habe ich selbst erprobt, beobachtet, mich mit Gleichgesinnten ausgetauscht. Und über Fachliteratur konnte ich mir einiges aneignen.

Wie kann man das angehen, wenn man sich mehr mit heimischen Wildpflanzen befassen will? Es gibt ja auch die Gefahr der Verwechslung und manches ist giftig …

Am besten bei mir einen Termin für eine Kräuterführung ausmachen. 🙂 Ich finde es immer wieder schön und wichtig, die Wildpflanzen vor Ort zu besprechen, zu fühlen, zu riechen oder, je nachdem, auch davor zu warnen. Mittlerweile gibt es viel gute Literatur über unsere wilde Pflanzenwelt.

Was man beachten muss: Bei Weitem nicht jede Pflanze eignet sich zum Verkosten oder als Heilmittel. Es gibt bittere, scharfschmeckende und – ganz wichtig! – auch giftige oder auch allergieauslösende Pflanzen. Ohne einen Kundigen oder ohne sicheres Vorwissen kann das durchaus gefährlich werden. Als Beispiel will ich hier im Frühjahr das Maiglöckchen nennen, das man sehr leicht mit Bärlauch verwechseln kann.

Wir alle brauchen in diesen Zeiten ein starkes Immunsystem. Wie stärkst du dich – mit welchen Pflanzen oder Kräutern?

Als Kräuterpädagogin darf und will ich keine Heilsversprechen abgeben. Das dürfen nur Ärztinnen und Ärzte und Heilpraktiker*innen. Frei im Handel kann man sich aber einiges kaufen, um die Abwehrkräfte zu stärken: zum Beispiel Holunderblüten und -beeren, Sonnenhut, Hagebutten oder auch Salbei … 

Johanniskraut

Viele sind von Stress und Ängsten geplagt. Was kann hier lindernd wirken?

Bei Stress und Ängsten fallen mir Lavendel, Hopfen, Melisse, auch Johanniskraut ein. Ein Kännchen Tee tut da immer gut.

Etwas, das ich immer schon wissen wollte: Brennnesseln können vielseitig eingesetzt werden – als Gemüse, Bratlinge, Salat, Tee. Hippokrates empfahl die Pflanze zur Leib- und Blutreinigung und im Mittelalter war sie bekannt als Mittel, das die Liebesfähigkeit steigert. Doch wie pflückt man dieses brennende Etwas und verarbeitet es?

Brennnessel

Die Brennnessel ist eine sehr vielseitige Pflanze. Ernten tut man sie am besten mit Handschuhen. Und dann nur die oberen 10 cm der Pflanze für Salat und Gemüse. Man kann auch mit einem schnellen Griff den oberen Pflanzenteil abstreifen. Das bitzelt dann etwas in den Händen, regt aber die Durchblutung an. Oder man nimmt die Schere. Zuhause gehe ich mit einem Nudelholz drüber. Dabei brechen die Brennhärchen und die Brennnesseln lassen sich dann leichter weiterverarbeiten.

Du bietest auf Wunsch auch Pflanzenführungen an. Was lernt man da?

Man lernt die Pflanzen kennen. Wir berühren, beschnuppern und besprechen sie. Dann sammeln wir die Kräuter für zuhause. Da werden sie dann verköstigt, abwechselnd oder nach Wunsch zu einem Smoothie, Kräuterquark, Kräutersenf, Kräutersalz verarbeitet. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten.

Außerdem erzähle ich übers Kräutersammeln, das Trocknen, wie man Tees zubereitet, Tinkturen ansetzt, wie man Kräuter in der Kosmetik einsetzen kann. Oder auch, wie man Pflanzen verräuchert.

Kann man diese Pflanzen und Kräuter auch bestellen, wenn man selbst nicht die Möglichkeit hat zu sammeln oder sich einfach zu wenig auskennt?

Ja, man kann heute sämtliche Kräuter im Fachhandel bestellen.

Noch etwas, das dir wichtig ist, dir am Herzen liegt?

Ich möchte darauf aufmerksam machen und unsere Sinne schärfen für das, was um uns herum wächst, worauf wir steigen und was wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Wenn man Pflanzen sieht und wiedererkennt, respektiert und schützt man sie eher. Die Natur ist unser eigentlicher Lebensraum. Was wären wir ohne Blumen und Schmetterlinge? Vielleicht lernen wir, Mutter Natur wieder wertzuschätzen.

 

Das Buch „Herbarium“ mit 30 Wildpflanzen kann direkt bei Petra Metschl bestellt werden. Bitte eine E-Mail schreiben an: kraeuterpetra@gmx.de

 

Hier gibt es weitere Informationen zur Pflanzen-App Flora Incognita: https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/pflanzen-erkennen-per-app-1757186

 

PS: Herzlichen Dank an Gerlinde, die uns auf diese good news aufmerksam gemacht hat!

 

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