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Naturnahes Gärtnern liegt im Trend. Vorträge und Kurse von campus botanicus stoßen auf große Begeisterung. Reisevorträge mit botanischen Aspekten sind auch mit im Programm.

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Interview: Isolde Hilt

Insektenfreundlicher Garten

Die Kunst, ein erfülltes Leben zu führen, besteht für viele darin, immer wieder das Gleichgewicht für sich zu finden. Wie macht das jemand, die – wie Sylvia Knittel – die Unternehmenskommunikation eines Versicherungskonzerns leitet? Sie geht, so oft als nur möglich, in die Natur. Hier finde sie sich selbst wieder, sagt sie. Es lohnt sich, dieser Naturkennerin immer wieder einmal auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen zu folgen. Sylvia Knittel ist auch Fotografin, die es ausgezeichnet versteht, einzigartige Momente, Landschaften und Stimmungen aus allen möglichen Perspektiven einzufangen. Und dann gibt es noch eine weitere Leidenschaft von ihr – das Gärtnern. Daraus ist mit drei weiteren Gardengirls (wie sich die Frauen selbst liebevoll bezeichnen) im letzten Jahr ein vielversprechendes Projekt entstanden: der campus botanicus. Ein Gespräch mit ihr weckt die Sehnsucht nach mehr.

 

Sylvia, wie bist zu einer so großen Gartenliebhaberin geworden?

Die Liebe zur Natur und zum Gärtnern liegt bei mir in der Familie. Meine Eltern haben einen Steingarten voller seltener Pflanzen, und schon meine Oma hat mir alle Pflanzennamen der einheimischen Flora beigebracht. Das ist nie verloren gegangen. Ich genieße es, mir die Natur in den eigenen Garten zu holen. 

Was liebst du am meisten am Gärtnern?

Es erdet mich, einen langen Büro-Arbeitstag im Garten ausklingen zu lassen und den Pflanzen beim Wachsen und Entwickeln zuzusehen. Im Garten zu sein, lässt mich alles vergessen. Ich arbeite auch sehr gerne mit anderen zusammen im Garten. Meine Freundin Christine, Mitgründerin des campus botanicus, pflegt ehrenamtlich einen Sammlergarten mit besonderen Pfingstrosensorten, dessen Besitzerin schon länger verstorben ist. Wenn hier gearbeitet wird, bin ich besonders gerne dabei. Wir lachen viel und haben viel Freude bei der Arbeit. Leider ist der Garten weit entfernt von Stuttgart am Rand des Odenwalds.

Was begeistert dich in einem Garten besonders?

Zwiebeln in allen Farben und Formen. Zwiebelblüher sind einfach ganz besondere Pflanzen, die verschwenderisch blühen und jeden Garten zum Leuchten bringen. Ansonsten liebe ich Gärten, die die wilde Üppigkeit der Natur nachempfinden und nicht perfekt manikürt sind.

Ist ein Trend festzustellen, wieder mehr selbst anzupflanzen, insbesondere auch Nutzpflanzen?

Ja, das hat sich im Verlauf der vergangenen Jahre entwickelt. Nicht nur im eigenen Garten, sondern auch als Urban Gardening mitten in der Stadt, oft auch als gemeinschaftliche Aktivität. Corona hat im vergangenen Jahr dazu beigetragen, dass sich viele Menschen wieder auf ihren eigenen Garten besinnen. Naturnahes Gärtnern liegt besonders im Trend. Diese Entwicklung begrüße ich und sie dauert hoffentlich an. Denn nur so lernen wir über die Natur und den Schutz wertvoller Pflanzen und Tiere.

Stellst du uns bitte kurz die Szene der Gärtner*innen vor? Da gibt es ja einen regen Austausch. Was verbindet besonders?

Ich habe keinen Überblick über alles, dafür gibt es viel zu viele leidenschaftliche Gärtner*innen. Auffällig ist, dass viele irgendwie mit dem Garten anfangen, dann plötzlich vom Gartenvirus befallen werden und sich tief in das Thema einarbeiten. Auch ich habe wieder richtig damit angefangen, als ich auf Facebook auf eine Reihe toller Gartengruppen stieß, die alle miteinander zusammenhängen und so ein riesiges Netzwerk bilden. Darüber habe ich viele liebe Gartenfreund*innen, Profis wie Amateure, kennengelernt und unglaublich viel neu erfahren.

In Zeiten vor Corona gab es viele Treffen in Gärten und gemeinsame Ausflüge – privat, durch Vereine und Gesellschaften organisiert. Man trifft sich, fachsimpelt über Pflanzen und hat gleichzeitig viel Spaß dabei. Das fehlt uns.

Du hast mit drei Freundinnen den campus botanicus gegründet. Worum geht es da?

Wir hatten Veranstaltungen und Treffen geplant … Dann kam Corona und alles war anders. Wir haben überlegt, wie wir die Kontakte, den Austausch und die Wissensvermittlung weiter beibehalten können und kamen auf Zoom als Medium. Wir fingen einfach einmal an, um herauszufinden, ob Interesse an virtuellen Veranstaltungen besteht und sich zu verschiedenen Themen auszutauschen.

Ihr bietet inzwischen eine ganze Reihe an Vorträgen an. Was ist da so alles dabei?

Das Programm ist bunt: Wir bieten Vorträge über Pflanzengruppen, Gärten und spezielle Beete – zum Beispiel mit Sand als Mulch oder an Klimawandel angepasste Pflanzungen. Wir haben auch Reisevorträge mit botanischen Aspekten im Programm. Das passt zum einen in Zeiten des Lockdowns ganz gut, weil wir alle nicht reisen können. Zum anderen gelangen wir so an Orte, die wir persönlich in unserem Leben wahrscheinlich nicht bereisen werden wie den Iran. Damit wir ein breites Programm anbieten können, nutzen wir unsere guten Kontakte in die Gartenszene und gewinnen auch prominente Referent*innen.

Botanische Reise nach Grönland

Letztes Jahr Ende Mai seid ihr mit campus botanicus gestartet. Wie sehen eure ersten Erfahrungen damit aus?

Wir haben zuerst einfach einmal gemacht. Einen Monat nach der Idee hatten wir bereits eine Website und den ersten Vortrag laufen. Dann wuchsen wir sehr schnell, das Interesse ist riesig. Mittlerweile haben wir für jede Veranstaltung deutlich über 100 Anmeldungen und bekommen tolles Feedback. Unsere Zuschauer*innen sind begeistert von dem, was wir bieten.

Was uns besonders freut: Wir haben viele ältere Teilnehmer*innen, die durch den campus botanicus gelernt haben, mit der Videotechnik umzugehen. So können sie gerade in Zeiten von Corona plötzlich an Veranstaltungen teilnehmen und Referent*innen erleben, die sie sonst selbst ohne Corona so nicht hätten erleben können. Auch wenn die Technik nicht alles ersetzen kann, sorgt sie doch für Anschluss zu Gartenfreund*innen und eine Erweiterung des Wissens. Das gilt im Grunde für alle Teilnehmer*innen.

Und das gilt auch für uns: Wir sind alle keine Digital Natives, da weit über 50, und trotzdem führen wir den campus botanicus rein virtuell. Wir sind da hineingewachsen und jetzt ist es für uns normal.

Ihr bietet jetzt dann auch Kurse an. Was kann man da lernen? Gibt es auch etwas für Neulinge, die sich mit einem Garten noch nicht groß auskennen?

Wir starten im Februar mit einem zweiteiligen Kurs zur Pflege von Sträuchern und Bäumen. Das ist ein Thema, das für viele ein Buch mit sieben Siegeln ist. Im März kommt ein dreiteiliger Kurs, wie man einen Naturgarten anlegt. Das Ziel ist, sich einen fertigen Plan für den eigenen Naturgarten im Kurs zu erarbeiten. Dieser eignet sich auch für Einsteiger*innen. Zudem arbeiten wir an Gartengestaltungs-Kursen, mit denen wir ebenfalls Einsteiger*innen ansprechen wollen. Das ist noch in Planung.

Ist campus botanicus auch interessant für Menschen, die keinen eigenen Garten haben und vielleicht nur einen Balkon?

Ja, zumindest in Teilen. Wir hatten bereits einen Vortrag über kleine Gehölze für den Balkon und kleine Gärten. Balkon ist derzeit aber rein aus Zeitmangel ein Nebenthema für uns. Im Moment können wir nicht mehr als vier Veranstaltungen pro Monat anbieten. Wir machen das ja alles nebenberuflich.

Womit kann man bereits jetzt in der kalten Jahreszeit anfangen?

Es gibt einen Spruch vom großen Gartenmeister Karl Foerster: „Es wird durchgeblüht.“ Die kalte Jahreszeit ist traditionell eher ruhig im Garten, aber es gibt wunderbare Winterblüher, die man – solange der Boden nicht gefroren ist – auch setzen kann. Diese brauchen das kalte Wetter, um richtig anzuwachsen. Zum Beispiel bei den Gehölzen die Hamamelis. Bei Stauden und Zwiebeln starten jetzt die Schneeglöckchen und Winterlinge. Schneerosen und Lenzrosen blühen oder haben bereits dicke Knospen ausgebildet. Zu beiden Themen haben wir noch im Januar Vorträge!

Noch etwas, das dir und euch wichtig ist …?

Wir haben Ideen ohne Ende und können unglaublich viel auf die Beine stellen. Der limitierende Faktor ist lediglich unsere Zeit. Es bleibt also spannend. Wir freuen uns, wenn wir Menschen in der gemeinschaftlichen Begeisterung für den Garten und die Natur zusammenführen können. Die Rückmeldungen glücklicher Teilnehmer*innen macht auch uns glücklich! Das ist der Kern des campus botanicus.

 

__________________

 

Die Frauen hinter campus botanicus:

von links oben: Andrea Bierbaum, Sylvia Knittel, Christine Bahlo und Petra Michaela Kirchmayer

 

Weitere Infos zu campus botanicus:

https://campus-botanicus.de

Facebook: https://www.facebook.com/campusbotanicus

 

 

 

 

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt.

 

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